Allgemeine Berichte | 01.04.2019

Frühstücks-Matinée in Helferskirchen

Wenn Spargelcremesuppe die Fünf-Prozent-Hürde nicht nehmen kann

Ulrich Gall sezierte humoristisch den Inhalt von Fertiggerichten und Fast Food –
Dem Publikum wurde liebevoll zubereitete Küche serviert, während Gall ihm den kritischen Spiegel vorhielt

„Dr. Kögel“ rührt angewidert in der Fertigsuppe. Dann begann er, richtig zu kochen.Foto: WR

Helferskirchen. Zur diesjährigen Matinée in Helferskirchen haben sich die Verantwortlichen wieder einmal etwas Besonderes einfallen lassen. Der bekannte Schauspieler Ulrich Gall gastierte mit seinem Soloprogramm „Wer kocht, schießt nicht“ in der Sonnenberghalle in Helferskirchen. Wer eine der Koch-Shows à la Lafer oder Lichter erwartet hatte, der befand sich in der falschen Veranstaltung, in der zwar gekocht wurde, dabei aber aus einer Mischung von Realität und Satire das heutige Kochverhalten ad absurdum geführt wurde.

Ein Programm zum Lachen,aber auch zum Nachdenken

Ulrich Gall wurde von den Besuchern in der Sonnenberghalle mit freundlichem Applaus begrüßt, als er die kleine Bühne betrat, die wie eine Küche ausgestattet war. Er schlüpfte in die Rolle des Dr. Theodor Kögel, einem Gastwirtssohn aus dem Sauerland, der als Molekularbiologe promoviert hat und zurzeit in einer Lebenskrise steckt, ihn hat es knüppeldick erwischt: Die Freundin hat ihn verlassen, zudem sind seine Eltern gestorben, und als ob das alles noch nicht reicht, ist er auch noch arbeitslos geworden. In der durch diese Umstände gewonnenen Freizeit hat er sich vollständig dem Kochen verschrieben.

Wegen seiner Arbeitslosigkeit musste er natürlich den schweren Gang zur Arbeitsagentur antreten, die ihm einen Job als Tester von Fertigprodukten bei der Firma „Schnell & Lecker“ vermittelte. Seine Aufgabe bei „Schnell & Lecker“ bestand darin, einem ausgewählten Testpublikum zu beweisen, wie mühsam und ungesund die althergebrachte Küche ist, und dass dagegen das Kochen mit Fertigprodukten ein Segen für die Menschheit ist. Wie ein Marktschreier preist Dr. Kögel die Instantprodukte seiner Firma an, wobei er anfangs voller Euphorie einen Beutel mit einer Spargelcremesuppe aufreißt, den Inhalt in einen Topf mit Wasser schüttet, das Wasser erhitzt, umrührt, zack- fertig. Nachdenklich wurde Dr. Kögel, als er begann die Zutaten vorzulesen, die auf der Packung der Suppe zu lesen waren: Palmöl, Kartoffelstärke, Glukosesirup, Zitronensaftpulver, Hefeextrakt, Kochsalzersatz und vier Prozent Spargel. Als er feststellte, dass lediglich vier Prozent Spargel in der Spargelcremesuppe waren, zeigte er sich total entsetzt. Noch schlimmer traf es Dr. Kögel, als er eine Gemüsebouillon kochte und sich mit der Zusammensetzung befasste. Darin befanden sich Verdickungsmittel, Maltodextrin, Karamellzuckersirup, Palmöl, Zucker und nur 1 Prozent Lauch, 2,3 Prozent Gemüsepaprika und Sellerie.

Vollkommen entgeistert von der Produktpalette von „Schnell & Lecker“ war ihm inzwischen der Appetit vergangen, auch wenn sein Vorgesetzter hin und wieder anrief, um sich nach dem Erfolg der Fertigprodukte zu erkundigen. Um abzulenken bestätigte er immer wieder, es sei „alles Bestens“. In Wahrheit hatte er den Fertigprodukten längst abgeschworen und begann zu Kochen, so wie es früher die Mütter getan haben, die aus einfachen Zutaten die tollsten Gerichte zauberten. Seine Vorliebe für die italienische Küche konnte Dr. Kögel nicht verhehlen, als er begann, ein „100 Tomaten-Huhn“ zu kochen. Genussvoll zelebrierte er die hohe Kunst der italienischen Küche, erklärte sämtliche Zutaten, alle frisch auf dem Markt aus der Region gekauft. Natürlich passierten ihm beim Kochen einige Missgeschicke, die sehr zur Erheiterung des amüsierten Publikums beitrugen. Von Zeit zu Zeit nippte Dr. Kögler an einem Glas Rotwein, dazu verriet er, wie ein gutes Rezept nachgekocht wird: „Schütten Sie ein Glas Wein in den Koch hinein.“

Kritik an Fast Foodund dem Essverhalten

Während das „100 Tomaten-Huhn“ im Topf köchelte, hielt Dr. Kögel sich – und dem Publikum – den Spiegel im Bezug auf das Essverhalten vor. Die Putenbrust sei angeblich so gesund und nahrhaft, dabei seien die armen Tiere vollgestopft mit Antibiotika und Wachstumshormonen, nur mit dem Ziel, schnell Gewicht zu machen. Dabei würde die Brust so schwer, dass die Puten dauernd nach vorne fallen. Die Qualität der Fast Food-Gerichte brachte Dr. Kögel auf dem Punkt, als er von der Klage eines Verbrauchers aus den USA berichtete: „Ein Kunde hatte dort gegen „McMampf“ geklagt, weil er nach dem Essen eines Fischburgers eine Lebensmittelvergiftung erlitten hat. Das Gericht hat die Klage abgewiesen, da „McMampf“ nachweisen konnte, dass gar kein Fisch in dem Burger enthalten war.“

Als das „100 Tomaten-Huhn“ fertig war, lud Dr. Kögel die Besucher zum Kosten ein, übereinstimmender Tenor der Verkoster: „Einmaliger Geschmack, mit Liebe zubereitet.“ Um zu beweisen, dass Dr. Kögel mit dem Job als Testverkäufer bei „Schnell & Lecker“ abgeschlossen hat, öffnete er eine Dose mit einem Fertiggericht. Den Inhalt schüttete er in einen Napf, den er seinem Hund Maxl hinstellte, der während der Vorführung neben der Bühne lag.

Die Vorführung von Ulrich Gall wurde mit viel Beifall bedacht, auch wenn sie manchmal ernsthaft zum Nachdenken anregte. Zum krönenden Abschluss konnten sich die Besucher an einer vegetarischen Currycremesuppe, oder einer hausgemachten Hühnersuppe laben.

„Dr. Kögel“ rührt angewidert in der Fertigsuppe. Dann begann er, richtig zu kochen. Foto: WR

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