Allgemeine Berichte | 25.09.2019

SGD Nord stellte umfassende Pläne für das Naturschutzgebiet Ahrmündung vor

Wasserbüffel könnten ab 2020 an der Ahrmündung weiden

Politischer Entschluss steht bisher jedoch aus

Stefan Backes stellte die Pläne für die Gestaltung der Ahrmündung vor.Fotos: ROB

Sinzig. Gut 40 Jahre ist es her, dass das Gebiet, in dem die Ahr in den Rhein mündet, als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Das Areal zwischen Kripp und Sinzig ist einzigartig in Deutschland: Es gilt als das einzige naturbelassene Mündungsgebiet eines Nebenflusses in den Rhein. Naturbelassen ist jedoch nicht ganz, da es renaturiert wurde. Dennoch beherbergt das Gebiet eine große Artenvielfalt und -menge. Das Mündungsgebiet ist ein Flora-Faune-Habitat (FFH) und gleichzeitig Vogelschutzgebiet. Nun hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, kurz SGD, weitere Ideen für die Ahrmündung. Stefan Backes, Mitarbeiter des SGD Nord, stellte nun die Pläne für die Zukunft des Mündungsgebietes mit geplanter Extensivbeweidung vor. Grundsätzlich denke man über die Ansiedlung von Wasserbüffeln nach, denkbar wären auch Taurusrinder oder Konikpferde. Ein Hindernis für die Pläne gibt es jedoch: Die Grundstücksfragen sind nämlich bisher nicht umfassend geklärt. Während bei den Flächen nördlich der Ahr der Kreis Ahrweiler der Eigentümer ist, gehört der Teil südlich der Ahr der Stadt Sinzig. Beide Kommunen signalisierten bereits ihr Einverständnis zum Beweidungsprojekt. Das klingt einfacher als gedacht, den besonders das kreiseigene Gebiet vor der Kripper Ortsgrenze ist durchzogen von Landparzellen, die sich in privater Hand befinden. Das Gebiet gleicht somit einem Flickenteppich. Zur Realisierung müssen jedoch diese Besitzer überzeugt werden und grünes Licht für das Beweidungsprojekt auf ihrem Grund und Boden geben. Deshalb folgten besonders die Grundstückseigentümer der besagten Flächen der Einladung zur Infoveranstaltung im Sinziger Ratssaal im Rathaus. Neben dem grundsätzlichen Einverständnis können die Besitzer von der Möglichkeit des Grundstückstausches Gebrauch machen. Dieses Prozedere wurde von Rolf Schäfer vom DLR Mayen nach dem Vortrag vorgestellt. Immerhin sei die Kostenfrage geklärt: Die übernähme nämlich das Land Rheinland-Pfalz.

Im Vorfeld stellte Stefan Backes das Projekt vor. Knapp 15 bis 20 Wasserbüffel sollen im Ahrmündungsgebiet gemäß dem Landesprojekt „Natura 2000“ eine neue Heimat finden. Und das schon möglicherweise im Jahre 2020. Im amtlichen Jargon bedeutet dies eine Besatzdichte mit Wasserbüffeln von 0,5 bis 0,8 Tieren pro Hektar. Diese Zahl sei laut Backes im Vergleich zur herkömmlichen Beweidung als gering und somit extensiv einzustufen. Für die Wasserbüffel habe man sich aufgrund guter Erfahrungen in anderen Projektgebieten entschieden. Die Tiere seien robust, pflegeleicht und können im Bedarfsfall auch hervorragend schwimmen. Aber Letzteres soll nicht auf die Probe gestellt werden, wie Backes verriet. Denn auf dem geplanten Beweidungsareal sollen auch im Falle eines Jahrhunderthochwassers genug trockene Rückzugsflächen zur Verfügung stehen. Und sie seien vorhanden. Backes erntete hier erste und durchaus heftige Kritik aus dem Publikum. So sei das komplette veranschlagte Areal überflutet, falls Ahr- und Rheinpegel hoch genug stünden. Backes verneinte dies und verteidigte die Pläne. „Unser Vorschlag ist kein Schuss aus der Hüfte, sondern durch die Zusammenarbeit mit Universitäten wissenschaftlich belastbar“, sagt er.

Die SGD Nord hält das Ahrmündungsgebiet für ideal. So böte das Gebiet eine ausreichende Größe und eine gute Struktur, ein gutes Wegenetz und eine gesicherte Wasserversorgung. Auch die Wasserbüffel könnten für einen Aufschwung sorgen. Denn grundsätzlich möchte man auch den touristischen Aspekt nicht aus den Augen verlieren. „Auf Schautafeln könnten Informationen über Flora und Fauna vermittelt werden“, so Backes. Dadurch würde auch ein wertigeres Ausflugsziel für Familien und Schulklassen entstehen.

Wasserbüffel sollen neue Biotope schaffen

Besonderen Nutzen verspricht man sich bei der SGD Nord von der extensiven Weidenutzung. Die Wasserbüffel fressen die Weiden nicht gleichmäßig ab. Somit würden verschiedene Habitate entstehen, die wiederum zahlreichen Insekten- und Vogelarten neuen Lebenraum böten. Auch die Ausscheidungen der Wasserbüffel böten eine Brutstätte Dutzender gefährdeter Insektenarten.

„Insgesamt wirkt sich ein solches Projekt in höchstem Maße positiv auf die biologische Vielfalt aus“, fasst es Backes zusammen.

Die positiven Aspekte ließen sich laut der Planung der SGD Nord leicht zusammenfassen: Extensive Beweidung bietet umfassende Möglichkeiten für die Entwicklung des Areals als Naturschutzgebiet. Dass die geringe Beweidung funktioniere, habe man bereits an anderen Gebieten feststellen können, wie beispielsweise den Thürer Wiese im Landkreis Mayen-Koblenz. Außerdem könne man Synergie-Effekte nutzen und verschiedene Disziplinen wie Naturschutz, Tourismus und Landwirtschaft zusammenführen. Die SGD Nord sei guter Dinge, dass eine Realisierbarkeit möglich sei. So habe man mit dem Kreis und den beiden angrenzenden Städten Remagen und Sinzig sehr positive Gespräche geführt, wie Backes erläuterte. Auch stelle man in Sinzig eine fraktionsübergreifende Zustimmung für das Projekt fest.

Und gerade dies stieß nicht bei allen Zuschauern im Ratsaal auf Gegenliebe. Wieder brandeten teils heftige Diskussion auf, die Christian Weidenbach, den büroleitenden Beamten und gleichzeitigem Vertreter der Stadt Sinzig zu mehrfachen Aufrufen zur Mäßigung verleitete. Auch über die erwähnte fraktionsübergreifende Zustimmung waren manche Gäste erstaunt. Franz Hermann Deres, Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Stadtrat brachte zum Ausdruck, dass er den Eindruck habe, dass die Fraktionen das Projekt eher mit geteilter Meinung betrachteten. Außerdem merkte Deres an, dass es keinerlei Beschlüsse zu gäbe. Weder Ausschüsse noch Stadtrat hätten dem Projekt zugestimmt. Das konnte Backes bestätigen. Letztendlich habe der Stadtrat das letzte Wort, wie Backes auf Nachfrage von Karl Peter Wetzlar von der Sinziger Jagdgenossenschaft bestätigte. Gäbe es seitens des Rates ein „Nein“, würde man das Projekt fallen lassen und an einem anderem Ort realisieren.

Gerade die Jäger sehen dem Projekt mit einiger Skepsis entgegen. Schon im Frühjahr des Jahres traten Vertreter der Jägerschaft in einem Schreiben an die Stadt und die Fraktionen heran. Man formulierte, dass es gute Gründe im naturschutzrechtlichen Sinne gäbe, die das Projekt zweifelhaft erscheinen lasse. Außerdem habe man die Sorge, dass dort eine ordnungsgemäße Jagd nicht mehr stattfinden könne. Die Sinziger Jäger und die Mitglieder des Sinziger Angelsportvereins trafen sich übrigens bereits vor der Sitzung mit Stefan Backes, um sich über die Pläne zu informieren. Weitere Informationen hätte es laut Wetzlar im Vorfeld jedoch nicht gegeben.

Stefan Backes führte aus, dass man tatsächlich noch im Planungsstadium sei. Einige Schritte stünden noch aus. So möchte man nun intensive Gespräche mit Jägern, der Landwirtschaft und der Fischerei führen. Außerdem müssten nach einem möglichen „Freiwilligen Landtausch“ weitere Flächenarrondierungen stattfinden. Schließlich stände eine Prüfung der Möglichkeiten in Sachen Bezäunung an. Der letzte Schritt ist dann die Detailplanung.

ROB

Grasen an der Ahrmündung bald Wasserbüffel?

Grasen an der Ahrmündung bald Wasserbüffel?

Stefan Backes stellte die Pläne für die Gestaltung der Ahrmündung vor.Fotos: ROB

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Rund um´s Haus
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Koblenz blüht
Innovatives rund um Andernach
Angebotsanzeige (April)
Ostergrußanzeige
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
50

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2296

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
134

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag
Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Holz Loth-Entsorgung
Anzeige "Rund ums Haus"
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Ostergruß
Kreishandwerkerschaft
Stellenanzeige mehrere Stellen
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
PR-Anzeige
Titelanzeige
Osteraktion
Unterstützeranzeige