Festival RheinVokal präsentiert Grammy-Preisträger
Vox Clamantis gibt umjubeltes Konzert in St. Laurentius
Einzigartige Kombination lockte viele Zuhörer an
Ahrweiler. Mit „estnischen Visionen“, einer Mischung aus minimalistischer Musik des Komponisten Arvo Pärt und Gregorianik, verzauberte das mit einem Grammy prämierte Vokalensemble Vox Clamantis die Zuhörer in der St. Laurentius Kirche in Ahrweiler. Während der 75 Minuten des im Rahmen des Festivals RheinVokal stattfindenden Konzertes, hätte man eine Stecknadel auf den Boden fallen hören können, so aufmerksam lauschte das Publikum den 14 Musikern. Umso lauter und begeisterter fiel der dann folgende Schlussapplaus mit stehenden Ovationen aus.
Die einzigartige Kombination aus früher europäischer Musik wie der Gregorianik und zeitgenössischen baltischen Kompositionen hatte viele Zuhörer angelockt. Aus allen Richtungen strömten sie bei leichtem Nieselregen in das hell erleuchtete Kirchenschiff. Die Ahrweiler St. Laurentiuskirche war nicht rein zufällig als Spielstätte auserkoren worden. Denn das Konzertprogramm orientierte sich am Ablauf der katholischen Messliturgie und fügte sich so perfekt in das geistliche Ambiente.
Der Konzertabend begann mit einem Introitus (Einzug) aus dem Buch der Weisheit, einem schlichten gregorianischen Choral, bei dem der Einzug der Priester nahezu spürbar wurde. Darauf folgten zwei Kyries. Das eine aus dem Hochmittelalter, das andere aus der zeitgenössischen Missa syllabica von Arvo Pärt. Sein aus dem Jahr 1977 stammendes Werk gehört zu den frühesten Kompositionen im Tintinnabuli-Stil, ein glockenähnlicher Dreiklang, der Pärt weltberühmt machte. Aus der Missa syllabica, die ihren Namen trägt, weil ein Ton pro Silbe gesungen wird, standen auch das Gloria, das Agnus Dei und ein Credo auf dem Programm. Im Übergang vom flehenden Kyrie zum lobenden Gloria wurde der affektive Kontrast innerhalb der Missa besonders deutlich. Die extreme, mitunter fast asketische Simplizität der Werke Pärts wusste das Ensemble perfekt zu interpretieren. Eine andere stilistische Seite des Komponisten Pärt lernten die Zuhörer bei der Interpretation von The Deer’s Cry kennen.
Eine Abwechslung zur Gregorianik war der folgende Conductus Beata viscera, ein Umzugsgesang aus dem Hochmittelalter. Dirigent Jaan-Eik Tulve, der Vox Clamantis 1996 gründete, trat bei diesem Werk in den Kreis 14 Musiker ein und wusste mit kaum sichtbaren Handbewegungen die sinnlichsten Töne zu dirigieren.
Kraftvoll und vierstimmig die Motette Descendi in hortum meum des englischen Komponisten John Dunstable, wo das Ensemble seine Leidenschaft für Polyphonie zum Besten geben konnte. Nicht weniger kraftvoll und feierlich das Sanctus aus der Missa syllabica. Am Schluss der Messliturgie stand Ite missa est. „Geht hin, es ist ausgesandt“, hallte es da durchs Kirchenschiff von Ahrweiler. Als besonderes „Bonbon“ obendrauf folgten David Langs For love is strong, das einzige nicht-lateinische Stück des Abends und ein weiteres Stück von Arvo Pärt.
Wer am Samstag nicht in der Laurentiuskirche dabei sein und den lieblichen Klängen lauschen konnte muss nicht traurig sein. Der Südwestrundfunk nahm das Konzert auf und sendet es am 26.Oktober ab 19.05 Uhr im Kulturprogramm des SWR2.
Infos zu RheinVokal
RheinVokal ist ein Festival für Vokalmusik, das seit 2005 stattfindet. Dabei gastieren jährlich zwischen Juni und August bei rund 20 Konzerten Solisten und Ensembles in ausgesuchten Locations an der Rheinschiene von Bingen bis nach Remagen und im Ahrtal.
