In der Reihe „Tierisch herzlich“ stellt BLICK aktuell die Arbeit engagierter Tierschützer vor
Wie finanziert sich moderner Tierschutz?
Das Tierheim Andernach setzt alles daran, den Tieren der Region zu helfen ein liebevolles Zuhause zu finden
BLICK aktuell: Was ist Ihre Aufgabe im Bereich des Tierschutzes?
Dr. Monika Hildebrand: Der Tierschutzverein Andernach u. U. e. V. ist für die Aufnahme von Fundtieren und Abgabetieren aus den Bereichen der Stadt Andernach sowie der Verbandsgemeinde Weißenthurm und der Verbandsgemeinde Pellenz zuständig. Außerdem werden wir vom zuständigen Veterinäramt immer wieder gebeten beschlagnahmte Tiere aufzunehmen.
BLICK aktuell: Wann hat sich Ihre Initiative gegründet? Was war der Funke, der zur Gründung führte?
Dr. Monika Hildebrand: Der Tierschutzverein wurde im Jahre 1960 gegründet und feierte im letzten Jahr – coronabedingt in kleinem Rahmen – sein 60-jähriges Bestehen. Die Aufgabe war und ist es, neben den Aufgaben des praktischen Tierschutzes (s. o.), den Tierschutz in der Öffentlichkeit immer wieder zu thematisieren und gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Politik für die Umsetzung eines modernen Tierschutzes zu sorgen.
BLICK aktuell: Wie groß ist Ihr Team mittlerweile? Haben alle Helfer*innen feste Aufgaben, oder tut einfach jede*r das, was gerade anfällt?
Dr. Monika Hildebrand: Der TSV Andernach e.V. beschäftigt im Tierheim Andernach drei Vollzeitangestellte, zwei Auszubildende und fünf Teilzeitkräfte sowie einen Bundesfreiwilligendienstleistenden. Deren Aufgaben sind innerhalb des Teams durch die Tierheimleiterin und den Vorstand des Vereins fest geregelt.
BLICK aktuell: Womit verbringt das Team die meiste Zeit?
Dr. Monika Hildebrand: Mit der Reinigung und Pflege der Tierunterkünfte; der Futterzubereitung (für unterschiedliche Tierarten: z. B. Kaninchen, Katzen, Hunde sowie Zubereitung von Spezialfutter u. a. für kranke Tiere); Medikamentengabe und medizinischer Aufgaben (u. a. Verbandwechsel, Salbenauftrag) nach tierärztlicher Verordnung, Fahrten zur Tierklinik; Training von Tieren (u. a. Maulkorbtraining, Leinenführigkeit), Spielstunden (u. a. im Sommer Nutzung des Schwimmteiches) und vieles mehr. Außerdem sind alle Aufgaben rund um die Vermittlung der Tiere zu leisten (u. a. Beratung der Interessenten, Pflege von Facebookseite und Homepage); Organisatorische Aufgaben (u. a. Futter- und Medikamentenbestellung, Waschen von Decken, Telefondienst).
BLICK aktuell: Haben Sie auch Unterstützer*innen, die sich regelmäßig einbringen, aber nicht zum festen Team gehören?
Dr. Monika Hildebrand: Ja, da sind zum Beispiel Gassigänger für die Hunde, Katzenschmuser und Menschen, die uns bei organisatorischen Aufgaben helfen. Desweiteren sind bei den drei Festen im Jahr – Frühlingsbasar, Sommerfest, Adventsbasar – bis zu 50 Helferinnen und Helfer im Einsatz. (z. B. Aufbau der Zelte, Lautsprecheranlage, Tische, Bänke; Betreuung der Stände: Kuchentheke, Bierzelt, Tombola, Geschirrmobil, Reibekuchen backen, Betreuung Kinderspaß, Flohmarkt) – das entfiel jedoch 2020.
BLICK aktuell: In welchen Bereichen würden Sie sich mehr Unterstützung wünschen?
Dr. Monika Hildebrand: Wir benötigen vor allem im Sommer Hilfe bei der Pflege der Außenanlagen. Es wäre schön, wenn sich auf diesem Wege Menschen finden, die uns rund ums Tierheim unterstützen würden.
BLICK aktuell: Die finanzielle Ausstattung vieler Initiativen zum Tierschutz reicht nicht aus, um alle Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Wie sieht das bei Ihnen aus? Wo fehlt das Geld?
Dr. Monika Hildebrand: Der TSV finanziert sich durch die Zuwendungen der Stadt Andernach und der beiden Verbandsgemeinden für die Fundtiere. Diese Zuwendungen decken nur einen Bruchteil der Ausgaben. Die Mitgliederbeiträge sind nur zum Teil kostendeckend. Der Verein hat sehr geringe Mitgliedsbeiträge. Die Mitgliedschaft und das damit verbundene Engagement für den Tierschutz dürfen nicht an der Höhe des jährlichen Beitrags scheitern. Der Jahresbeitrag ist auf 35 Euro festgesetzt. Natürlich gibt es eine Ermäßigung u. a. für Familien, Schüler, Auszubildende und Rentner. Ergänzend kommen als Einnahmen noch die Abgabegebühren für die vermittelten Tiere hinzu. Jedoch sind hier die Kosten, die für die Unterbringung eines Tieres anfallen (Tierarzt, Futter, Heizkosten und Personalkosten) meist höher als die Einnahmen durch die Vermittlung.
Wir sind daher immer auf Spenden angewiesen, sowohl um die laufenden Kosten zu decken, als auch um unerwartete Ausgaben wie z. B. eine notwendige Operation bei einem Tier oder den Ersatz eines Gerätes (z. B. Industriewaschmaschine oder Kopierer) usw. bezahlen zu können.
Es wird oft übersehen, dass das Tierheim 365 Tage im vollen Betrieb laufen muss, um seine Bewohner bestmöglich zu versorgen – ob am Wochenende oder am Feiertag.
BLICK aktuell: Jetzt im Frühjahr werden wieder viele Tierbabys zur Welt kommen, die unter anderem dank Ihnen hoffentlich bald ein Zuhause finden. Diese Tiere werden meist gegen eine sogenannte Schutzgebühr vermittelt. Was hat es damit auf sich und wieso ist diese Gebühr wichtig?
Dr. Monika Hildebrand: Tiere werden vom TSV gegen eine Gebühr abgegeben. Wie oben erwähnt, sind die Ausgaben für das Tier teilweise höher als die Einnahmen. Die Abgabegebühren dienen (mit den oben erwähnten weiteren Einnahmen) dazu, die Kosten für den Betrieb eines Tierheims insgesamt zu stützen.
BLICK aktuell: Woher stammen die meisten Tierbabys, die Sie vermitteln?
Dr. Monika Hildebrand: Katzenwelpen stammen meist von verlassenen und verwilderten Hauskatzen. Diese werden entweder ins Tierheim gebracht oder in gut organisierten Aktionen gefangen, um dem Katzenelend entgegenzuwirken. Eine Katzenschutzverordnung wäre sehr hilfreich. Auch Muttertiere aus Beschlagnahmungen des Veterinäramtes haben bei uns ein Zuhause gefunden, indem sie in Ruhe bei bester Betreuung während und nach der Geburt ihre Welpen großziehen dürfen.
BLICK aktuell: Bevor die Tiere in ihr neues Zuhause einziehen können, gibt es einiges zu tun. Wie bereiten Sie die Tiere und ihre neuen Besitzer darauf vor?
Dr. Monika Hildebrand: Bevor wir ein Tier in ein neues Zuhause vermitteln, gibt es eine längere Kennenlernphase. Die Interessenten besuchen das Tier mehrmals im Tierheim. Bei Hunden gibt es dann einen sogenannten Probetag, bei dem das Tier seine neue Umgebung kennenlernen kann. Anschließend findet bei allen Tieren eine Vorkontrolle statt, bei der die Mitarbeiterinnen die neue Umgebung in Augenschein nehmen. Erst danach kann das Tier in sein neues Zuhause umziehen.
BLICK aktuell: Nicht alle Tiere finden zeitnah ein neues Zuhause. Welche Tiere sind derzeit besonders beliebt und welche bleiben auch mal länger als einige Wochen bei Ihnen?
Dr. Monika Hildebrand: Wir haben im Tierheim immer Hunde, die sich aufgrund falscher Behandlung durch ihre Vorbesitzer zu Problemhunden entwickelt haben. Diese müsse erst resozialisiert werden und es dauert manchmal Jahre (nicht Wochen!), bis wir für diese Hunde passende Interessenten gefunden haben.
BLICK aktuell: Abschließend möchte ich Sie einladen, einen Wunsch an unsere Leserschaft zu äußern. Was wünschen Sie sich von den Menschen?
Dr. Monika Hildebrand: Wir wünschen uns, dass die Menschen gründlich darüber nachdenken, bevor sie sich ein Tier anschaffen. Wir wünschen uns, dass die Menschen neben der Betrachtung ihrer finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten auch genau hinschauen, woher sie ein Tier bekommen. Onlineverkäufe, Hunde, die von z. T. dubiosen „Vereinen“ oder „Initiativen“ aus dem Ausland importiert werden und aus dem Transportauto heraus vermittelt werden sind keine Option, um eine gute Partnerschaft mit einem Tier einzugehen. Ein Kauf bei diesen skrupellosen Tiervermehrern, die ihre Muttertiere in dunklen Kellerverschlägen als Brutmaschinen nutzen, führt bei diesen Menschen nur dazu, weiterhin mit Tierquälerei maximalen Gewinn zu machen.
BLICK aktuell: Das sollten wir alle gemeinsam vermeiden – wir hoffen, dass Ihr Appell erhört wird. Vielen Dank für das Gespräch und vor allem für Ihr unermüdliches Engagement zum Wohl aller Tiere. Danke!
-MX-
Jackman hat gelernt,Vertrauen zu fassen
Einer unserer Langzeitbewohner ist der Rüde Jackman, ein Schäferhund-Cattle Dog Mix. Er ist 11 Jahre alt. Wenn man sieht, wie er spielt, sich im Gras wälzt und vor Freude springt, wenn es Gassi geht, dann erinnert nichts mehr an das verängstigte Bündel Hund, das sich fast drei Wochen aus Angst vor fremden Menschen im Zwinger verkrochen hat. Er war voller Angst, als er zu uns kam, und aus dieser Angst heraus hat er auch seine Vorbesitzer gebissen. Jackman hat im Tierheim gelernt, Vertrauen zu fassen, mittlerweile können einige Menschen mit ihm Gassi gehen. Er kann inzwischen auch gut in einer Hundegruppe gehen. Wir suchen für Jackman eine hundeerfahrene Familie ohne Kinder. Schäferundtypisch ist Jackman sehr wachsam. Er kann problemlos alleine Zuhause bleiben und fährt sehr gerne im Auto mit.
Info: www.tierheim-andernach.de Spenden: KSK Mayen IBAN DE97 5765 0010 0020 0054 43
Der aufmerksame Jackman hatte große Angst, als er ins Tierheim kam. Heute kann er Menschen wieder besser vertrauen.

Die Frage alleine: "Moderner Tierschutz" ist überflüssig.
TIERSCHUTZ, dieses Wort dürfte doch genügen, um jedem bewusst zu sein, dass es hier nicht um ein neuzeitliches Klischee geht sondern um etwas, was diejenigen seit JAHRZEHNTEN beschäftigt, aufreibt, die sich dafür einsetzen, von der POLITIK im Stich gelassen, tagtäglich um ihr Existenzminimum kämpfen (müssen).
Politisch - Wen interessiert es? "KEINEN".
Alleine die Frage, wie sich moderner Tierschutz finanziert, ist so abgehoben, dass mir die Worte fehlen.
WER kommt auf eine so dämliche Frage?
Alleine die Frage "modern" in den Raum zu stellen, entbehrt jeder Grundlage.
Wer sich für Tierschutz engagiert, der fragt nicht nach modern oder alt - alleine das ist idiotisch.
TIERSCHUTZ finanziert sich immer noch ohne die POLITIK, aus TIERLIEBE, Eigeninitiative, Enthusiasmus, Selbstopferung etc. Der Einsicht, wenn nicht, geht etwas verloren, was dem MENSCHEN schon lange abgeht - Nächstenliebe, das Interesse für etwas, was 4 Beine hat.