Bürgermeister, Fraktionen und Aktivgemeinschaft haben die Zukunft von Sinzigs Innenstadt im Visier
Sinzig: Eine Fußgängerzone hat nicht nur Freunde
Sinzig. Sinzig liegt ihnen allen am Herzen. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung machte sich Aufbruchstimmung zur Zukunft der Innenstadt breit. Dabei ging es unter anderem um die Neugestaltung des Marktplatzes, den ÖPNV, ein Parkleitsystem, die Frage nach einer Fußgängerzone, eine entsprechende Bürgerbefragung sowie die Thematik Kirchplatz in Verbindung mit der Problematik Denkmalschutz. Zukunftsthemen, die auch positive Auswirkungen auf die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt haben sollen. Blick aktuell hat die Thematik aufgegriffen und die Positionen von Bürgermeister Andreas Geron, den Fraktionen im Stadtrat und der Aktivgemeinschaft Sinzig abgefragt. Hier die Statements der Beteiligten, wobei Peter Krupp für die Aktivgemeinschaft auch die Ergebnisse des „Aktivtisches“ im Nachgang der Ausschusssitzung einbringt.
Der Bürgermeister
Andreas Geron, Bürgermeister von Sinzig: „Als Bürgermeister bin ich sehr optimistisch, dass wir gemeinsam mit den Gewerbetreibenden und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt den Prozess der Umgestaltung in den nächsten Monaten entscheidend voranbringen können. Schon die Bürgerbeteiligung im Rahmen des ISEK-Prozesses vor einigen Jahren hat uns alle sehr begeistert und wichtige Impulse geliefert. Aufbauend auf den hier erzielten Ergebnissen wurden nun erste Ideen für den Marktplatz, den Kirchplatz sowie die Verkehrsführung vorgestellt, die ebenfalls zuversichtlich stimmen. Positiv zu werten ist auch, dass wir im Prozess durch die GEWI (Gesellschaft für Entwicklung, Wiederaufbau und Innovation) maßgeblich unterstützt werden.“
Die Fraktionen
Franz-Hermann Deres, CDU-Fraktion: „Das Innerstädtische Entwicklungskonzept (ISEK) ist eine Chance, die wir für Sinzig nutzen wollen. Dasvorgestellte Verkehrskonzept (mit einzelnen Varianten) in Zusammenhang mit der Einrichtung einer Fußgängerzone sehen wir als eine gute Diskussionsgrundlage. Den Ausschussmitgliedern der CDU ist wichtig, dass das Konzept mit den Einzelhändlern und Gewerbetreibenden respektive der Aktivgemeinschaft abgestimmt wird. Nur gemeinsam können wir das Ziel erreichen, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen. Das vorgestellte Verkehrskonzept beinhaltet in einer Variante die Zufahrt zur Innenstadt von der Barbarossastraße aus über die Schlossstraße (mit Weiterfahrt linksabbiegend über die Bachovenstraße) und den Abfluss des Verkehrs von der Koblenzer Straße nicht nur durch die Münzgasse, sondern auch über den Teil der Ausdorferstraße zwischen Markt-Apotheke und Brunnenplatz. Diese Verkehrsführung sehe ich persönlich aufgrund der teilweise engen Straßenverhältnisse kritisch. Gut finden wir, dass nach dem Konzept die Verkehrsführung (zum Beispiel durch sogenannte Versenk-Poller am Marktplatz) flexibel sein soll. Der Einführung eines Parkleitsystems stehen wir aufgeschlossen gegenüber.“
Reiner Friedsam, FWG-Fraktion: „Die FWG begrüßt, dass die seit über 20 Jahren bestehende Verkehrsführung jetzt im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes auf den Prüfstand gestellt wird. Die Gestaltung für den Markt- und Kirchplatz spielen dabei eine zentrale Rolle für mehr Wohlfühl- und Aufenthaltsqualität. Der FWG ist es wichtig, dass jetzt die ansässigen Sinziger Gewerbetreibenden der Innenstadt Gehör finden. Denn insbesondere Geschäfte und Gastronomie leisten einen wesentlichen Beitrag für eine lebendige Stadt. Gemeinsam gilt es Lösungen zu finden mit der alle gut leben können. Ziel ist es, hier ein rücksichtsvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer zu schaffen.“
Dr. Richard Figura, SPD-Fraktion: „Viele Sinziger wünschen sich eine lebendige Innenstadt: einen Ort, an dem man sich begegnen, verweilen, einkaufen sowie sicher und wohl fühlen kann. Dafür braucht es Raum – Raum für Menschen und nicht für Durchgangsverkehr. Davon profitieren besonders Familien mit Kindern und ältere Menschen durch sichere, barrierearme Wege. Deshalb unterstützt die SPD die Einrichtung einer Fußgängerzone als Chance für eine starke Gastronomie und neue Impulse im Einzelhandel. Bereits 2018 sprach sich in einer Bürgerbefragung eine Mehrheit dafür aus. Die neuen Vorschläge bringen unterschiedliche Interessen zusammen und schaffen mit begrünten Schattenplätzen eine gute Grundlage für eine attraktive und klimaangepasste Innenstadt.“
Ruth Pütz, Grünen-Fraktion: „Die positive Resonanz auf den PikoPark zeigt uns, was den Sinzigern im Stadtzentrum fehlt: attraktive öffentliche Räume für Jung und Alt mit Atmosphäre und Erlebnischarakter. Daher streben die Sinziger Grünen eine Fußgängerzone an, die Brunnen-, Markt- und Kirchplatz miteinander verbindet. Erfahrungen aus Städten wie Remagen und Andernach zeigen, dass damit auch Handel und Gastronomie gestärkt werden. Die Anpassung der Verkehrsführung ist eine Herausforderung, die mit dem Engagement der Stadtverwaltung und im Austausch mit den Gewerbetreibenden und der Bevölkerung gelingen kann.“
Martin Thormann, FDP-Fraktion: „Sinzig braucht keinen Stillstand, sondern Mut zur Veränderung. Für uns als FDP-Fraktion heißt Innenstadtentwicklung: mehr Freiheit für Menschen statt für Autos, mehr Grün statt Beton und mehr Leben statt Vorschriften. Deshalb haben wir frühzeitig beantragt, den Marktplatz zu einer grünen, generationsübergreifenden Oase umzugestalten. Enttäuschend ist, wie leichtfertig der Denkmalschutz notwendige Entwicklungen unserer Heimatstadt blockiert. Stadtgestaltung darf nicht ausgebremst werden. Ein kostenpflichtiges Parkleitsystem mit klar geregelten Anliegerplätzen, ein starker ÖPNV und offen diskutierte Fußgängerzonen sind der richtige Weg. Bürgerbeteiligung ja – Stillstand nein.“
Die Aktivgemeinschaft
Peter Krupp, Aktivgemeinschaft Sinzig: „Zur Diskussion über die Vorschläge zur Umgestaltung der Innenstadt hatte die Aktivgemeinschaft im Rahmen ihres ‚Aktivtisch‘ eingeladen. Einhellige Meinung der Gewerbetreibenden war, dass eine radikale Lösung ‚Fußgängerzone‘ das Aus für viele der kleinen Geschäfte bedeuten würde. Diskutiert wurden Alternativen, die von einer temporären verkehrsberuhigten Zone bis zu Zufahrtsbeschränkungen mit Pollern oder Schranken reichten. Durch versenkbare Poller würde gleichzeitig das Sicherheitskonzept für Feste unterstützt und die Veranstalter von hohen Kosten bei den Stadtfesten entlastet. Temporäre Befristungen könnte man sich vorstellen, wenn sie zum Beispiel befristet für die Abendstunden oder an Wochenenden besonders in den warmen Sommermonaten gelten. Man wünsche sich engmaschigere Kontrollen des ruhenden Verkehrs sowie häufigere Geschwindigkeitskontrollen besonders in der Bachovenstraße. Damit sei die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer zu verbessern und eine echte Verkehrs-‚Beruhigung‘ in der Innenstadt zu erzielen. Wenn parkende Autos, insbesondere Langzeitparker, verbannt werden sollen, muss zusätzlicher Parkraum am nahen Stadtrand geschaffen werden.
Rücksicht zu nehmen ist auf die Anforderungen ansässiger ‚Abholbetriebe‘, wie Bäcker, Pizzaservice, Apotheke. Für die Zubringer und Abholer von Patienten der anliegenden Arztpraxen sind Möglichkeiten der ungehinderten Anfahrt zu berücksichtigen. Gefragt wurde, inwieweit können die Interessen der Bewohner und der Mieter der Garagen und privaten Stellplätze in den betroffenen Straßen berücksichtigt werden? Unverständnis äußerste man über Beschränkungen des Denkmalschutzes. Werden hier die Prioritäten richtig gesetzt oder dringend notwendige Veränderungen blockiert?
Um die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen sind nicht nur die Umgestaltung der Plätze und Änderung der Einbahnstraßen-Fließrichtung zu überdenken. Auch die Sperrung des Marktplatzes als Stadtmittelpunkt sieht man kritisch, da damit die Verkehrsbelastung in andere Bereiche, teilweise mit Fahrbahn-Engstellen, verlagert wird. Engagiert diskutiert wurde über neuralgische Punkte wie die ‚namenlose Gasse‘ vor der Markt-Apotheke oder die Engstelle Ecke Schlossstraße/Bachovenstraße.
Großes Potenzial wird in der Beseitigung des Leerstandes gesehen. Hier hofft die Aktivgemeinschaft auf intensives Engagement von Ortsbeirat, Stadtrat, Wirtschafts¬förderung und die Bereitschaft der Vermieter um Sinzig als Einkaufsstadt attraktiver zu machen. Der ‚Aktivtisch‘ war sich einig, dass eine Aufwertung zu einer innerstädtischen ‚Wohlfühl-Zone‘ gemeinsam mit allen Betroffenen zu erreichen ist. Die Gewerbetreibenden freuen sich auf den weiteren Gedankenaustausch mit der Verwaltung, den städtischen Gremien und den Planern um akzeptable, umsetzbare und finanzierbare Lösungen zu finden.“ GS
Schon die Bürgerbeteiligung im Rahmen des ISEK-Prozesses vor einigen Jahren hat wichtige Impulse geliefert. Foto: ROB
Der Marktplatz ist ein beliebter Treffpunkt, nicht nur bei Stadtfesten. Foto:ROB
