Allgemeine Berichte | 30.11.2021

Benefizkonzert Arenberger Hofmusik

„Wenn wir in höchsten Nöthen seyn“

Mitwirkende des Benefizkonzertes waren Ulrike Friedrich, Traversflöte, Almut Nikolayczik, Barockvioline, Robert Nikolayczik, Barockvioloncello und Johannes Geffert, Cembalo. Foto: Werner Dreschers

Adenau. … so lautete das Thema eines Benefizkonzertes in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Adenau. Mit Kammermusik von J.S. Bach (1685-1750) und weiteren trug die Arenberger Hofmusik auf Initiative des Fördervereins Burgruine Arenberg zur Unterstützung der Hochwasserbetroffenen im Ahrtal bei. Die Eintrittsgelder und Spenden werden über den Rotary Club (RC) Adenau-Nürburgring an die Hochwasseropfer weitergeleitet.

Mitwirkende des Benefizkonzertes waren Ulrike Friedrich, Traversflöte, Almut Nikolayczik, Barockvioline, Robert Nikolayczik, Barockvioloncello und Johannes Geffert, Cembalo. Besonders ins Auge fiel den Besuchern das Cembalo, ein Nachbau eines Instrumentes aus dem Jahre 1650. Gefertigt im Jahre 1978 verfügt es über ein Manual mit zwei Registern und einen Lautenzug. Es besticht durch eine feine zeitgenössische Malerei, die Franz von Assisi mit seiner Gefährtin Klara darstellt, Vögel fütternd. Die Malerei ist einem Bild von Giotto di Bondone nachempfunden, das in der Basilika in Assisi zu sehen ist.

Wenn die Welt aus den Fugen zu geraten droht, mag Musik nicht nur Trost spenden und ablenken, sondern verweist auch auf eine Ordnung „hinter den Dingen“, hieß es. Robert Nikolayczik sprach von einem „Maschinenraum des Universums“. Dieser Ordnung wollten die vier Musiker und Musikerinnen der Aremberger Hofmusik mit einem besonders ausgewählten Programm nachspüren, orientiert an dem besonderen Termin des Ewigkeitssonntags („Totensonntag“).

Mit J.S. Bachs Vorspiel (BWV 668) zu einem Choral von Paul Ebner aus dem Jahre 1588 begann das Konzert. Hoffnung und Trost soll das Werk vermitteln, Bach selbst sah sich zu dem Werk durch persönliche Lebensumstände kurze Zeit vor seinem Tod bewegt. Er litt an einer schweren Augenerkrankung, die seinem ohnedies schlechten Gesundheitszustand weiter abträglich war. „Vor deinen Thron tret ich hiermit“, lautete sein persönlicher Bezug, sein Bekenntnis zum Glauben an Gott. Er hatte den ursprünglichen Titel „Wenn wir in höchsten Nöthen seyn“ erst kurz vor seinem Tod geändert. Das Werk gewann rasch an großer Popularität. J.S. Bach, sicher einer der bedeutendsten Musiker aller Zeiten, hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Robert Nikolayczik und Professor Johannes Geffert gingen kurz auf das Thema „Die Kunst der Fuge“ ein. Bachs System eines tiefsinnigen musikalischen Denkens wurde später von seinem Sohn Carl Philipp Emmanuel Bach publiziert.

Eine frische Komposition aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts war ein Werk von Jean-Pierre Guignon (1702-1774), die Sonata seconde D-Dur op. 4. Guignon galt als ein herausragender Violinvirtuose, berühmt für seine exzellente Spielweise. Die französische Kammermusik der Epoche wurde maßgeblich durch seine Kompositionen bereichert.

Aus dem „Musikalischen Opfer“ von J.S. Bach hörten die Besucher den Canon perpetuus Nr.9 (BWV 1079). Das „Musikalische Opfer“ ist eine Sammlung fast ausschließlich kontrapunktischer Sätze, die sich auf ein Werk des musikalisch hoch begabten Königs Friedrich II. , einem ausgezeichneten Flötisten, beziehen. Der Orgelvirtuose Johannes Geffert spielte das Originalwerk auf dem Cembalo. Bach hatte in dem Kanon sehr wohl eine Wiederholung notiert, nicht aber ein konkretes Ende, so dass es an dem jeweiligen Aufführenden liegt, jeweils den ihm geeignet erscheinenden Schlusspunkt zu setzen. Der Canon perpetuus scheint insoweit „unendlich“ zu sein. Auch das Werk eines Komponisten namens Giovanni Paolo Tomesini (möglicherweise ein Alibiname) erklang als Canon perpetuus.

Aus der Triosonate für Traversflöte, Violine und Basso continuo des „Musikalischen Opfers“ hörten die Besucher den ersten und vierten Satz, das Largo und das Vivace. Robert Nikolayczik und Johannes Geffert erläuterten die musikwissenschaftlichen Zusammenhänge.

Den Abschluss des Musikabends bildete das Concerto Nr. V von Johann Samuel Schröter (1753-1788), ein publikumszugängliches Werk. Der ausgezeichnete Pianist und Organist, zunächst in London als irgendwie trendiger Klavierlehrer tätig, erhielt nach der Hochzeit mit seiner aus angesehenen Kreisen stammenden Braut Rebecca von deren Eltern Geld dafür, dass er sich nicht mehr als Klavierlehrer verdingen sollte. Fortan spielte er deshalb nur noch für seine Gönner aus höchsten Adelskreisen, bis hin zum Königshaus, so für Königin Charlotte, zu deren Music Master er später sogar avancierte.

Begeisterter Applaus zum Schluss, die 1. Vorsitzende des Fördervereins Burgruine Aremberg, Christa Hollmann, dankte den Aufführenden, die auf Gage verzichtet hatten, und den Förderern sehr herzlich symbolisch mit Flutwein aus dem Ahrgebiet. Eine Zugabe aus dem Werk Georg Friedrich Telemanns rundete das anspruchsvolle Konzert ab. „Wir sind sehr froh, mit unserem Konzert einen Beitrag leisten zu können“, unterstrichen die Musiker ihr ehrenamtliches Engagement.

Mitwirkende des Benefizkonzertes waren Ulrike Friedrich, Traversflöte, Almut Nikolayczik, Barockvioline, Robert Nikolayczik, Barockvioloncello und Johannes Geffert, Cembalo. Foto: Werner Dreschers

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