Dekanat Andernach-Bassenheim
Was wird aus meiner Hose?
Bassenheim. Die Reihe „Quergedacht“ hatte eingeladen, sich über die faire Verwertung von gebrauchter Kleidung zu informieren. Als Fachmann für die Frage der FairWertung war Matthias Pohlmann vom BDKJ in Trier als Referent und Gesprächspartner eingeladen.
In Deutschland werden pro Jahr geschätzt 700.000 Tonnen Altkleider gesammelt - eine enorme Menge mit einem erheblichen wirtschaftlichen Potenzial. Was passiert aber mit den abgelegten Hemden, dem ausgemusterten Mantel, die zur Altkleidersammlung gegeben werden? Trägt das in Zukunft tatsächlich ein Slumbewohner in La Paz in Bolivien?
Seit einigen Jahren sind die caritativen Organisationen nicht mehr allein, wenn es um Altkleidersammlungen geht. Kommerzielle Sammler drängen auf den Markt, immer wieder gibt es auch illegale Sammelstellen - es scheint ein lukratives Geschäft zu sein. Und selbst die gemeinnützigen Organisationen stehen mit ihren Kleidersammlungen immer wieder in der Kritik, weil zu wenig transparent werde, was mit den gesammelten Klamotten passiert oder weil befürchtet wird, dass durch Kleiderspenden die regionale Textilproduktion in Afrika oder Südamerika geschädigt wird. Gründe genug, sich mit den Fragen zu beschäftigen, wie Altkleidersammlungen funktionieren und wem sie nützen.
Die Bolivienhilfe des Bistums Trier gehört dem Dachverband FairWertung an. FairWertung trägt in seinem Logo den Zusatz „Bewusst handeln“. Dieser soll klar machen, dass die FairWertung angeschlossenen Organisationen Kleider nach klaren Kriterien sammeln und vermarkten.
In spezialisierten Betrieben werden die in den Kleidersammlungen gesammelten Kleider von Hand sortiert. Dabei ist die wertvollste Ware die, die als Second-hand-Ware weiterverkauft werden kann. Etwa 40 Prozent einer Kleidersammlung sind für den Second-hand-Markt geeignet.
Der größere Teil sind minderwertige Textilien, die zu Putzlappen verarbeitet werden oder kostenpflichtig als Müll entsorgt werden müssen.
Die als Second-hand-Ware aussortierte Kleidung wird über verschiedene Vertriebswege an Second-hand-Läden in Deutschland oder Westeuropa und in großen Mengen an Abnehmer in Osteuropa, Afrika und im Mittleren Osten verkauft.
Von den Anwesenden wurde kritisch hinterfragt, ob der Verkauf dieser Kleidung, zum Beispiel in Afrika, den heimischen Kleidermarkt zerstöre. Pohlmann sagte, dass Second-hand-Kleidung dort sehr gefragt sei, weil sie besonders Menschen mit niedrigem Einkommen eine preiswerte Möglichkeit biete, sich mit guter und modischer Kleidung zu versorgen. Pohlmann betonte darüber hinaus, dass in den Importländern viele Menschen vom Handel mit den Kleidern oder dem Umarbeiten der Gebrauchtkleidung leben.
Viele Anwesenden betonten, dass sie bisher nicht wussten, dass die Kleidung nicht grundsätzlich „in den Reißwolf“ komme, sondern dass FairWertung dieses aufwendige Feinsortieren zum Ziel hat und damit dazu beiträgt, dass gute Kleidung weiterhin getragen werden kann. Das motiviere neu, gerade gute und modische Kleidung in die Kleidersäcke der Bolivienhilfe des Bistums Trier zu geben. Mit dem Erlös der Bolivienkleidersammlung kann jedes Jahr 2000 Kindern die Möglichkeit einer schulischen Ausbildung ermöglicht werden.
