Klangwelt Rolandseck 2020
Vorstellung des musikalischen Programms für 2020
Arp Museum und Villa Musica präsentieren in neuer musikalischer Kooperation das erste gemeinsame Konzertprogramm
Rolandseck. „Das ist eine solche gegenseitige Bereicherung“, begeisterte sich Dr. Oliver Kornhoff. Gemeint ist die neue Kooperation zwischen dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck, dem Kornhoff als Direktor vorsteht und der rheinland-pfälzischen Stiftung Villa Musica. Auch deren Künstlerischer Direktor Professor Alexander Hülshoff lobte die Zusammenarbeit bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des musikalischen Programms für 2020 in den höchsten Tönen. Nach fünf Jahren, in denen die Johannes-Wasmuth-Gesellschaft, deren Vertrag nicht verlängert wurde, für die Ausrichtung der Konzerte verantwortlich zeichnete, schieden die ehemaligen Partner im Zwist. In der nächsten halben Dekade wollen Museum und Villa Musica ganz neue musikalische Pfade gehen. Dass sie dabei ohne Rolandseck-Festival auskommen wollen, bedeutet den Abschied von einem beliebten und idealistischen Format. Andererseits eröffnet der Verzicht größeren Freiraum für die gewünschte Erneuerung.
Die setzt in der „Kooperation zweier künstlerischer Exzellenzorte in Rheinland-Pfalz“ (Kornhoff) für 2020 noch stärker als bisher auf Bezüge zwischen den Museumsausstellungen und den musikalischen Aufführungen. Von den insgesamt acht Konzerten sind allein drei zur großen Ausstellung „Die Geburt der Erinnerung“ konzipiert worden, die ab Mitte Februar mit Werken von Salvatore Dali und Hans Arp die museale Bühne betritt.
Dali, Beethoven und die Komponisten Halffter
„Unglaublich motivierend“ sei Dali als Anknüpfungspunkt gewesen, so Hülshoff. „Wir zeigen ihn natürlich mit Beethovenwerken und einer Familienfreundschaft mit einer Komponistenfamilie.“ Für Dali verkörperte Beethoven, dessen 250. Geburtstag 2020 begangen wird, „radikales Künstlertum“. Wenngleich der berühmte Maler abschätzig über Musik sprach - von Beethoven hat er einmal geträumt. „Er sah ihn in einer Gewitterwolke, Dali hat den Kopf gemalt. Beethoven hat ihn ein Leben lang verfolgt“, erläuterte Professor Karl Böhmer, wissenschaftlicher Direktor der Villa Musica. Beim ersten Konzert mit Beethovens „Großer Fuge“ am Freitag, 20. März 2020, wird Professor Alexander Hülshoff, der häufiger mitspielt, als Cellist aus Köln Beethovens rheinische Heimat repräsentieren, während der Komponist und Pianist Pedro Halffter für Dalis Heimat steht. Die Komponisten Rodolfo und Ernesto Halffter, mit denen Dali befreundet war, sind mit zwei Stücken im Programm vertreten.
Der Titel des zweiten Konzertes „Spanier Beethoven“ am Sonntag, 10. Mai 2020, mag verwundern, wird aber sinnfällig, führt man sich vor Augen, wie Professor Karl Böhmer es tat, dass man den jungen Musiker seiner dunklen Haut und gedrungenen Gestalt wegen den „spagnol“ nannte. „Er hatte etwas Dämonisches“. Zwei seiner Kompositionen und Enrique Granados‘ Klavierquintett, op. 49, kommen zur Aufführung. Mitwirkende sind, wie oft bei den Konzerten, die Stipendiaten der Villa Musica, mit denen Violinistin Viviane Hagner und Cellist Hülshoff musizieren. Das dritte Konzert am Sonntag, 16. August 2020, ist „Beethovens Neunte“ überschrieben, wobei Pedro Halffter das berühmte Original adaptiert und in Kammermusik übersetzt. Dali mischt indirekt wieder mit. Denn gespielt wird auch die bei Ernesto Halffter in Auftrag gegebene Komposition „Homenaje a Salvador Dali“ mit Texten von Dali, kreiert anlässlich der Eröffnung des Theatermuseums Dali Museums in der katalanischen Heimatstadt des Surrealisten Figueres.
Das Museum musikalisieren
Am Pfingstmontag, 1. Juni 2020, steht ein Sonderkonzert an: Einer der weltbesten Geiger, Julian Rachlin, wird mit seiner Ehefrau, Sarah McElravy an der Viola, mit jungen Streichern der Villa Musica aus ganz Europa Sextette von Brahms und Tschaikowsky vortragen.
Gespannt darf man auch auf einen Tag der Musik am 20. September 2020 sein. Angestrebt ist, so Hülshoff, „das ganze Museum zu musikalisieren“. Museumschef Kornhoff: „Oben und unten, drinnen und draußen, mit Musik vor den Kunstwerken und Kinderkonzerten“. Das Motto heißt bei freiem Eintritt „Nächster Halt Rolandseck - Mit dem Schnellzug durch die Musikgeschichte“.
Die nachfolgenden drei Konzerte spannen wiederum Bögen zu Ausstellungen des Museums. Der Kölner Künstler Antonius Höckelmann wird am Samstag, 10. Oktober 2020, unter dem Motto „Wo geht es hier zum Dom“ verknüpft mit Rheinlandschaften, mit seinem Zeitgenossen Bernd Alois Zimmermann, dem Kölner Romantiker Max Bruch und Johannes Brahms. Werke aller drei Komponisten, vorgestellt vom Konzertmeister des Lucerne Festival Orchestra Gregory Ahss und Stipendiaten bestimmen das Programm.
Um den „Glamour der Salons“ geht es am Sonntag, 8. November 2020, mit „Tastenlöwe“ Bernd Glemser am Klavier und jungen Violinvirtuosen der Villa Musica. Unter anderen werden Stücke aus der Feder von Camille Saint-Saens, Reynaldo Hahn, Franz Waxman, Erich Wolfgang Korngold, Paganini und Liszt geboten. Das Konzert am Freitag, 11. Dezember 2020, greift schließlich die Kunstkammer-Rau-Ausstellung „Traum und Vision“ auf. Sie soll in „Vivaldis Visionen“ durch Geigerin Lina Tur Bonet mit der Camerata Villa Musica musikalisch gespiegelt werden.
HG
