Allgemeine Berichte | 25.11.2025

Turmgespräch des Denkmalvereins mit Friederike Gross-Koschinski zum Sinziger Schloss und seinen Bewohnern

Vorfahren im Portrait, Nachfahren im Saal

Familiengeschichte am authentischen Ort: Friederike Gross-Koschinski erzählt über ihre in den Ölgemälden dargestellten Vorfahren. Foto: Denkmalverein/Matthias Röcke

Sinzig. Wem hat Sinzig sein Schloss zu verdanken und warum wurde genau an dieser Stelle 1855 ein neugotischer Bau errichtet? Diese Fragen interessierten so viele Menschen beim Turmgespräch des Fördervereins Denkmalpflege und Heimatmuseum im Schloss, dass noch zusätzliche Stühle in den Vortragssaal des Schlosses gebracht werden mussten. Vorstandsmitglied Friederike Gross-Koschinski hatte zum Thema „Das Schloss und seine Bewohner – eine rheinische Familiengeschichte“ eingeladen.

Sie ist dazu prädestiniert, denn sie gehört zur Familie, konnte also aus erster Hand berichten. Gross-Koschinski stellte gleich zu Beginn klar, dass das die Sache nicht einfacher macht. So viel Stoff, so viele Menschen, so viele Verzweigungen, so viele Schicksale in einem Vortrag von eineinhalb Stunden zu verdichten. Das kann nur eine Familiengeschichte in Folgen leisten, ähnlich wie in aktuellen Netflix-Serien.

Über den Bau des Schlosses sind Sinzig und Köln auf besondere Weise verbunden, da Gustav und Adele Bunge, die das Schloss errichten ließen, aus Köln kamen. Gross-Koschinski gab deshalb erst einmal einen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der beiden Orte. Dazu gehört, dass im Jahr 1714 die protestantischen Kaufleute vom Rat der Stadt Köln vertrieben wurden. So siedelten diese sich in Mülheim auf der anderen Rheinseite an, damals noch ein eigenständiger Ort. Dort errichtete auch die Tucherfamilie Andreae ihre Samt- und Seidenfabrik. Adele Maria Andreae, geboren 1828, und der Kaufmann Gustav Otto Bunge, geboren 1821, heirateten in Köln 1850. Sie wohnten im historischen Zentrum der Stadt.

Und warum nun Sinzig? Eine Anzeige in der „Kölnischen Zeitung“ von 1853 gab wohl den Anstoß: „Freiwilliger Verkauf einer zum Landsitz geeigneten Besitzung in Sinzig“ war dort zu lesen. Eine Rolle hat vielleicht auch gespielt, dass die Eltern von Adele auf dem Helenaberg in Sinzig bereits ihren Sommersitz hatten.

Einen wesentlichen Impuls für die Gestaltung des Sinziger Schlosses lieferte die Vollendung des gotischen Doms in Köln in der Zeit von 1842 bis 1880. Dies hatte einen „neugotischen Rausch“ zur Folge. So beauftragte das Ehepaar den angesagtesten Architekten und Kirchenbaumeister Kölns Vincenz Statz mit den Plänen. Sommersitze entlang des Rheins waren Mode bei den wohlhabenden Patrizierfamilien. Denn: „In Köln war die industrielle Revolution in vollem Gange – das gehört auch zu den Dingen, die ich bei der Recherche zu dem Vortrag gelernt habe“, so Gross-Koschinski. Industrialisierung bedeutete auch zunehmende Bevölkerungsdichte und Baulärm, deshalb die Sehnsucht nach Natur und guter Luft am Sommersitz.

Im zweiten Teil des locker und munter dargebrachten Vortrags ging es um das Wohnen im Schloss. Passenderweise blickten einige der beschriebenen Personen in eindrücklichen Gemälden von der Wänden des früheren Tee- und Billardzimmers auf das Publikum herab – authentischer geht es kaum. Gustav und Adele Bunge hatten fünf Kinder – Johanna, Adele, Agnes-Laura, Clara und Gustav. In Kontrast zu den Ölgemälden zeigt das Schwarz-Weiß-Foto von 1898, das auch auf dem Plakat zu sehen war, ein Gruppenbild. Die bereits verwitwete Adele Bunge sitzt in der Mitte ihrer Familie anlässlich ihres 70. Geburtstags - ein Jahr vor ihrem Tod. Johanna als die Älteste der Kinder übernahm zusammen mit ihrem Mann Ernst Koenigs 1901 das Anwesen.

Vom Werdegang der sieben Kinder und deren Nachkommen berichtete Gross-Koschinski im Zeitraffer. Viele Schicksalswege und persönliche Eigenheiten zeichnete sie auf. Dazu passte der gelungene Schlusseffekt, dass die Referentin Verwandte aus drei der Familien herzlich willkommen heißen konnte - Nachfahren der Bewohner waren ins Schloss zurückgekehrt.

Das alles ergab viel Gesprächsstoff. Museumsleiter Gabriel Heeren lud zum anschließenden Beisammensein ein und dankte Friederike Gross-Koschinski unter großem Beifall für den hochinteressanten Vortrag.

Familiengeschichte am authentischen Ort: Friederike Gross-Koschinski erzählt über ihre in den Ölgemälden dargestellten Vorfahren. Foto: Denkmalverein/Matthias Röcke

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