Projekt des Wilhelm-Remy-Gymnasiums
Wie barrierefrei ist Bendorf?
Bendorf. Zwei achte Klassen des Wilhelm-Remy-Gymnasiums testeten unter Anleitung des schulischen Physiotherapeuten Fabian Steiger die Stadt Bendorf auf ihre Barrierefreiheit. Dafür benutzten sie die schuleigenen Rollstühle und stellten sich den Herausforderungen und Aufgaben, denen Rollstuhlfahrer alltäglich begegnen. Nach einer kurzen theoretischen Einführung durch Herrn Steiger, sowie zwei Schüler mit körperlicher Beeinträchtigung ging es nach draußen. Dafür wurden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt, um möglichst vielfältige Erfahrungen sammeln zu können. Sie fanden Antworten auf folgende Fragen: Sind die Geschäfte in Bendorf ebenerdig und die Türen breit genug, um mit dem Rollstuhl hineinzufahren, oder gibt es Rampen? Was mache ich, wenn ich in einem Restaurant mit dem Rollstuhl auf Toilette muss? Gibt es genügend Möglichkeiten, die Straßen zu überqueren, ohne sich dabei einer Gefahr auszusetzen zu müssen? Wie ist es um die Barrierefreiheit des Rathauses bestellt? Sind Bordsteine und kleine Stufen mit dem Rollstuhl überwindbar?
Das Ergebnis
Insgesamt überwogen die positiven Erfahrungen, jedoch trafen die Schülerinnen und Schüler auch auf unüberwindbare Barrieren. So bleibt zum Beispiel der Zugang zur Stadtbibliothek und somit auch zu Räumlichkeiten der VHS Rollstuhlfahrern verwehrt. Auch die Situation am Rathaus und der Stadtverwaltung ist problematisch. Zwar verfügt eines der Gebäude über einen Aufzug, allerdings ist die Nutzung sehr umständlich. Somit dürften auch Menschen mit Rollator oder Kinderwagen Schwierigkeiten haben, die vielen Stufen zu überwinden. Eine besondere Herausforderung ist es, in Bendorf eine barrierefreie Toilette zu finden, vor allem weil es keine öffentliche Toilette im Stadtzentrum gibt. Trotz dieser Probleme trafen die Schülerinnen und Schüler auf Verständnis für ihr Anliegen, und oftmals boten Passanten spontan ihre Hilfe an. Das Bewusstsein für die Situation und die Probleme zu schärfen, mit denen sich Rollstuhlfahrer in ihrem täglichen Leben auseinandersetzen müssen, war ein zentrales Anliegen. Und zumindest bei einigen Ladeninhabern erreichten die Schülerinnen und Schüler, sich über die Anschaffung einer Rampe Gedanken zu machen.
Nach dem Praxistest wurden die Erfahrungen gemeinsam im Klassenzimmer reflektiert und Erlebnisse untereinander ausgetauscht. Insgesamt konnten beide Klassen ein positives Fazit ziehen, auch wenn Bendorf noch viel tun kann, um bestehende Barrieren abzubauen. Für die Schülerinnen und Schüler war dieses Projekt sehr gewinnbringend, da es ihre Sozialkompetenz schulte. „Durch den Perspektivwechsel mit körperlich Beeinträchtigten, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wurde die Empathiefähigkeit der Schülerinnen und Schülern gefordert und gefördert“, resümierte Fabian Steiger und betonte: „Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäfte, des Rathauses und der Arztpraxen, die uns bereitwillig Auskunft gegeben und so dieses großartige Projekt mit ermöglicht haben.“
Schüler im Rollstuhl vor der Volkshochschule in Bendorf.