Allgemeine Berichte | 10.03.2016, 17:00 Uhr

Veranstaltung über die Religionsfreiheit in Osteuropa

Vorwärts in die Vergangenheit

Großer Andrang herrschte bei der Veranstaltung im Hörsaal II der Uni Köln.Privat
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Wachtberg. Eduard Kinas wurde in der Sowjetunion geboren. Seine Eltern wurden in russische Lager zwangsumgesiedelt. Heute gehört er zur Wachtberger Gemeinde der Zeugen Jehovas. Und er hat konkrete Befürchtungen: die Geschichte soll sich nicht noch einmal wiederholen. „Menschenrechte sind kein selbstverständliches Gut. Sie gehen uns alle an“, sagt er. Deshalb besuchte er diese Woche mit seiner Frau und weiteren Gemeindegliedern die Veranstaltung „Religionsfreiheit in Osteuropa? Vorwärts in die Vergangenheit!“ Prof. Dr. Katarzyna Stoklosa lehrt an der dänischen Universität Sønderborg. Sie berichtete von einer europäischen Vergleichsstudie zu den Methoden staatlicher beziehungsweise großkirchlicher Repression gegenüber religiösen Minderheiten am Beispiel von Jehovas Zeugen. Prof. Dr. mult. Gerhard Besier, Direktor des Sigmund-Neumann-Instituts in Dresden, lehrt heute in verschiedenen Städten Europas und Nordamerikas. Er berichtete, warum Jehovas Zeugen verfolgt wurden: „Minderheiten werden oft von Mehrheiten verfolgt. Obwohl die Großkirchen keine Opfergruppe waren, reklamierten sie gleich den Status von Widerstandskämpfern.“

Situation in Russland

Der Historiker Wolfram Slupina berichte dann von der aktuellen Situation in Russland. Seit 2010 wurden über 1600 Zeugen Jehovas festgenommen. Es gab 200 Hausdurchsuchungen, 100 Gottesdienste wurden aufgelöst. Darüber hinaus weigerte sich die Polizei den 75 gewalttätigen Übergriffen, sowie den 70 Fällen von Vandalismus und Brandanschlägen auf Kirchengebäude nachzugehen. Selbst die Einfuhr katholischer und protestantischer Bibelübersetzungen wurde mit Bezug auf das Extremismusgesetz von 2002 vom russischen Zoll verboten. Russland ist das einzige Land der Erde, welches die Webseite www.jw.org verboten hat, auf der Informationen zur Bibel in 801 Sprachen zu finden sind. Bereits viermal verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Russland in Fällen die Jehovas Zeugen betrafen, ohne dass Fortschritte in der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit zu erkennen sind.

Der Referent brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass Russland sich nicht weiter „vorwärts in die Vergangenheit“ bewegt, da 1951 schon einmal 9500 Zeugen Jehovas in Güterwaggons in Zwangsarbeitslager nach Sibirien verschleppt wurden.

Prof. Besier forscht seit mehr als 20 Jahren zum Thema Religionsfreiheit.

Prof. Besier forscht seit mehr als 20 Jahren zum Thema Religionsfreiheit.

Großer Andrang herrschte bei der Veranstaltung im Hörsaal II der Uni Köln.Fotos: Privat

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