Urbar wurde 850 Jahre alt
Wenn die Heimat Geburtstag feiert, machen alle mit
Urbar.Wenn viele Menschen etwas gemeinsam tun, was ihnen wirklich am Herzen liegt, dann muss es einfach gut werden. Und so war es am letzten Wochenende. Die Gemeinde Urbar feierte ihren 850. Geburtstag. Da eine Ortsgemeinde eine juristische Person ist, kann sie natürlich nicht feiern, sondern die Menschen, die dort wohnen. Vorbereitet wurden die Festlichkeiten vom Arbeitskreis 850 Jahre Urbar.
Am späten Nachmittag des Samstages fand der offizielle Festakt im Bürgerhaus statt. Zahlreiche Ehrengäste waren eingeladen, so zum Beispiel: Landtagsabgeordneter Josef Dötsch, Bundestagsabgeordneter Detlef Pilger, Altortsbürgermeister Karl-Josef Kohl, aus den Nachbargemeinden Niederwerth und Weitersburg die Ortsbürgermeister Josef Gans und Jochen Währ, Pater Rüdiger Kiefer. Timo Krämer, der Vorsitzende des Vereinsrings, führte durch das Festtagsprogramm.
Der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Dr. Alexander Saftig, überbrachte die besten Grüße des Landkreises, ebenso sprach der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Fred Pretz und natürlich die Urbarer Ortsbürgermeisterin Karin Küsel.
In ihren Reden stellten die Genannten fest, dass die Gemeinde Urbar für ihre rund 3.300 Einwohner ein echtes Stück Heimat ist, die Gemeinde verstehe sich als Dorf mit allen damit verbundenen positiven Eigenschaften.
Man hält zusammen, verstehe sich als Gemeinschaft, setzt sich in den Vereinen für das Gemeinwohl ein.
Urbar zählt im Vergleich zu den Einwohnern zu einer der kinderreichsten Gemeinden in Rheinland-Pfalz. Entsprechend ist die Infrastruktur geschaffen. Neben den Festtagsreden am Samstag gab es ein musikalisches Programm gestaltet mit Schülerinnen von Helena´s Musikschule und zwei Heimatgedichte in Urbarer Mundart, gedichtet und vorgetragen von einer Ur-Urbarerin, nämlich Anneliese Ackermann.
Ebenso hübsch anzuhören waren die Beiträge von der Singgemeinschaft Urbar. An einer Wand im Bürgerhaus war eine Ausstellung zu bestaunen, die verschiedene Vereine zusammengestellt hatten. Auch gab es historische Fotos von Geschäften, Gaststätten und Veranstaltungen.
Urbar war ein ausgesprochener Weinort
Große Beachtung fand der Vortrag der Historikerin Dr. Sigrid Wegler. Sie hatte auch beim Jubiläum des Klosterguts Besserlich im Jahre 2004 den Impuls zur 850-Jahrfeier gegeben. 1167 wurde Urbar zum ersten Mal schriftlich erwähnt. In allen historischen Quellen spielt der Weinbau eine Rolle, so Dr. Wegler.
Urbar war eine echte Weinanbaugemeinde. Heute gibt es keinen Weinanbau mehr. Zudem verdiente man in der Gemeinde seinen Unterhalt im Fährbetrieb und verband so die Gemeinden des Westerwaldes mit den linksrheinischen Orten.
Somit hatte Urbar eine sehr verkehrsgünstige Lage und die jetzige Hauptstraße war ein Jahrtausend alter Handelsweg. Die Besiedlung des Landstriches liegt noch sehr viel weiter zurück. Im Monzental fand man Spuren von einer Besiedlung, die zwanzigtausend Jahre zurückliegt.
„Urbar hat seinen Charakter als Weinort verloren und ist aus dem dörflichen Charakter äußerlich herausgewachsen, wird aber durch ein intensives Vereinsleben innerlich zusammengehalten und strahlt gesellschaftlichen Gemeinsinn und durchaus kulturelle Impulse bis weit in die Nachbarzentren von Vallendar und Koblenz aus“, so die Historikerin. Der komplette Vortrag von Dr. Sigrid Wegler kann man in Kürze im neuesten Jahrbuch des Landkreises nachlesen.
Neue Ortsbroschüre vorgestellt
Der eigentliche Höhepunkt des Festaktes am Samstag war die Vorstellung der neuen Ortsbroschüre. „Daran haben wir drei Jahre lang mit allen Vereinen gearbeitet“, so Ortsbürgermeisterin Karin Küsel. Mit dem Vereinsringsvorsitzenden Timo Krämer bat sie Vertreter aller Urbarer Vereine und der politischen Fraktionen auf die Bühne. Für den kleinen Ort sind das immerhin 22 Gruppierungen. Mit Freude und Stolz erhielten diese ein druckfrisches Exemplar. Auf dem Titel natürlich die Abbildung eines historischen Feuerwehrmannes. Das ist zurückzuführen auf eine Gegebenheit aus vergangener Zeit. Nach einem feuchtfröhlichen Fest alarmierte man die Urbarer Wehr, weil man des nachts einen blutroten Himmel wahrnahm und sich mit Löschgeräten mühsam über die Felder mühte. Am Ort des Geschehens angekommen, war von einem Feuer keine Spur. Der Mond hatte dieses fantastische Licht gezaubert. Deshalb nennen sich die Urbarer auch heute noch selbst: Die Mondlöscher und zeigen damit allen anderen eine weitere Stärke neben ihrem Gemeinschaftssinn: Wir haben Humor.
Am Samstagabend stand Tanz bei Livemusik auf dem Festprogramm, ebenso ein großer Zapfenstreich vor dem Bürgerhaus, gestaltet von den Urbarer Schützen.
Nach dem Gottesdienst am Sonntag gab es einen musikalischen Frühschoppen und am Nachmittag ein echtes Familienprogramm unter dem Motto: Urbar spielt. Die Vereine hatten sich wirklich schöne und spaßmachende Spielestationen angeboten.
Das Angebot wurde sehr gut angenommen und am Rande ist Platz für einen Plausch mit dem Verbandsbürgermeister, denn der wohnt in Urbar und spielt natürlich in lockerer Freizeitkleidung mit. AND
Timo Krämer (Vereinsringvorsitzender), Dr. Alexander Saftig (Landrat MYK), Karin Küsel (Ortsbürgermeisterin), Martina Pretz, Fred Pretz (Bürgermeister VG), Detlev Pilger (MdB), Josef Dötsch (MdL).
Am Sonntag war Familientag mit Flohmarkt und Spiel und Spass angesagt.
