Richard Recker aus Meckenheim ist in dieser Session Karnevalsprinz in Bonn
Wenn ein „Straßenkind“ zum Prinzen wird
Bonn/Meckenheim. Er lebt in Meckenheim, arbeitet in Bad Neuenahr und regiert ganz Bonn: Richard Recker ist im Rheinland zu Hause und in dieser Session der Bonner Karnevalsprinz. Pünktlich zum 11.11. wurde Prinz Richard I. und seine Bonna Katharina III. (Breidenbend) der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach der Weihnachtszeit steht nun der weitere Höhepunkt an: Die offizielle Proklamation wird am 10. Januar stattfinden. BLICK aktuell traf sich mit Recker zum Interview. Die Bönnsche Tollität erzählt dabei von seinem karnevalistischen Werdegang, dem Reiz an der närrischen Zeit und seiner Liebe zur Musik.
BLICK aktuell: Herr Recker, Karneval gehört zum Rheinland einfach dazu. Was macht für Sie den Reiz an der närrischen Zeit aus?
Richard Recker: Der Karneval ist eine wunderbare Möglichkeit mit Menschen zusammen zu kommen. Man trifft und feiert mit Menschen denen man sonst nie begegnen würde. Karneval ist eben für alle da – ganz egal, wer man ist oder woher man kommt. Und: Karneval ist Brauchtumspflege pur.
BLICK aktuell: Waren Sie schon immer ein Karnevalsjeck?
Recker: Eigentlich schon. Ich bin der Sohn einer südafrikanischen Inderin und einem Westfalen. Ich bringe also eine Menge Minderheiten mit. (lacht) Einen großen Teil meines Lebens habe ich aber in Bonn verbracht und lernte dort den Karneval so richtig kennen und schätzen.
BLICK aktuell: Karneval hat eine Menge Facetten. Was liegt Ihnen mehr: Rosenmontagszug oder Prunksitzung?
Recker: Ich bin eigentlich ein „karnevalistisches Straßenkind“. Lange Zeit habe ich nämlich nur beim Straßenkarneval mitgefeiert. Der ist mir natürlich auch heute noch wichtig. Für den Bonner Festausschuss kommentiere ich seit rund 10 Jahren per Mikrofon den Rosenmontagszug in Bonn. Irgendwann habe ich mich auch an den Sitzungskarneval getraut.
BLICK aktuell: Prinz in Bonn zu sein ist etwas Besonderes. Wie kamen Sie auf die Idee diesen Schritt zu wagen?
Recker: Die ursprüngliche Idee ist schon rund 15 Jahre her. Damals hatte ich mir die Idee schon einmal durch den Kopf gehen lassen. Und ganz ehrlich: Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass es klappt. Dann fragte mich ein Vereinskollege aus dem Vorstand des Bonner Festausschuss, ob ich mir das für die Session 2019/2020 nicht doch vorstellen könnte. Ich habe nicht lange gezögert: Ein Lebenstraum geht für mich in Erfüllung.
BLICK aktuell: Als Anführer der Bonner Narren hat man sicher einen vollen Terminkalender?
Recker: Ja! Gerade in der heißen Phase vor Rosenmontag ist jeder Tag verplant. Knapp drei bis vier Wochen meines Jahresurlaubs gehören nächstes Jahr dem Karneval. Dann habe ich glücklicherweise noch zwei Wochen übrig für einen Urlaub mit der Familie.
BLICK aktuell: Teilt Ihre Familie Ihre Leidenschaft zum Karneval?
Recker: Einhundertprozentig! Meine Frau ist genauso begeistert wie ich und meine beiden Töchter ebenfalls. Das ist auch ganz wichtig: Ein Prinz ohne jecke Familie im Hintergrund wäre auch einfach nicht möglich.
BLICK aktuell: Das Jahr 2020 ist ein besonderes Jahr für Bonn. In diesem Jahr feiert Ludwig van Beethoven, der wohl wichtigste Sohn der Stadt, seinen 250. Geburtstag. Hat das Einfluss auf den Karneval?
Recker: Natürlich ist Beethoven auch im Karneval präsent. Das zeigt sich auch beim Sessionsmotto: „Jötterfunke överall – Ludwig, Bonn und Karneval“. Und der gleichnamige extra für die Session geschriebene Song dazu ist ein richtiger Hit. (lacht)
BLICK aktuell: Neben der Leidenschaft zum Karneval sind Sie auch begeisterte Klarinettist in der Meckenheimer Band „Hot Jazz-Boys“. Wie passt Jazz zur Karnevalsmusik?
Recker: Absolut fantastisch. Wir haben einmal bei einer Sitzung in Bonn den Karnevals-Klassiker „Einmal Prinz zo sin“ als Dixieland-Jazz-Version auf der Bühne präsentiert. Das kam super an! Und auch zeitlich bekommt man beide Hobbys gut unter einen Hut. Denn Jazz ist hauptsächlich etwas für den Sommer und da ist ja meistens kein Karneval.
BLICK aktuell: Was steht als nächstes Highlight im karnevalistischen Kalender an?
Recker: Zunächst ist erst einmal Weihnachten. Dann kommt der Höhepunkt am 10. Januar. Da steht die Proklamation von meiner Bonna Katharina III. und mir an. An dem Tag haben wir gleich dreimal Grund zum Feiern. Mein Vater und ich haben nämlich passend dazu am selben Tag Geburtstag. Er wird 80, ich 45 Jahre alt und ich werde Prinz in Bonn.
BLICK aktuell bedankt sich für das Interview.
Das Interview führte Daniel Robbel
