Gartenkolumne: Die Woche im Garten 10/2016
Was blüht nach den Unwettern?
Wachtberg. Nun hat der Sommer auch auf dem Kalender angefangen, aber für den Gärtner besagt das wenig, denn für den ist der Sommer ja eigentlich mit der Rosenblüte da.
Die erste Hälfte Juni war allerdings bei uns in Wachtberg verheerend, wofür der oft gebrauchte Ausdruck Starkregen noch eine Verharmlosung ist: Wahre Wolkenbrüche und Dammbrüche, und trotz tiefer Temperaturen häufige Gewitter. Vor einem Jahr hat man zu dieser Zeit viel gegossen! In den meisten Gärten hat sich der Schaden aber wohl in Grenzen gehalten: Völlig verklatschte Pfingstrosen, etwas weniger schlimm auch die Rosen, der Rittersporn, die Clematis. Bei den Petunien kam man mit dem Abknipsen gar nicht mehr mit, aber die erholen sich ja wieder. Richtig enttäuschend dagegen die Aussaat von Sommerblumen wie Cosmea und die großen Tagetes, und von den Zweijährigen wie Goldlack und Bartnelken – lag das nun an verschlämmtem Boden oder an zu wenig Wärme? Auch der Gemüsegarten ist nie so weit zurück gewesen.
Um aber auch etwas Positives zu verzeichnen: Die großen Freudenbringer vom vorigen Jahr, Dreimasterblume und Spinnenblume (Cleome), sind wieder da, mit ihnen auch die ungezählten Insekten. Schön auch wieder der goldgelbe Felberich, den manche Gärtner scheuen wegen der Ausbreitung seines Wurzelstocks, die sich aber beherrschen lässt. Heute einmal etwas über Gräser im Garten, nicht die bodendeckenden, sondern die hochstängeligen. Viele sind ja eine wirkliche Zierde, und irgendwelche wird wohl jeder Gärtner haben. Um es aber offen zu sagen: Nicht alles, was die Gärtnereien anbieten, ist wirklich schön, manche sogar langweilig, und mit die Schönsten wachsen frei in der Natur, am Weges- oder Waldesrand. Es spricht auch gar nichts dagegen, sie dort auszugraben und umzusetzen. Spektakulär ist ja das Lampenputzergras, anmutig sind das Federgras und der wilde Hafer. Wer aber den ganzen Winter über dekorative Rispen haben möchte, braucht Chinaschilf, das unverwüstlich wiederkommt.
Jahrelang hatten wir die Blumenrabatte in Reihen und wellenförmig bepflanzt, wie das ja auch die Schlossgärtner machen, in diesem Jahr haben wir es einmal mit Grüppchen oder „Cluster“ versucht, eben ein Experiment. Ein anderes Experiment: Ob die Wunderblumen vom Vorjahr wohl wieder kommen? Die Triebe sind da, aber später auch Blüten?
Sehr anzuerkennen ist auch in diesem Jahr die Aktion „Offene Gartenpforte“ in Wachtberg, denn jeder Gärtner weiß, wie viel Arbeit nötig ist, bevor man seinen Garten fremden Besuchern zeigen möchte. Und dann möchten wir der Schlossherrin der Burg Gudenau unsere Anteilnahme zu den schrecklichen Verwüstungen in ihrem Park ausdrücken. Das heutige Gemälde im Rahmen von „Gärten in der Malerei“ von einem kaum bekannten englischen Maler stellt eine typisch englische Blumenrabatte dar, wie sie auch bei uns als – leider kurzlebiges – Wunschbild vieler Gärtner gilt.
Ulrich Junker
