Russland war zu Gast in Selters
Whisky und Vodka im Stadthaus
Leo Schenk & Band und „BLOKADA“ begeisterten das Publikum des Forum Selters
Selters. Immer wieder erstaunlich, wie es dem „Forum Selters“ ein ums andere Mal gelingt, hochkarätige nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler in das Stadthaus von Selters zu locken. Und das bei freiem Eintritt, lediglich am Ende der Konzerte wird ein Hut durch die Reihen gereicht.
Wahrscheinlich liegt es an der familiären, ja fast intimen Atmosphäre im „Studio“ des Stadthauses. Wenn 100 Menschen sich im „Studio“ drängen, dann ist es schon sehr voll, dazu die wohl kleinste Bühne im Westerwald und eine sensationelle Akustik, da geht das Herz eines jeden Künstlers auf.
Nach Künstlern aus Norwegen, Schottland, Irland, Frankreich und Italien, wurden die Besucher im Stadthaus nun auf eine Reise in die schier unendlichen Weiten Russlands entführt. Angekündigt waren Leo Schenk & Band sowie die Rockgruppe „BLOKADA“, die mit zwei sehr unterschiedlichen Musikrichtungen zu gefallen wussten.
Stadtbürgermeister Rolf Jung erzählte bei seiner Begrüßung, dass er Leo Schenk per Zufall auf dem Weihnachtsmarkt in Selters getroffen habe, es zum Gespräch gekommen sei und dabei die Möglichkeit eines Konzertes besprochen wurde. Das Gespräch endete fruchtbar und so konnten Leo Schenk und seine Band für Selters gewonnen werden. Da Leo Schenk in Russland ein sehr bekannter Musiker ist, hatte er erst vor wenigen Tagen ein Konzert in St. Petersburg gegeben, deshalb wurde er zutreffend angekündigt: „Gestern noch in St. Petersburg, heute in Selters im Stadthaus.“ So geht Internationalität!
Angefeuert durch eine starke Deutsch-Russische Fangemeinde legten die Musiker um Leo los. Zunächst zu zweit, dann mit insgesamt fünf Musikern auf der Bühne, wurde jedes Lied frenetisch abgefeiert. Leo Schenk legt Wert auf die Erhaltung der musikalischen Tradition aus Russland, aus diesem Grund wurden anfangs typisch russische Volkslieder mit der Balalaika und der Garmoschka, einer russischen Ziehharmonika, gespielt, unter anderem durfte natürlich das berühmte „Kalinka“ nicht fehlen. Diese Art der Musik wird in Russland zu großen Anlässen gespielt, etwa einer Hochzeit, oder bei einem Dorffest, wie bei einer Kirmes. Als die Band dann „Viski stakanami zvenja“ anstimmte, staunten die meisten Zuhören im Saal: Das Lied kam ihnen irgendwie bekannt vor. Als der Refrain auf Russisch gesungen wurde, war klar, um welchen weltbekannten Song es sich handelte: „Whisky In The Jar“, vorher bereits interpretiert von „Thin Lizzy“, „Metallica“, „Smokie“ und „The Dubliners“. Spätestens zu diesem Zeitpunkt schwappte die Stimmung über, denn wie es sich für einen ordentlichen Deutsch-Russischen Abend gehört, konnten an der Bar verschiedene Wodka-Sorten geordert werden.
Nachdem Leo Schenk und seine Mannen vor der Pause umjubelt ihr letztes Lied zum Besten gaben, konnten die Besucher im „Offenen Treff“ im Erdgeschoss original russische Speisen verköstigen, nämlich die berühmte Borschtsch-Suppe und „Tapas“ mit russischem Kartoffelsalat, Oliven und weiteren Beilagen, sowie russischen Tee aus einem Samowar. Nach der Stärkung ging es wieder flugs ins „Studio“, denn dort wollte die Gruppe „BLOKADA“ die Zuhörer mit einer Mischung aus Rock- und Blues-Musik auf eine Reise durch Russland mitnehmen: Beginnend in Sibirien ging es über den Ural und den Kaukasus bis ans Schwarze Meer. Die Musiker gingen bei den Songs bis an ihre Leistungsfähigkeit, die Stimmbänder wurden bis kurz vor dem Zerreißen strapaziert, dabei die Saiten der Gitarren dermaßen „bearbeitet“, dass einem angst und bange werden konnte. Als die schweißtriefenden Musiker zum Ende des Konzertes den „Milch-Blues“ anstimmten, kannte der Jubel keine Grenzen. Paul von „BLOKADA“ erklärte den Inhalt des Liedes „Wenn kein Wodka mehr reingeht, dann kann man nur noch einen Schluck Milch zu sich nehmen.“ Damit sprach Paul dem überwiegenden Teil der Besucher aus der Seele. Nach dem „Milch-Blues“ ertönten laute Rufe. „Ischör as, ischör as, ischör as“. Auf Nachfrage wurde die Bedeutung klar: „Noch einmal, noch einmal“, oder, „Zugabe, Zugabe“. Diesem Wunsch kamen alle Musiker nach, die sich dann zuletzt zusammen auf der Bühne trafen und zwei Zugaben improvisierten.
Wenn die Deutsch-Russischen diplomatischen Beziehungen so gut verlaufen, wie dieser Abend, dann bräuchte man keine Angst um Krisen zwischen Ost und West zu haben, das beste Mittel ist immer noch die Völkerverständigung.
Volker Hummerich schenkte Tee aus dem Samowar aus.
Das fleißige Küchen- und Helferteam sorgte für einen runden Abend.
Bürgermeister Rolf Jung (3. v. r.) freut sich, dass die Musiker seiner Einladunggefolgt sind.
„BLOKADA“ gaben auf der Bühne alles.
