Thorsten Havener begeisterte die Zuschauer in der Bad Neuenahrer Konzerthalle
Was das linke Ohr so alles aussagt
Bad Neuenahr. Er ist die deutsche Variante der TV-Figur des amerikanischen „Mentalist“, aber nicht weniger verblüffend. Thorsten Havener begeisterte die Zuschauer in der Konzerthalle im Kurpark von Bad Neuenahr.
Blitzende Lichter in den gläsernen Fassaden der Halle - eine stimmige Atmosphäre für einen spannenden Abend. Bei allem blieb die Frage: „Wie macht er das nur?“ Eine Frage, die nach jedem Spiel, nach jeder Bühnenaktion in den Köpfen herumschwirrte. Darauf fanden die Besucher im ausverkauften Saal keine Antwort. Stattdessen hieß es zuschauen und staunen. Das Publikum war nicht nur dabei, sondern mittendrin. Havener nahm sein Publikum mit, schaute genau hin und stellte die passenden Fragen. Vielleicht ist das auch schon das Rezept, was bei vielen nur großes Staunen hervorruft.
Denn gerade die unabsichtigen Reaktionen sind es, die viele Menschen entlarven. Ein leichtes Zucken im Gesicht, ein Zögern beim Antworten oder einfach nur die Körperhaltung - für den TV-bekannten Havener Indizien, um Menschen zu entlarven. Vieles sei vorhersehbar und einschätzbar, sagt der Mentalist.
Und wie das genau aussieht, demonstrierte der „Körperleser“ eindrucksvoll in seiner Show. Ein paar Tests zum Aufwärmen - wie das Malen einer Sechs in die Luft, während der rechte oder der linke Fuß im Uhrzeigersinn gedreht wird. Oder die Frage: Einzelgänger oder Teamplayer? Das Malen des Buchstaben „Q“ im Gesicht gab die Antwort. Alle heben die Arme, malen sich ins Gesicht und verschränken ihre Finger - Havener hat sie, nach nur wenigen Momenten, die Jungen und die Alten im Publikum. Besonders daran: Er demonstriert nicht nur, sondern erklärt auch.
Dann wird es ernst: Havener geht durchs Publikum. Er sucht Protagonisten für sein erstes Spiel. Die einen warten sehnsüchtig darauf, ausgewählt zu werden. Andere hoffen inständig darauf, dass es genau andere treffen möge, nur nicht einen selbst. Aber Havener sucht wahllos in den Reihen - allerdings oft außerhalb des Lichtscheins und damit für viele Zuschauer nicht erkennbar.
Sei‘s drum. Der erste Kandidat - Simon, ein Schüler - ist gefunden. Er soll sich als Schmuggler am Flughafen ausgeben. Mit Intuition, Beobachtungstalent und Interpretationsgabe sowie ein paar netten Zaubertricks löst Havener die Aufgabe und lässt viele Zuschauer nur ratlos zurück.
Danach geht’s um Spielkarten: verdeckte Karte aussuchen, visualisieren, zurück in den Stapel und mischen - das war die Aufgabe für die Kandidatin. Und für den Entertainer? Wieder kein Problem - denn souverän liest er die Herz acht heraus.
Jubel im Takt der Musik
Das Publikum jubelte im Takt der Musik. Viele ließen sich nur ratlos in ihren Stuhl zurückfallen. Zwischen den Spielen gab Havener aber auch immer wieder Einblicke in „seine“ Kunst. In die Kunst der Körpersprachetechnik. Beispiel gefällig? Wenn sich kleine Kinder den Mund kurz bedecken, bedeutet das, dass sie lügen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen gebe es die gleiche Geste, nur an einem anderen Körperteil: nämlich am Ohr.
Wer sich demnach am linken Ohr hält, der lügt, so Havener. Ähnlich erklärte Havener Fußstellungen beim Date und Handbewegungen, die Rückschlüsse auf das Liebesleben zulassen. Das Publikum tobte erneut. Denn neben den vielen unterhaltenden Tricks gelang Havener, gebürtiger Saarländer, eine Pointe nach der anderen. Nur in Bad Neuenahr hatte er sich nicht ganz so gut umgeschaut. Den kleinen Flughafen „Bengener Heide“ hatte er vergessen, bei einem witzigen Vergleich mit den Querelen um die Fertigstellung des Berliner Flughafens. Das bestrafte das Publikum sofort mit lustig-mahnenden Rufen.
Oder doch der Gärtner?
Gleich fünf Freiwillige waren für das Spiel „Ein Mord ist passiert“ nötig. Jeder nahm - geheim - eine Rolle an, während Kommissar Havener ermittelte. Mörder, Opfer oder doch der Gärtner? Und einmal mehr fragte sich das Publikum: „Wie macht der das?“ Denn auch hier machte Havener keinen Fehler.
Das große Finale gerät zum Denksport vom Feinsten: 16 vom Publikum vorgegebene Begriffe in 16 Felder verteilt, 16 von Havener blind zugeordnete Zahlen, die schließlich in allen Verbindungen zusammengezählt die Summe ergeben, die sich ein Zuschauer ausgesucht hat.
Dieses Rätsel verblüffte das Publikum. Wie das gehen könnte, war Gesprächsthema auf dem Nachhauseweg. Viele Besucher freuen sich auf mehr solcher Veranstaltungen in Bad Neuenahr.
Das ausverkaufte Haus gibt den Verantwortlichen die Richtung vor.
