Landesjagdverband Rheinland - Pfalz e.V. - Kreisgruppe Mayen – Koblenz
Wenn die Bache zum Angriff bläst
Vallendar. Auch wenn es draußen manchmal noch stürmt und ungemütlich ist: Der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten. Aber nicht nur Pflanzen reagieren auf den Frühling, auch in unserer heimischen Tierwelt regt es sich, berichtet der Pressesprecher des Landesjagdverbandes, Kreisgruppe Mayen-Koblenz, Hartmut Schlink.
Einige Wildarten haben ihre Kinderstube eröffnet. Eigentlich werden Jungtiere in der freien Natur erst dann geboren, wenn das gute Wetter einigermaßen beständig ist, etwa im April, Mai und Juni, so Schlink weiter.
Junge Wildschweine wollen aber so lange nicht warten. Bereits im Januar und Februar stellt sich bei dieser Wildart der Nachwuchs ein. Hochsaison in der Wildschweinkinderstube herrscht jedoch im März. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade die Wildschweine in dieser ungünstigen Witterung ihre Jungen zur Welt bringen, denn diese große Wildart ist besonders widerstandsfähig. Sturm und Kälte können den Kleinen kaum etwas anhaben. Zum „Frischen“ wie die Geburt der „Frischlinge“ in der Jägersprache genannt wird, verlassen die trächtigen „Bachen“, so die Bezeichnung der weiblichen Wildschweine, ihre Jungen vom Vorjahr und suchen ihren vorher aus Pflanzen gebauten Geburtsplatz, „Kessel“ genannt, auf. Hier bringt die Bache im Durchschnitt vier bis fünf Frischlinge zur Welt, die Zahl kann jedoch bis zu zwölf Jungen pro Wurf ansteigen. Schlink: „Die kleinen Quieker verlassen bereits nach einer Woche den Kessel, folgen ihrer Mutter auf Schritt und Tritt und erkunden ihre Umwelt.
Oft schließen sich mehrere Bachen samt Nachwuchs zu einer Rotte zusammen. Gemeinsam geht es so zur Futtersuche und gern auf frisch gepflügte und bestellte Felder. Da ein hoher Bedarf an tierischem Eiweiß besteht, wird das Erdreich noch einmal mit dem Rüssel „umgepflügt“, um Insekten und Würmer aufzuspüren. Auch Feldfrüchte, wie zum Beispiel Zuckerrüben, Kartoffeln oder Mais, sind bei den Tieren sehr beliebt, so Schlink.
Dass diese Futtersuche nicht gerade zaghaft und zurückhaltend verläuft kann sich jeder denken. Es kann durchaus vorkommen, dass für den Landwirt nach dem nächtlichen Besuch einer Rotte Wildschweine auf dem Felde nichts mehr zum Ernten übrigbleibt.
Hartmut Schlink: „Die milden Winter der vergangenen Jahre, die gute Wildfruchtmast, insbesondere aber auch der großflächige Anbau von Mais, Zuckerrüben und anderen Feldfrüchten haben es ermöglicht, dass sich die Wildschweine, die sich hervorragend an unsere Zivilisationslandschaft angepasst haben, übernatürlich stark vermehren konnten.
Zwar muss der Jagdpächter dem Landwirt Schäden, die Wildschweine auf Äckern und Wiesen anrichten, finanziell ersetzen; besser ist jedoch, Wildschäden möglichst zu vermeiden. Dies schreibt auch das Jagdgesetz vor. Um dem Ausufern sowohl der Schwarzwildbestände als auch des Wildschadens entgegenzuwirken und um die drohende Schweinepest zu verhindern, ist das Schwarzwild stark zu bejagen, zumal es in unseren Breiten keine natürlichen Feinde mehr hat.
Besucher sollten nicht zu tief in den Wald gehen
Die meiste Zeit des Tages verbringen die Wildschweine im Wald. Und zwar dort, betont Schlink, wo Waldbesucher normalerweise nicht sind. Wer aber abseits der Wege im tiefen Wald durch das Unterholz spaziert, beunruhigt nicht nur die Wildtiere, sondern läuft auch Gefahr, auf eine Rotte Wildschweine zu stoßen. Im Regelfall vermeidet Wild den Kontakt mit dem Menschen und flüchtet sofort. Wird eine Rotte Wildschweine aber überrascht und sieht keine Chance zur Flucht, kann es durchaus passieren, dass die Bache angreift. Laut „bläst“ sie die Luft aus und stürzt sich auf ihr Gegenüber. Wie alle Muttertiere will sie ihre Jungen schützen, notfalls sogar mit einem mutigen Angriff. Nicht umsonst werden Wildschweine als das einzig „wehrhafte Wild“ in unserer Heimat bezeichnet.
Die Schnelligkeit dieser behäbig wirkenden Tiere sollte niemals unterschätzt werden; Flink können sich Wildschweine auf ihren kurzen, dünnen Läufen fortbewegen.
Hartmut Schlink bittet alle Waldbesucher, die den Frühling in der freien Natur ausnutzen wollen, bereits jetzt um Rücksicht auf die Kinderstube des Wildes. Auf den Waldwegen kann man die Natur genießen, ohne die Wildtiere, in der ohnehin schwierigen Aufzuchtszeit ihrer Jungen, zu stören. Auch läuft man so mit Sicherheit nicht in Gefahr, dass eine Bache „zum Angriff bläst“.
Spaziergänger sollten nicht zu tief in den Wald gehen, um die Tiere nicht zu stören.
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