Allgemeine Berichte | 25.03.2024

Vorkommnisse beim Spiel der Fußball-Bezirksliga Mitte zwischen dem TuS Mayen und dem SV Anadolu Spor Koblenz haben wohl ein Nachspiel

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“

Die Polizei hatte am vergangenen Sonntag im Nettetal einiges zu tun. Foto: SK

Mayen. Die schönste Nebensache der Welt? Mitnichten. Die Vorfälle beim Spiel der Fußball-Bezirksliga Mitte (die siebthöchste beziehungsweise vierttiefste Klasse in Deutschland, je nach Sicht des Betrachters) zwischen dem TuS Mayen und dem SV Anadolu Koblenz sorgten bereits während der gesamten Woche für erhitzte Diskussionen. Mehrere Beamte der Polizeiinspektion Mayen inklusive zweier Diensthundeführer mussten die Streithähne auf und neben dem Platz trennen. Vor allem nach dem Schlusspfiff der Partie, die (schiedlich, friedlich?) mit einem 2:2 (1:1)-Unentschieden endete. Nun fliegen die verbalen Giftpfeile durch die Gegend, beide Vereine beschuldigen sich in ausführlichen Stellungnahmen. Der Fußballverband Rheinland (FVR) hielt sich erwartungsgemäß bedeckt. „Der Vorgang ist dem FVR bekannt und wird zeitnah in der zuständigen Spruchkammer behandelt. Ein Termin dafür steht noch nicht fest“, erklärte Pressesprecher Frank Jellinek.

Der Vorstand des SV Anadolu Spor Koblenz lässt sich in seiner Stellungnahme folgendermaßen zitieren: „Wir weisen die Vorwürfe entschieden zurück. Mit Verwunderung haben wir das Statement des TuS Mayen gelesen. Es zeigt die Emotionen der Gastgeber auf dem Platz und in der Stellungnahme. Bis zur 37. Minute war es ein normales Bezirksligaspiel. Richtig ist, dass es nach dem Platzverweis hitziger wurde. Dennoch hatte das Schiedsrichtergespann das Spielgeschehen unter Kontrolle und brachte es aus unserer Sicht gut zu Ende.

Emotionen gehören zum Sport. Die provozierende Wortwahl vieler Spieler aus Mayen zeigt im Nachhinein, dass es vielleicht ein Matchplan der Sportlichen Leitung war. Der TuS-Spieler mit der Nummer 15, Kevin de Jesus Francis Cabello, ging nach dem Schlusspfiff zu unserem Spieler Derrick Miles und beleidigte ihn mit einigen englischen Schimpfwörtern. Anschließend packte er Miles am Hals, bevor unser Spieler Erik Hetko dazwischen ging, um die Situation zu schlichten. Danach schlug Cabello Hetko ins Gesicht, Hetko ging daraufhin zu Boden. Folglich kamen Anhänger beider Mannschaften dazu, wobei es allerdings nicht zu weiteren Handgreiflichkeiten kam, da unser Spieler Dieter Paucken die Situation deeskalierend beruhigte. Er begleitete ihn mithilfe unserer Vereinsfunktionäre in die Kabine, um weitere Vorfälle zu verhindern, obwohl einer unserer Spieler von ihm angegriffen wurde.

Diese Aktion wurde also von uns als Gastmannschaft ausgeführt, da sich keiner der zahlreichen Ordner des TuS Mayen, die an diesem Spieltag im Einsatz waren, darum gekümmert hat. Erst danach griffen die Einsatzkräfte der Polizei ein und sorgten dafür, dass alle Zuschauer die Spielstätte verlassen. Gern stellen wir das Video der Öffentlichkeit zur Verfügung, damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann. Daher sind wir erleichtert, dass die Polizei den Sachverhalt in Form einer Richtigstellung klarstellte und das Verfahren gegen Cabello eingeleitet hat.

Enttäuschend und verletzend ist, dass Vermutungen in den Raum gestellt werden, in denen kolportiert wird, dass mehrere Schiedsrichtergespanne es ablehnen, Spiele unseres Vereins zu pfeifen oder dass der TuS Mayen nicht der einzige Verein ist, der negative Erfahrungen mit uns hat. Wir können hier festhalten, dass wir am Wochenende negative Erfahrungen mit dem TuS Mayen als Gastgeber gesammelt haben.

Die Sätze zeigen sehr deutlich, dass ein Vorurteil gegen unseren Verein besteht, das ausgeräumt werden muss. Wir sind auch dafür, dass der Fußballverband Rheinland diesen Prozess aktiv begleiten muss. Dann möchten wir auch gern über die wiederkehrenden diskriminierenden Beschimpfungen von außen auf unsere Spieler, Trainer und Betreuer sprechen. Wir alle machen Fehler, aber wer im Glashaus sitzt, lieber Vorstand des TuS Mayen, sollte bitte nicht mit großen Steinen werfen.“

Es folgen die Verlautbarungen des TuS Mayen: „Das Spiel gegen den SV Anadolu Spor Koblenz war von negativen emotionalen Entgleisungen einiger Spieler, des Trainers und einem Teil der Gästezuschauer geprägt. Bereits vor dem Spiel wollten sich einige Zuschauer Zutritt zum Platz ohne Entrichtung des Eintrittsgeldes verschaffen. Diejenigen, die das verhindert haben, sahen sich schon unflätigen Äußerungen ausgesetzt. Während des Spiels war eine unfaire emotionale Spielweise eines Großteils der Spieler von Anadolu Spor Koblenz mehr als auffällig, die vom Schiedsrichtergespann noch vor der Pause durch die Hinausstellung eines Spielers und des Trainers geahndet werden musste. Unsere Spieler wurden nicht nur verbal provoziert, sondern sogar bespuckt und in ruhenden Situationen teils am Boden liegend von gegnerischen Spielern mit dem Ball beschossen. Eine dieser Situationen führte dann konsequenterweise zum Platzverweis des Spielers von Anadolu Spor Koblenz.

Drei unserer Spieler mussten im Spielverlauf den Platz verletzungsbedingt verlassen. Die aufgeheizte Stimmung auf dem Spielfeld wurde schnell durch einen Teil der Gästezuschauer aufgenommen und verstärkt, so dass sich der Vorstand des TuS Mayen während der Pause genötigt sah, die Polizei über eine drohende Eskalation auf dem Kunstrasenplatz zu informieren. Viele unserer Zuschauer (auch mit kleinen Kindern) und unser Trainerteam sahen sich im Spielverlauf massiven Einschüchterungen und Bedrohungen ausgesetzt und hatten teilweise auch Angst um ihre Unversehrtheit. Mit dem Eintreffen der Polizei war zunächst eine Beruhigung der Situation zu verspüren, was sich allerdings nach Spielende als Ruhe vor dem Sturm herauskristallisieren sollte. Ein Handgemenge zwischen einem unserer Spieler und Spielern der Gastmannschaft nahm eine Reihe von Zuschauern der Gäste zum Anlass, den Platz zu stürmen und Jagd auf den betroffenen Spieler unserer Mannschaft zu machen. Einer der Zuschauer bewaffnete sich mit einer Stange mit Fahne, die er aus der Verankerung der Mittellinie gerissen hatte. Diese Stange wurde in der Folge in Richtung der Spieler und Betreuer des TuS Mayen geworfen, verfehlte aber das Ziel. Nur dem Eingreifen der Polizei, der Platzordner und weniger Spieler von Heim- und Gastmannschaft (in erster Linie des Gästetorhüters) ist es zu verdanken, dass unser Spieler nicht dem „Mob“ zum Opfer gefallen ist. Derzeit wird durch die Polizei versucht, den genauen Geschehensablauf zu ermitteln, zu dem es konträre Aussagen gibt. Unser Spieler gibt dazu an, dass er nicht geschlagen habe, sondern sich einen gegnerischen Spieler, von dem er sich bedroht fühlte, mit einem Stoß vom Leib halten wollte.

An dieser Stelle möchten wir klarstellen, dass wir uns als weltoffener Verein verstehen, der jedwede Gewalt verurteilt. Und zwar völlig unabhängig davon, wer sie verübt. Dabei achten wir auch das Recht auf Selbstverteidigung. Wir sind leider nicht die Ersten, die in der laufenden Saison der Bezirksliga negative Erfahrungen mit Anadolu Spor Koblenz und deren Anhängern machen mussten. Es ist leider nicht auszuschließen, dass weitere Mannschaften diese Erfahrung noch machen müssen. Mindestens ein Verein sah sich bereits gezwungen, ein Security-Unternehmen für das Heimspiel gegen Anadolu Spor Koblenz zu engagieren. Wohl gemerkt für ein Spiel in der Bezirksliga. Daneben wird kolportiert, dass bereits mehre Schiedsrichtergespanne es ablehnen, Spiele von Anadolu Spor Koblenz zu pfeifen. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass ein sportlicher Wettkampf unter solchen Rahmenbedingungen nicht möglich ist. Unzumutbar ist es, unter solchen Bedingungen als ehrenamtlicher Ordner zu fungieren. Es wird höchste Zeit, dass die Verantwortlichen von Anadolu Spor Koblenz auf ihre Spieler, Trainer und die Fangemeinde mäßigend einwirken. Dieser Prozess muss unseres Erachtens zwingend vom Fußballverband begleitet werden. Abschließend bleibt festzuhalten, dass nicht alle Zuschauer und Spieler der Gastmannschaft das im Bericht beschriebene verabscheuungswürdige Verhalten an den Tag gelegt haben. Sie laufen allerdings leider Gefahr, mit den „Chaoten“ in einen Topf geworfen zu werden.“

Die Polizei hatte am vergangenen Sonntag im Nettetal einiges zu tun. Foto: SK

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