Die Interpretation des „Nassen Limes“ als zukünftiges UNESCO-Weltkulturerbe
Warum soll das Projekt in Remagen und nicht an seiner tatsächlichen südlichen Grenze enden?
Bad Breisig/Rheinbrohl. Die Definition des „nassen Limes“ lässt sich nur mit „trockenem Humor“ nachzuvollziehen, jedenfalls für historisch interessierte Rheinanwohner am südlichsten Zipfel des vielleicht zukünftigen UNESCO-Weltkulturerbes. Limes-Experte Manfred Müller und andere Mitglieder der örtlichen „Cohorte 26“ hatten zu einem Treffen am Limesturm Nr. 1 in Rheinbrohl geladen, um über die Problematik der Interpretation des „nassen Limes“ auf beiden Rheinseiten (also Bad Breisig und Rheinbrohl) zu informieren. Als Gäste erschienen Bundestagsmitglied Erwin Rüddel sowie die Landtagsabgeordneten Ellen Demuth und Guido Ernst. Manfred Müller, selbst Mitglied in der Römer-Cohorte 26 wurde begleitet von Cohorten-Führer Reinhold Küpper und den Eheleuten Gerti und Joachim Bervar (Kassiererin und Schriftführer der 26. Cohorte). Diese Cohorte 26 bildet als Verein die 26. Auxiliareinheit (römische Bürger, die freiwillig dienten), nach. Sie bezogen Sold, wurde medizinisch betreut und war in Heddesdorf /Neuwied kaserniert. Die engagierte Römertruppe, die auch über entsprechende Ausrüstung und Bewaffnung verfügt, möchte den Menschen von heute die Römerwelt näherbringen - als „Römer zum Anfassen“ sozusagen.
Vinxtbach und Caput-Limes als kleiner Schauplatz der Weltgeschichte
Als einen „kleinen Schauplatz der Weltgeschichte und eine an den Grenzen des antiken Roms einmalige Konstellation“ bezeichnete Manfred Müller dann auch das Drehkreuz Freies Germanien/Obergermanien, Limesbeginn (oder anders ausgedrückt Limes-Kopf = Caput Limes) einerseits und exakt gegenüber auf der anderen Rheinseite in Bad Breisig/Rheineck der historisch so bedeutende Vinxtbach als Grenze zwischen Obergermanien und Untergermanien (zunächst 2 römische Militärbezirke und ab 87 n. Ch. 2 römische Provinzen). Dass der Limesturm Nr. 1, der erste Turm des Rätischen Limes, der von Rheinbrohl aus 550 km bis zur Donau verläuft, ausgerechnet gegenüber der Vinxtbachmündung erbaut wurde, hält Limes-Kenner Müller nicht für eine zufällige Entscheidung. Vielmehr unterstreicht sie die Bedeutung des Vinxtbaches als innerrömische Provinzgrenze. Zugleich sind sowohl Vinxtbach als auch der Beginn des Limes auf der gegenüberliegenden Rheinseite von größter Bedeutung, wenn es um den „nassen Limes geht“. Immer wieder heißt es, dieses zukünftige UNESCO-Weltkulturerbe, von dem man sich eine Ankurbelung des Tourismus verspricht, soll vom niederländischen Katwijk bis nach Bad Breisig reichen. Doch jetzt kommt der Bruch in der UNESCO-Weltkulturerbe-Interpretation. Denn Bad Breisig wird als südliches Ende des nassen Limes genannt, soll aber selbst - wie Rheinbrohl auch - nicht in den Genuss des Weltkulturerbes kommen. Denn da plant man nur bis einschließlich Remagen - und Ende. Warum die südliche Spitzen unterhalb von Remagen abgekoppelt wird, ist deren historisch interessierten Bewohnern ein Rätsel.
Der „Nasse Limes“ mit wechselndem Fußbett zur Römerzeit nicht konkret fassbar
Und so erklärt auch Limesexperte Manfred Müller, dass der „Nasse Limes“ also der Rhein als Grenze zum freien Germanien, gar nicht konkret fassbar ist. Bei uns war der Rheinverlauf durch das Rheintal mit Bergen auf beiden Seiten stets vorgegeben. Am Niederrhein - also am nassen Limes dagegen veränderte sich der Verlauf ständig, da der Rhein im flachen Gelände seitlich keine Begrenzung kannte. Hier wurden einige Legionslager einfach weggespült und Ansiedlungen lagen durch den geänderten Rheinverlauf, besonders nach Hochwasser, auf einmal am anderen Rheinufer, weil sich das Wasser einen anderen Weg gesucht hatte.
All das ist in Bad Breisig oder Rheinbrohl mit dem engen Rheintal nicht möglich. Also ist hier der ursprüngliche Rheinverlauf erhalten geblieben. Und gerade am Niederrhein, wo das Rheinbett ohne feste Trassierung ständig wechselte und nicht exakt nachvollziehbar ist, findet man laut Antrag auf das UNESCO-Weltkulturerbe den „nassen Limes“. Auch der Aspekt, dass man in Bad Breisig und Rheinbrohl zu wenig Relikte aus der Römerzeit findet, können interessierte Bürger, wie z. B. die 26. Cohorte nicht nachvollziehen. In Rheinbrohl beginnt der „Raetische Limes“ und endet der „Nasse Limes“. Auf der anderen Seite, also in Bad Breisig, endet der „Nasse Limes“ exakt am Vinxtbach, heute noch genau wie zur Zeit des römischen Imperiums. Und wer am südlichen Ende der Wagram-Brücke an der alten B 9 einen Blick auf die Hinweistafeln wirft, erfährt, dass dort ein preußischer Offizier 1810 einen römischen Votivaltar gefunden hat, der zur Benefizarier-Station am Vinxtbach als Provinzgrenze gehörte. Die Inschrift lautet: „Finibus genio loc. et Jovi O.M.“ und lautet in der angefügten Übersetzung: „An der Grenze, dem Ortsgeist und Jupiter, der Beste, Größte“. Die Benefizarier nahmen als römische Soldaten an der Provinzgrenze am Vinxtbach Verwaltungs- und Polizeiaufgaben beim Grenzübertritt wahr.
Breisigs römische Funde lagern in vielen Museen, alleine 400 Exponate in New York
Wie viele Relikte aus der Römerzeit im Breisiger Boden schlummerten, wird deutlich, wenn man weiß, dass der Ort ab 1890 ein wahres Eldorado für Schatzsucher mit der Plünderung römischer Gräber war. Erst als 1911 bekannt wurde, dass alleine der Sammler John Piermont Morgan rund 400 Fundstücke von Grabplünderungen aus Breisig an das Metropolitan Museum New York abgegeben hatte, verbot die preußische Regierung im März 1914 speziell wegen dieser massiven Breisiger Plünderungen private Grabungen per Gesetz. Unverständlich also, warum dieses römisch durchsetzte Breisig vom „Nassen Limes“ ausgeschlossen wird, zumal neben den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen auch das Land Rheinland-Pfalz Antragsteller auf das Weltkulturerbe ist. Will man im Prospektmaterial so formulieren: „Der NASSE LIMES reicht von Kortrijk bis Bad Breisig - aber ohne Bad Breisig“? Obwohl Breisig sogar auf eine keltische Besiedlung zurückschaut, also bereits vor der Römerzeit besiedelt war und so zahlreiche römische Funde die Existenz zu Zeiten des Imperiums belegen, wird Bad Breisig ausgeschlossen. Liegt es daran, dass der Ort in einigen Karten des römischen Reichs nicht auftaucht? Manfred Limes-Müller erklärt diesen Umstand damit, dass der Name „Brisiacum“ als Vorgänger für „Breisig“ zur Zeit der Römerherrschaft noch nicht bestand, sondern eine spätere Wortschöpfung darstellt.
KMI
Die Wagram-Brücke über den Vinxtbach. An dieser Stelle befand sich der wichtige Grenzübergang zwischen den beiden römischen Provinzen.
Der Vinxtbach, einst eine bedeutende innerrömische Provinzgrenze.
Vom Limes-Turm Nr. 1 aus zeigt Manfred (Limes-)Müller auf die gegenüberliegende Vinxtbachmündung. Dass der erste Limes-Turm hier steht, ist seiner Meinung nach kein Zufall, sondern unterstreicht die Bedeutung der römischen Provinzgrenze in Bad Breisig.
Blick durch das Fenster des Rheinbrohler Limesturms auf das Bad Breisiger Ufer.
Hinweistafel auf den Fund des römischen Votivaltar-Steins als Teil der Benefizarier-Station am Vinxtbach.
Auch dieser Urnenfund ist ein Zeuge der römischen Vergangenheit Breisigs.

Irgendwie traurig, dass Bad Breisig die Funde nicht zurück holt und sich selbst deutlicher als römisch-keltisches Erbe positioniert.
Etwas mehr Tourismus würde der Stadt nicht schaden..