Ein Jahr nach der Dorfmoderation in Namedy
Wenn Ideen Früchte tragen
Namedy. . In vielen Regionen hat sich die sogenannte Dorfmoderation als ein wirkungsvolles Instrument bewährt, positive Energien einer Dorfgemeinschaft zum Wohle aller zu nutzen. Auch Andernachs Stadtteil Namedy beschritt im vergangenen Jahr diesen Weg und heute sind die rund 1300 Einwohner froh darüber - die am 25. Juni 2015 präsentierten Ergebnisse der fast viermonatigen, in vier Arbeitsgruppen engagiert geleisteten Bürgerarbeit können sich sehen lassen.
Erfahrungen
Wir fragen Ortsvorsteher Hartmut Dressel nach seinen Erfahrungen mit der Dorfmoderation: „Aus meiner Sicht ist die sehr positiv verlaufen. Wir haben zwar nicht alles umsetzen können, aber eine ganze Menge. Toll fand ich die Bereitschaft vieler Einwohner, mit anzupacken - das bestätigt diesen Prozess. Für den Mediator Winfried Steffens war es die erste Dorfmoderation, die er begleitet hat. Würde er bei einer weiteren Dorfmoderation etwas anders machen? „In einem anderen Ort wird eine Dorfmoderation selbstverständlich nicht gleich verlaufen. Dort sind andere Menschen, verschiedene Themen und Interessen. Ich konnte jedoch neulich an einer Veranstaltung teilnehmen, in der eine optimierte Vorgehensweise für Bürgerbeteiligungen dargelegt wurde. Danach und im Rückblick stelle ich fest, dass wir demzufolge nahezu alles richtig gemacht haben. Erwähnen möchte ich, dass uns die Stadtverwaltung hinsichtlich der Logistik eine sehr gute Unterstützung gewährt hat.“
Man sollte meinen, bei dem Maß der Zielerreichung sollte der „Dorfsheriff“ (Dressel) von allen Seiten für das gelungene Projekt gelobt werden. Es gebe jedoch bisher wenig Resonanz. „Rückmeldungen aus dem Dorf muss ich in der Regel abfragen“, antwortet Hartmut Dressel mit Verweis auf die bekannte psychologische Hemmschwelle für positives Feedback. Dressel und Steffens berichten dann „Blick aktuell“ über den Stand der Maßnahmen, die die Ortsentwicklung von Namedy in der Zukunft mit prägen werden.
Kinder und Eltern begrüßen das erweiterte Freizeitangebot
So erfreuen sich nun Eltern und Kinder moderner und einladender Spielplätze an der Schule und in der Waldstraße. Eine neue Sitzgruppe auf dem Spielplatz „Schule“, die von der Namedyer Nachbarschaft gespendet wurde, ist mittlerweile ein Ort der Begegnung. Zudem wurde der erste Bauspielplatz in Andernach durch Eigeninitiative einiger Eltern und der Unterstützung von Sponsoren auf dem ehemaligen AWO-Gelände realisiert und verzeichnet zu festgelegten Öffnungszeiten an den Samstagen bereits einen regen Besuch. „An den Reaktionen erkennen wir, dass das die Beiden die Favoriten sind.“, sagt Dressel. Die Kinder- und Schulbücherei ist wieder regelmäßig geöffnet, da Eltern sich dort einbringen. Auch der Sportplatz steht Kindern und Jugendlichen nun zu geregelten Zeiten offen. Die TG Jahn bot in diesem Sommer auch wieder ihre beliebte Ferienfreizeit an.
Doch nicht nur an Kinder und Jugendliche wurde in den Arbeitsgruppen gedacht. Am Gefährdungspunkt Ecke Hauptstraße / Schlossstraße wurde zwischenzeitlich ein Verkehrsspiegel angebracht. Die regelmäßige Überprüfung und Reinigung des Kanals oberhalb der Quellen- und Schlossstraße ist im Handlungsplan aufgenommen. Für ihre Anliegen und Informationen können die Namedyer jetzt den Bürger-Info-Kasten an der Schule nutzen. Außerdem konnte, dank eines Sponsors, in der Turnhalle ein Defibrillator angebracht werden. Es gibt auch eine Verbesserung bei der Verkehrsanbindung zur Kernstadt: In den Ferienzeiten fährt mittags zusätzlich ein ANDI-Taxi. Namedy hat nun auch eine eigene Domain im World Wide Web: Die Internetadresse www.namedy.de wurde jedoch mit einer Unterseite von Andernach.de verknüpft, die hilfreiche Informationen über den Stadtteil Namedy gibt.
Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut
Verständlich, dass manch andere Idee noch einer weitergehenden Planung und Feinjustierung bedarf. So verhinderten technische Probleme bislang eine aussagekräftige Verkehrsmessung. Sobald ein funktionsfähiges Messgerät zur Verfügung steht, soll diese aber durchgeführt werden. Mitnahmepunkte (Haltepunkte) in Andernach und Namedy werden nach Abstimmung mit der Stadtverwaltung eingerichtet. Die Mitnahmen in PKW erfolgen dann später durch Namedyer Bürger/innen. Bezüglich der Entwässerung des Philosophenwegs soll im Herbst 2016 Abhilfe geschaffen werden und die Umsetzung der Idee „Wanderweg rund um Namedy“ bedarf noch einiger Arbeiten durch andernach.net. Mit bereits zugesagter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern wird ebenfalls im Herbst auf dem Dorfplatz das Konzept „Essbares Namedy“ umgesetzt. Weitere Flächen (Bauminseln) können durch interessierte Bürger/innen in Abstimmung mit dem Ortsvorsteher Hartmut Dressel einbezogen werden. Die Überlegungen für ein „Haus der Begegnung“, als Treffpunkt der Dorfgemeinschaft, bestehen weiterhin und sind für den Ortsvorsteher eine Herzensangelegenheit. Jedoch, so Hartmut Dressel, konnte bisher noch kein „Finanzier“ gefunden werden. Ehrenamtliche Helfer sollen hier z.B. den Betrieb eines Dorfladens mit Produkten aus Namedy und der Region, sowie eines gastronomischen Bereichs sicherstellen. Die Gründung eines Bürgervereins zur Bündelung der ehrenamtlichen Tätigkeiten im Dorf ist angedacht und die erstmalige Durchführung eines „Tages der Namedyer Vereine“ für 2017, in Verbindung mit dem Waldstraßenfest, geplant. Aus zahlreichen Ideen wurden viele Aufgaben, nicht nur für die zahlreichen freiwilligen Helfer, sondern auch für den Ortsvorsteher, der darum um Verständnis wirbt: „Die Umsetzung bedeutet für mich eine Menge Mehrarbeit, die ich gerne leiste. Da ich aber keine Mitarbeiter habe, braucht Vieles seine Zeit“.
