Dämmerschoppen der Kaiser Ruprecht Bruderschaft
„Wenn Paris den Rhein trinkt …“
Dr. Ansgar Klein referierte über den Rhein und die Deutschen
Rhens. Anlässlich des zweiten Dämmerschoppens begrüßte die Kaiser Ruprecht Bruderschaft zu Rhens mit Dr. Ansgar Sebastian Klein einen hochrangigen Forscher, der sich besonders in der Erforschung der Regionalgeschichte einen Namen gemacht hat. Der Bonner Historiker beleuchtete in seinem Vortrag das Beziehungsgeflecht Rhein/Rheinland – Deutsche und spürte dabei den Wurzeln einer Entwicklung nach, die den Strom im 19. Jahrhundert zum „Schicksalsfluss der deutschen Nation“ werden ließ.
Klein erklärte in diesem Zusammenhang den Rhein im Sinne einer natürlichen (Staats-)Grenze als französische Idee, deren Ursprünge bis in das 15./16. Jahrhundert zurückreichen. Nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges 1453 hatte das französische Königreich zwar die Engländer erfolgreich vom Kontinent vertrieben, doch blieb die Bedrohung bestehen, durch das Haus Habsburg zwischen Spanien und dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gleichsam in die Zange genommen zu werden. Deutlich erkennbar wird die Idee, der Rhein stelle die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland dar, erstmals in einem Werk des Lothringers Jean le Bon, der 1568 ein Pamphlet mit dem Titel „Le Rhin au Roy“ („Der Rhein gehört dem König“) veröffentlichte. Darin forderte er, das französische Herrschaftsgebiet bis zum Rhein auszudehnen, um das ganze alte Gallien wieder erstehen zu lassen: „Wenn Paris den Rhein trinkt, hat ganz Gallien sein Ende wieder.“
Diese Forderung sollte von nun an für Jahrhunderte das Verhältnis Frankreichs zu seinen östlichen Nachbarn prägen und letztlich auch grundlegend für die militärischen Auseinandersetzungen vor allem des 19. Jahrhunderts werden, von dem besonders das Elsass betroffen war. Klein vollzog in einem Parforceritt die historische Entwicklung nach und vergaß dabei nicht, an Hand zahlreicher Beispiele einen Blick auf die zeitgenössische Literatur und Baukunst (zum Beispiel das Nationaldenkmal auf dem Niederwald) als Medium und Ausfluss der mehrfachen Konflikte zu werfen. Gerade das 19. Jahrhundert stilisierte den Rhein zum „Schicksalsfluss der Deutschen“. Sein mit Bezug auf die heutige politische Situation gefolgertes Schlusswort mutete jedoch versöhnlich an: „Der Rhein wird heute wieder nüchterner gesehen, in einem Europa, in dem Deutsche und Franzosen in einer Europäischen Union vereinigt sind und ihre angebliche ‚Erbfeindschaft‘ beigelegt haben.“ Das Publikum belohnte Vortrag und Vortragenden mit starkem Applaus für seine Ausführungen, denen sich eine intensive Diskussion mit Fragen unterschiedlichsten Inhalts anschloss.
