Allgemeine Berichte | 15.12.2020

Ein erfolgreiches Jahr 2020 für das „Team Rheinbach“ beim Vorlesen:

Vorlesekunst braucht Talent und Training

Der 12-jährige Silas Worm wurde bester Vorleser im Regierungsbezirk Köln und stellte sich dem Wettbewerb mit den besten Vorlesern aus ganz NRW

Maja Niebes, Victoria Schaay, Silas Worm und Tom Warhonowicz lieben das schöne Vorlesen. Fotos: Rheinbach liest e. V.

Rheinbach. Rückblick auf einen heißen Nachmittag Anfang August 2020: Silas Worm, Schüler der Jahrgangsstufe 7 des Sankt-Joseph-Gymnasiums, hat Regina Münch in seinem Garten zu Besuch. Die stellvertretende Leiterin des WDR-Sprechensembles, mittlerweile mit „WDR-Stimmwerk“ betitelt, ist eine absolute Könnerin ihres Fachs. Ihre Kunst und Profession ist es, Texte mit ihrer Stimme lebendig werden zu lassen. Neben dem Sprechen von Moderationen, Nachrichten, dokumentarischen Features und Trailern ist sie vor allem auf ihrem „Haussender“ WDR 5 auch immer wieder als Vorleserin von Literatur zu hören. Nun bereitet sie den talentierten Wormersdorfer auf den Bezirksentscheid vor. Dass diese Runde des bundesweiten Vorlesewettbewerbs überhaupt ausgetragen werden kann, ist für Silas ein unverhofftes Glück. Im Frühjahr drohte das Szenario, der traditionsreiche Wettbewerb, einst u. a. von Erich Kästner mit ins Leben gerufen wurde, werde erstmals nicht zu Ende geführt. Nun darf der souveräne Kreissieger zwar nicht live auftreten, eigentlich eine besondere Stärke von ihm, zumindest aber darf er ein ca. drei Minuten langes Video einreichen, mit einer Textstelle seiner Wahl.

Gemeinsam mit weiteren Rheinbach-liest-Aktiven, wie Karl Hempel und Gerd Engel, werden Bücher gesichtet und Textstellen miteinander verglichen. Silas Wahl fällt schließlich auf „Das Mädchen Wadjda“ von Haifa Al Mansour. Die Feinarbeit mit Pausensetzung, Sprechbögen, Betonung, Modulation und Interpretation nimmt nun Münch mit Silas vor. Im Training kann der vielseitig interessierte Junge viel herausholen, saugt die Impulse der Profi-Sprecherin bereitwillig auf.

Bei den Videoaufnahmen wenige Tage später hilft sein Mitschüler Leif Diedrichs von der Technik-AG der Schule mit. Nach Sichtung der Ergebnisse entschließt sich das Team zu einem weiteren ‚Drehtag‘. „Kleinigkeiten können den Unterschied ausmachen“, weiß Gerd Engel, der sich in seinem Verein seit Jahren mit um die Förderung der Rheinbacher Vorlesetalente kümmert. Die Mühen des Teams und Silas professionelle Einstellung werden belohnt. Mit diesem Wettbewerbsbeitrag wird Silas der beste Vorleser im Regierungsbezirk Köln. Kurios: Die gute aber schon einige Tage alte Nachricht muss Buchhändler Christoph Ahrweiler telefonisch beim Veranstalter einholen. Silas ist natürlich überglücklich, und an seiner Schule gibt es eine umjubelte Durchsage. Die verspätete Information über das Weiterkommen bedeutet jedoch auch: Das neues Video für den NRW-Entscheid muss innerhalb von wenigen Tagen vorbereitet werden. Schnell fällt die Wahl auf „Vor uns das Meer“ von Alan Gratz. Auch diesmal coacht Regina Münch das Talent.

Die Textstelle beschreibt eine dramatische Szene auf einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer. „Die Kunst ist es, innerhalb der existenziellen Bedrohung, die die syrische Familie erlebt, auch Momente der Ruhe zu schaffen“, erklärt sie. Bei den Video-Aufnahmen bekommt Regina Münch Gänsehaut. Silas liest fantastisch. Es gibt vier Durchläufe und jedes Mal kann Silas sich steigern. Am Ende sind alle überzeugt: Besser geht es kaum! Entsprechend groß ist die Enttäuschung als am Abend des 5. Oktobers der erhoffte Anruf aus Düsseldorf ausbleibt.

Stattdessen machte Anna Gotthardt aus Detmold das Rennen und durfte NRW beim Bundesfinale in Berlin vertreten. Der sympathische 12-jährige ist ein guter Verlierer: „Es war eine tolle Erfahrung!“, erzählt er rückblickend. „Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, und dafür bin ich dankbar!“ In Rheinbach gibt es zum Glück immer wieder Gelegenheit für ihn, sein Können zu zeigen. Bei der musikalischen Lesung von „Die Nachtigall“ im Glasmuseum beispielsweise las er mit Deutschlandsiegerin von 2018 Victoria Schaay, Maja Niebes, Tom Warhonowicz und Karl Hempel. Und auch beim digitalen Adventskalender, der Fortsetzungsgeschichte „Das Weihnachtsmannprojekt“, ist er bei zwei Terminen dabei. Am 7. Dezember liest er mit Maja Niebes (Schulsiegerin des letzten Jahres an der Gesamtschule) und am 24. Dezember mit Rheinbachs Bürgermeister Ludger Banken.

Rheinbach-Liest-Vize Gerd Engel will das Wettbewerbs-Jahr 2020 aber nicht nur an Silas Erfolgen festmachen: „Mit Lea Nießeri vom SGR und Maja Niebes von der Gesamtschule hatten wir zwei weitere große Vorlesetalente, die sich im Kreisentscheid großartig geschlagen und toll entwickelt haben. Und die nächste Generation steht schon vor der Tür.“ Rheinbach bleibt, dank guter Nachwuchsförderung an den Schulen und dem Know-How im Netzwerk aus Verein, Buchhandlungen und Büchereien, ein gutes Pflaster für die Vorlesekultur.

In der ARD-Mediathek ist das Bundesfinale mit NRW-Vertreterin Anna Gotthardt abrufbar: https://www.ardmediathek.de/rbb/video/deutschlands-beste-vorleser-innen-oder-vorlesewettbewerb/rbb-fernsehen/

Wer Silas Wettbewerbsbeitrag für den NRW-Entscheid sehen möchte, findet ihn auf dem youtube-Kanal von Rheinbach Liest.

Regina Münch und Silas Worm beim Coaching im August 2020.

Regina Münch und Silas Worm beim Coaching im August 2020.

Maja Niebes, Victoria Schaay, Silas Worm und Tom Warhonowicz lieben das schöne Vorlesen. Fotos: Rheinbach liest e. V.

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