Jan Mattheis im Kulturbahnhof Bad Breisig
Wenn eine Diva auf ein Stinktier trifft
Bad Breisig.Angekündigt als Bauchredner, entpuppte sich der Hannoveraner Jan Mattheis als Multitalent, trat er doch als Magier, Illusionskünstler, Wortakrobat und natürlich mit seinen Bauchredner-Puppen auf und zauberte eine hochkarätige Show auf die Bühne. Ihm gelang dabei die Kunst, zwischen den verschiedenen Rollen so rasant zu jonglieren, dass die 90 ZuschauerInnen im völlig ausverkauften Kulturbahnhof aus dem Staunen und Lachen nicht mehr heraus kamen.
Schon gleich zu Beginn beruhigte er die Gäste: „Frauen zersäge ich nicht mehr.“ Das habe er ein einziges Mal mit seiner Schwester versucht, und seitdem habe er zwei Halbschwestern. Lieber begann er mit einem Zaubertrick, bei dem er einen 200-Euro-Schein faltete und in einen 500er-Schein und wieder zurück verwandelte.
Anschließend begann das Panoptikum der skurrilen Gestalten. Aus einer alten Arzttasche zog er das Stinktier „Gottfried“ und erweckte es mit seiner (Bauch-)stimme zum Leben. Die Beiden warfen sich die verbalen Bälle zu, bis Gottfried damit drohte stinksauer zu werden.
Nach einem Kartenspielzauber beförderte der Künstler aus einer Metallkiste einen mürrischen älteren Herrn, genannt „Herr Lehmann“. Dieser gab an, Dichter zu sein, da er hauptberuflich Wasserleitungen abdichte. Sein Sohn wiederum habe 5000 Leute unter sich; er arbeite als Friedhofgärtner.
Danach brillierte Mattheis als Illusionskünstler: In zwei glitzernden Röhren verbargen sich je eine Weinflasche und ein Glas, die magisch vertauscht und wieder zurück gehext wurden. Zaubermittelklasse, schon oft gesehen. Doch dann legt der Künstler richtig los, und inmitten der verschobenen Röhren, begleitet von Wortkaskaden, vermehren sich die Flaschen, so dass schließlich sechs Flaschen auf dem Zaubertischchen stehen. Das war schon Illusionskunst allererster Güte! Vor der Pause präsentierte Jan Mattheis noch einen Pizzakarton, darin eine sprechende Pizza namens „Luigi“. Luigi erzählte, dass er sich von seiner ersten Freundin „Margarita“ getrennt habe, weil sie nicht scharf genug war.
Nach der Pause kam dann die große Stunde von „Madame Chi-chi“, die der Bauchredner aus einer Hutschachtel zauberte. Die etwas zickige „Grand Dame der Variete-Welt“ bezauberte durch kapriziöses Verhalten und hohe Gesangskunst, indem sie „Lilli Marleen“ von Lale Andersen und „Non, je ne regrette rien“ von Edith Piaf zum Besten gab. Donnernder Applaus für das musikalische Highlight!
Die nächsten zwei Programmpunkte waren exzellente Zauberkunststücke, bei denen der Illusionskünstler einmal ein Bällchen verschwinden ließ und wieder herzauberte, und dann eine Tageszeitung in kleine Stücke riss und am Ende unbeschädigt präsentierte.
Schließlich lotste er mit viel Charme zwei Gäste auf die Bühne und führte mit ihnen gemeinsam den „indischen Seiltrick“ auf. Dann der Höhepunkt des Abends: Mattheis ließ seine unfreiwilligen Assistenten, die er am Handgelenk hielt, zu Bauchrednern werden, indem diese auf Druck am Handgelenk den Mund auf und zu machten, während Mattheis ihnen seine Stimme lieh. Situationskomik vom Feinsten, das Publikum tobte!
Ohne zwei Zugaben, bei denen der Magier erneut verblüffende Kartentricks zeigte, durfte Jan Mattheis nicht gehen! Die ZuschauerInnen erlebten einen kurzweiligen und fröhlichen Abend mit einem Künstler in Hochform.
