Allgemeine Berichte | 16.06.2023

Verbandsgemeinde Weißenthurm berät seit 20 Jahren

Wenn Schulden zum Problem werden

Anerkannte Stelle des Landesamts für Soziales – Konsumkredite häufigste Schuldenfalle

VG Weißenthurm. Rund 5,9 Millionen Menschen in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verschuldet. In Rheinland-Pfalz liegt die Überschuldungsquote leicht über dem Bundesdurchschnitt. Schuldnerberatungsstellen, die in der Regel bei gemeinnützigen Organisationen angesiedelt sind, helfen immer mehr Betroffenen, einen Weg aus ihrer Notlage zu finden. Wer seine schwierige finanzielle Situation wieder in den Griff bekommen möchte, kann sich auch an die Beratungsstelle der Verbandsgemeinde (VG) Weißenthurm wenden. Seit 20 Jahren unterstützen die Fachkräfte Menschen, die von Überschuldung betroffen oder bedroht sind. Die VG Weißenthurm ist neben der Stadt Andernach die einzige Kommune im nördlichen Rheinland-Pfalz, die ihren Bürgerinnen und Bürgern eine kostenlose und professionelle Schuldnerberatung anbietet.

Der Konsumkredit bleibt der Dauerbrenner: Deutlich mehr als die Hälfte aller Fälle, mit denen Sandra Berndt und Alina Kneip im vergangenen Jahr zu tun hatten, betrifft den Kauf auf Pump. „Das ist seit Beginn unserer Beratung die Hauptursache für die Verschuldung der Leute“, schildert Sandra Berndt, die seit rund 15 Jahren überschuldete Mensch betreut. Seit 2021 verstärkt die junge Kollegin Alina Kneip das Team der Schuldnerberatung.

„Die Gründe für leere Konten sind so individuell wie die Menschen mit ihrer Geschichte“, weiß Berndt. Da gibt es einen Schuh-Fan mit über 80 Verbindlichkeiten bei einem Onlinehändler, den Mittzwanziger, der den Überblick über seine Handy-Verträge verloren hat oder den Senior, der gegen eine Mülltonne fährt und sein Auto ramponiert.

„Es gibt aber auch Trennung und Arbeitslosigkeit, Krankheiten und Schicksalsschläge“, schildert die erfahrene Beraterin und erinnert sich an eine Witwe, die Millionenschulden ihres selbständigen Mannes erbte, ohne von der prekären Lage des Betriebs gewusst zu haben.

Auch Unterhaltsschulden kommen häufig vor. „Und in den vergangenen Monaten gibt es immer wieder Anfragen wegen offener Forderungen der Energieunternehmen“, sagt Berndt. Nah an den Menschen und dem „wahren Leben“ zu sein, begeistert die Beraterinnen an ihrer Tätigkeit. Im vergangenen Jahr hat die Schuldnerberatung der VG über 300 Personen betreut.

Wann sich Betroffene, die meist zwischen 30 und 50 Jahren alt sind, Hilfe holen, ist ganz unterschiedlich: „Manche melden sich erst, wenn der Gerichtsvollzieher klingelt, andere sind schon bei der ersten Mahnung alarmiert“, erklärt Kneip. „Für alle gilt es, die Hürde zu überwinden, mit fremden Personen offen über ihre Notsituation zu sprechen“, bekräftigt die Schuldnerberaterin. In aller Regel gelingt es, eine Vertrauensbasis herzustellen. Dann erfahren die Beraterinnen von den seit Jahren ungeöffneten oder weggeworfenen Briefen, aber auch von Schwierigkeiten bei der Haushaltsführung oder Krankheiten wie Spiel- oder Kaufsucht. „Unser Ziel ist, die Betroffenen so zu begleiten, dass sie selber wieder das Heft des Handelns in die Hand nehmen können“, betont Kneip. So werden die Ratsuchenden angehalten, ihre Unterlagen zu sortieren und die Termine in der VG vorzubereiten. Auch, wenn die Beraterinnen das Führen eines Haushaltsbuches empfehlen oder an andere Beratungsstellen verweisen, ist Disziplin und Eigeninitiative gefragt. „Manchmal sind es aber auch nur vermeintlich kleine Tipps, wie beispielsweise der Hinweis auf relativ hohe Kosten, wenn der tägliche Imbiss nebst Kaffee direkt vom Bäcker und nicht aus der heimischen Küche kommt“, sagt Kneip. Ohne den echten Willen, aus den Schulden herauskommen zu wollen, gehe es aber in keinem Fall.

Das gilt auch für das gerichtliche Verbraucherinsolvenzverfahren, das nicht von den Betroffenen selbst, sondern nur von anerkannten Beratungsstellen oder Anwaltskanzleien beantragt werden kann. Oft herrschen falsche Vorstellungen, in einer Privatinsolvenz könne man sich ausruhen und müsse seine Schulden nicht bezahlen, erleben die Beraterinnen. Tatsächlich aber prüft der Insolvenzverwalter genau die eigenen Erwerbsbemühungen: „Wer ohne Job ist, muss sich um eine Stelle bemühen, pfändbares Einkommen und Vermögen müssen eingesetzt werden, zudem werden Arbeitgeber, Vermieter und die Hausbank informiert, das Konto oftmals vorübergehend gesperrt“, weiß Berndt. Dennoch könne ein Insolvenzverfahren eine gute Möglichkeit für einen finanziellen Neuanfang sein. Von 315 Beratungsfällen der VG im Jahr 2022 hatten 227 die Privatinsolvenz zum Ziel.

Schwierig wird es immer dann, wenn die Betroffenen lange zögern, sich Hilfe zu suchen. „Es muss nicht immer schon kurz vor der Ersatzfreiheitsstrafe sein, wenn beispielsweise Knöllchen nicht bezahlt werden, aber offene Rechnungen ignorieren, nutzt nichts“, betont Kneip. Monatlich erreichen die Schuldnerberatungsstelle durchschnittlich 10 bis 15 neue Anfragen. In der Regel können kurzfristig Termine angeboten werden. Der Appell der Beraterinnen: „Wer in der Schuldenfalle sitzt, oder wer befürchtet, auf dem Weg dahin zu sein, kann sich gerne bei uns melden.“

Sandra Berndt und Alina Kneip von der Schuldnerberatungsstelle der Verbandsgemeinde Weißenthurm sind telefonisch erreichbar unter 02637 / 913-408 und -409 oder per Mail unter sandra.berndt@vgwthurm.de oder alina.kneip@vgwthurm.de.

Pressemitteilung der

VG Weißenthurm

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