VHS-Vortrag versucht Gerüchte und Tatsachen zur Rückkehr des Wolfes zu trennen
„Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“
Hans Troullier erklärte Details zu einzelnen Aspekten des vielfach mit Sorgen besetzten Themas
Wachtberg-Berkum. Mitte November erlebte man mit dem in der NABU aktiven Hans Troullier einen VHS-Vortrag über ein Thema, das nur selten in den Fokus der heutigen Gesellschaft rückt. Im Filmraum der Hans-Dietrich-Genscher-Schule in Berkum erklärte er sachlich die Aspekte der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. Tatsächlich gibt es viele Länder, in denen die Wölfe nie ganz verschwunden waren. Italien beispielsweise verfügt bereits seit Jahrhunderten dauerhaft über frei lebende Wolfsrudel, wenn auch zeitweise in geringer Population. Mittlerweile ist eine stetige Ausbreitung in die Alpenregionen zu beobachten. In einigen anderen Ländern, wie Belgien und in den Niederlanden, spielt der vierbeinige Gefährte so gut wie keine Rolle. In der dritten Kategorie findet man die Länder, in denen der Wolf lange als ausgerottet galt, nun aber wieder beobachtet wird. Die neuerliche Anwesenheit der Wölfe wird von vielen Menschen sorgenvoll beäugt. Wanderwölfe, wie sie bisher in NRW festgestellt wurden, werden naturgemäß so lange nicht sesshaft, wie sie sich nicht reproduzieren können. Trifft jedoch ein Wanderwolf im Laufe seiner Wanderschaft auf ein passendes Weibchen, so wird er ein Rudel gründen und sich ein passendes Revier suchen.
Detaillierte Schadensstatistik
Laut Hans Troullier spielen Schäden durch den Wolf in Deutschland keine maßgebliche Rolle. Dem widerspricht ein Besucher während der Veranstaltung: Gerd Dumke, der zweite Vorsitzende des Fördervereins der deutschen Schafhaltung, zitiert Rissstatistiken aus Sachsen, in denen es deutliche Verluste unter den Tierhaltern insbesondere bei Schafen beklagen gibt. Tatsächlich findet man im Internet unter www.wolf-sachsen.de/de/schadensstatistik detaillierte Angaben zu Rissen durch Wölfe, deren Datenanalyse jedoch den Rahmen des Vortrags gesprengt hätte. Allerdings lässt sich allein durch die Betrachtung der dort zu findenden Diagramme schnell feststellen, dass sich die Anzahl der durch Wölfe verursachten Übergriffe auf Nutztiere trotz sprunghaften Anstiegs der Wolfsreviere seit über zehn Jahren nicht weiter erhöht hat.
Wölfe sind jahrhundertelang im mitteleuropäischen Raum keine Seltenheit gewesen. Erst als der Mensch anfing Nutztiere zu halten, wurde dies zum Problem. Denn wenn der Wolf Hunger hat, unterscheidet er nicht zwischen wildem Tier und für den Menschen wichtigem Nutztier. Somit wurde der Wolf für den Menschen zum Nahrungskonkurrenten, der stark bejagt wurde. Das ohnehin nicht mehr hohe Ansehen der Spezies besserte sich nicht durch die Manifestierung des „bösen Wolfs“ in der Literatur. Schließlich wurde das Tier in Deutschland so gut wie ausgerottet.
Rein äußerlich ist der Vierbeiner kaum von einem Deutschen Schäferhund zu unterscheiden, was die Unsicherheit in der Bevölkerung nährt. Allerdings erkenne man den wild lebenden Gesellen an seinem deutlich buschigeren Schweif und den kürzeren Ohren, erklärte Hans Troullier in seinem VHS-Vortrag. Die Sorge vor Übergriffen der Wölfe auf den Menschen teilen Naturschützer nicht. Bis zum Jahr 2000 habe es ein halbes Jahrhundert lang durchschnittlich etwas mehr als einen Angriff pro Jahr auf einen Menschen gegeben. Diese seien allerdings im Regelfall von kranken, meist tollwütigen Tieren ausgegangen. Ob und in wiefern der Wolf bei weiterer Vermehrung zur Gefahr für den Menschen wird, beobachten und diskutieren die zuständigen Stellen in Deutschland mit teils sehr kontroversen Standpunkten.
