Musicalaufführung im Bürgersaal in Rheinbreitbach
Wenn der Nikolaus Amtshilfe vom amerikanischen Kollegen benötigt
English-AG der Gebrüder-Grimm-Grundschule präsentierte „SOS for Santa“
Rheinbreitbach. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hatte die English-AG der Gebrüder-Grimm-Grundschule um Michaela Wolter zu einer Aufführung in den Bürgersaal über der Hans-Dahmen-Halle eingeladen. „Dieses Mal ist aber alles ganz anders. Wir mussten unser 2018er-Musical in die Weihnachtszeit vorverlegen, weil ich nächstes Jahr eineinhalb Monate an einer Schule in Afrika unterrichten werden. Entsprechend würde uns zu viel Zeit für die Proben fehlen“ erklärte die AG-Leiterin den ungewöhnlichen Termin bei der Premiere von „SOS for Santa“ am Donnerstagnachmittag der vergangenen Woche. Für die mussten erstmals die Fenster nicht mit lichtundurchlässiger Folien abgeklebt werden, da es draußen längst stockdunkel war. „Außerdem musste ich den Eltern in der an sich schon hektischen und stressigen Vorweihnachtszeit leider noch zusätzliche Termine aufbürden“, entschuldigte sich Michaela Wolter bei ihren Helfern.
Auf das Christkind war leider kein Verlass
Und jede Menge Stress hatte auch der Nikolaus. „The same problem as every year. Too much wishes, too much Christmas presents“, verriet der herrlich dekorierte „Magic Electric Christmas Tree“ vom rechten Rand der Bühne aus, auf der sich gegenüber Weihnachtspakete und Kuscheltiere vom Pandabärchen und kleinen Häschen bis zum fast lebensgroßen Pony stapelten. Knecht Ruprecht war schon völlig überarbeitet und längst nicht mehr Herr der Situation, während vom Christkind zunächst keine Spur zu sehen war. Samt seines Engelgefolges war es voll mit Make-up, Nagelpflege und Haarstyling beschäftigt. Als es dann doch angerauscht kam, erteilte es dem Hilfegesuch des Nikolaus eine Abfuhr. „Ich habe einfach viel zu viele Auftritte und muss zu viele Gedichte aufsagen“, erklärte es, machte sich aber im Grunde nur Sorgen, dass beim Geschenkeaustragen die schicken Nägel möglicherweise abbrechen und die Haarpracht zerzaust werden könnten. Und schon machte es sich mit seiner geflügelten Entourage von hinnen.
Szenenwechsel vom Breitbach an den Strand von Miami, an dem sich Santa Claus in T-Shirt und Bermudashorts mutterseelenallein sonnte und langweilte, wurde seine Arbeit doch von Rentieren und Elfen erledigt, die zu „Kommt, lasset uns anbeten“ sogar noch Zeit hatten, dem Urlauber mit Palmwedeln Frischluft zuzufächeln. Kurzentschlossen rief dieser seinen deutschen Kollegen an. „Your phone is ringing“, mahnte der Magic Tree den Nikolaus, der sein „Jingle Bells“-Telefon erst mitten im Zuschauerraum suchen musste. „Here is cool Santa Claus. Do you remember Vegas last year? It’s not cool here alone“, meldete sich der amerikanische Weihnachtsmann, den niederländische Auswanderer mit ihrem Sinter-Klaas-Brauch nach Nieuw Amsterdam, ins heutige New York mitgebracht hatten. Mehr als verblüfft nahm sein Deutscher Kollege die Einladung zu einer Party entgegen. Sein Hinweis auf die Christmas Time und die damit verbundene Schwerstarbeit konnte Santa Claus nur ein lockeres „So what“ entlocken, bevor ihm eine „°great idea“ kam. „My team and I will come to help you“, kündigte er mit „See you later aligator!“ seinen Besuch an.
Wenn der Segway den Rentierschlitten ersetzt
Wer nun geglaubt hatte, der Rauschebart würde im Rentierschlitten von Elfen umgeben im Bürgersaal einfliegen, hatte sich schwer getäuscht. Zum „Rocky“-Soundtrack „Eye of the tiger“ kurvte der amerikanische Weihnachtsmann, der seinen Urlaubsdress durch den typischen roten, mit weißem Pelz gesäumten Mantel ersetzt hatte, im Segway um die Zuschauer herum und enterte schließlich schwungvoll die Bühne. Dort wurde er nicht nur von Nikolaus und Knecht Rupprecht, sondern auch vom Christkind mit den Engelchen sehnsüchtig erwartet. „Ladies, you look so beautiful“, versetzte er diese in Verzückung, um dann seine Rentiere zu „Rudolph, the rednosed reindeer“ einmarschieren und tanzen zu lassen. „And now my best helpers, the Elfs“, kündigte Santa Claus seine militärisch geschulte Wichteltruppe an, wenn man vom kleinen Gaga-Elf einmal absah.
Kobolde aus Übersee zeigten vollen Einsatz
Ununterbrochen verteilten die Kobolde die Geschenke zur Melodie von „Last Christmas“ an die Rentiere, und im Handumdrehen war der Päckchenberg abgetragen. „Yes, Sir, we are finished, Sir!“, meldete die gedrillte Truppe Vollzug. „Thank you so much“, bedankte sich der Nikolaus überschwänglich, erntete aber nur ein: „Hey buddy, relax. Let’s have fun!“ Und schwirrten Ballerinen in roten Tutus in den Bürgersaal, um zu „All I want for Christmas is you“ über die Bühne zu schweben.
„Wir sind natürlich auf eine Zugabe eingestellt“, erklärte Michaela Wolter nach dem lang anhaltenden Applaus und ließ die jüngsten Zuschauer wählen, welchen Tanz von Rentieren und Wichteln sie am liebsten noch einmal sehen wollten. Ehrlicher, wenn auch nicht zu erfüllender Wunsch: „Am liebsten alle!“, zollten die Kleinsten der Musical-Truppe höchstes Lob. DL
Dank des amerikanischen Weihnachtsmanns und seiner „best helpers“ kann der Geschenkenotstand abgewendet werden.
Das Christkind hat klare Prioritäten: Ein perfektes Styling ist ihm wichtiger als das Verteilen von Geschenken.
