Improvisationstheater „Frizzles“ im Kulturbahnhof Bad Breisig
Wenn ein Gürteltier Monopoly spielt
Bad Breisig. Viele vergnügte Gesichter im fast ausverkauften Saal des Jugend- und Kulturbahnhofs Bad Breisig, als die Spontantheatergruppe „Frizzles“ aus Köln unter dem Programmtitel „Komik statt Plastik“ auftrat und die Lachmuskeln strapazierte. Das Programm der Theatergruppe besteht eigentlich darin, kein festes Programm zu haben, sondern mit Hilfe und auf Zuruf der ZuschauerInnen zu improvisieren - und das auf komische und witzige Art. So gleicht kein Auftritt dem anderen, und dies erklärt auch, warum das Chamäleon das Wappentier der „Frizzles“ ist.
Die „Frizzles“ waren 1997 angetreten, um dem Monopol des Bonner „Springmaus-Theaters“, das seit 50 Jahren existiert, etwas Eigenes entgegenzusetzen. Der Kern der Truppe besteht aus sechs SchauspielerInnen, die in wechselnden Besetzungen auftreten und deren „Heimat“ das Ateliertheater in der Kölner Roonstrasse ist. Die Kreativität des Augenblicks und die aktive Mitwirkung des Publikum haben eine zentrale Bedeutung bei den Auftritten der „Frizzles“. Denn aus tagesaktuellen Ereignissen sowie den Einwürfen und Ideen des Publikums kreieren die Akteure ein ganz eigenes Programm, das von der Überraschung lebt. Und so wird spontan gereimt, geschauspielert, getanzt und gesungen, und diese Situationskomik war so ansteckend, dass die Akteure selbst Lachanfälle bekamen.
An diesem Abend traten im Kulturbahnhof Katrin Piplies und Arnd Cremer als Improvisationsschauspieler sowie Andreas Hirschmann als kongenialer musikalischer Begleiter auf. Katrin Piplies ist Theaterdirektorin des Ateliertheaters und tritt auch in anderen komödiantischen Formationen auf, Arnd Cremer schreibt Radio-Comedies und ist auch im TV präsent, und der gelernte Kirchenorganist Andreas Hirschmann ist Keyboarder der bekannten Rockgruppe „Hölderlin“ und der Kult-Combo „Swingerclub“. Dieses erlesene Trio überraschte nun die Bad Breisiger (und manchmal sich selbst) mit spontan entstehender Comedy. So wurden vom Publikum die Begriffe „Gürteltier“ und „Monopoly“ in den Raum geworfen, und von den Schauspielern so witzig kombiniert, dass die absurdesten Dialoge entstanden.
Zum Thema Freizeitbeschäftigung fiel einer Besucherin „Sockenstricken“ ein, was die „Frizzles“ sofort aufnahmen und die Szenen des Wolleinkaufs in verschiedenen musikalischen Genres gekonnt umsetzten: als jazzige Swingnummer, als Metal-Version a la „Rammstein“ und als Opernversion („ich sterbe mit warmen Füßen“) - und dies mit spontan gereimtem Gesang.
Auf einer imaginären Fotosafari von Sinzig nach Bad Breisig wechselten die Schauspieler auf spontane Anweisung des Pianisten in eine improvisierte Kunstsprache und wieder zurück, und ein gespielter Einkauf mit blitzschnellen Wechseln zwischen Bad Breisiger Fachgeschäften erzeugte die schönste Situationskomik.
In der Pause durfte das Publikum Zettel mit einem spontan ausgedachten Satz beschriften, die von den „Frizzles“ in ihre Szenen eingebaut wurden. Zwei mutige Zuschauerinnen wurden dann „freiwillig“ auf die Bühne gelotst. Arnd Cremer und Katrin Puplies mutierten nun zu menschlichen Puppen beim Rasenmähen, auf groteske Art gelenkt von den beiden mitwirkenden Zuschauerinnen und zum großen Vergnügen des Auditoriums.
Höhepunkt des Abends war eine Szene mit einem imaginären Kerzenständer im Mittelpunkt, die in den Genres Science-Fiction, Krimi, Dalli Dalli, Horror, Kinderlied, Schnulze, Oper, Talkrunde und Karneval vorgeführt wurde, und dabei die große musikalische und schauspielerische Bandbreite der „Frizzles“ demonstrierte.
Ohne Zugabe durfte die Theatergruppe nicht abtreten, bevor ein sehr fröhlicher und amüsanter Theaterabend endete.
Die Schauspieler werden von Zuschauerinnen gelenkt.
Die „Frizzles“ beim Schlussapplaus.
