Integrationsprojekt der Jugendkunstwerkstatt (JuKuWe) Koblenz
„Wie soll meine Zukunft aussehen?“
Koblenz. „Wie soll meine Zukunft aussehen?“ lautete das Thema eines von der Jugendkunstwerkstatt (JuKuWe) Koblenz initiierten Integrationsprojekts, an dem insgesamt 67 Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft in den Räumen der JuKuWe teilnahmen. Die Aufgabenstellung lautete, mit den Mitteln der Kunst die Vorstellungen von der Zukunft im Allgemeinen und der persönlichen Zukunft darzustellen. Malend und bastelnd hatten sich die Schüler eines Deutschkurses der Koblenzer „ISL Sprachschule“ sowie Schüler der Klassen 6 und 9 der „Goethe-Realschule plus“ drei bzw. vier Tage lang ans Werk gemacht.
Für Elena Loersch war es „ihr“ Projekt. Es war das Erste, das die Zwanzigjährige im Rahmen ihres im Bereich Kultur angesiedelten und in der JuKuWe geleisteten Bundesfreiwilligen-Dienstes umsetzte. Unmengen an Herzblut und Zeit investierte sie in die Planung und Organisation. Auch die Künstler, die den Teilnehmern während des Kreativ-Kurses anleitend und beratend zur Seite standen, hatte sie ins Boot geholt. Die Projekt-Ergebnisse wurden eine Woche lang im Rahmen einer Ausstellung im Haus Metternich der Öffentlichkeit präsentiert.
Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein, die als Jugenddezernentin der Stadt die Ausstellung zusammen mit JuKuWe-Geschäftsführer Christof Nießen eröffnete, nahm in ihren Begrüßungsworten Bezug auf die „Shell“-Jugendstudie, die die Sichtweisen, Stimmungen und Erwartungen der in Deutschland lebenden jungen Erwachsenen dokumentiert. Sie zeigte auf, dass die allermeisten ein solides Wertesystem haben, in dem Familie, Freunde und Partnerschaft eine wichtige Rolle spielen. Besonders freue es sie, dass es offenbar sehr viele Jugendliche für wichtig erachten, „die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und zu respektieren“. Das von vielen Nationen gemeinsam umgesetzte JuKuWe-Projekt „Zukunftsbilder“ konnte das unterstreichen. Junge Menschen aus Deutschland, Syrien, Eritrea, der Ukraine und anderen Ländern taten sich zusammen und lernten im Gedankenaustausch die Sichtweisen des jeweils anderen kennen. Hammes-Rosenstein versprach, die Stadt Koblenz werde daran arbeiten, die Rahmenbedingungen zu setzen, damit möglichst viele der ausgestellten Zukunftsbilder in Erfüllung gehen können. Die oft sehr persönlichen Bilder gaben vielfach Einblicke in eine von Leid und Flucht geprägte Vergangenheit und die Probleme, die sich in dem neuen, noch fremden Land ergeben.
Symbole und Worte zum Thema Krieg und Frieden
Zu sehen waren Symbole und Worte, die sich mit den Themen Krieg und Frieden beschäftigen. Daneben fanden sich eher banale Wünsche wie, die deutsche Sprache besser zu beherrschen, Nichtraucher zu werden oder ein Fußballspiel live zu sehen. Um das Private der Wünsche zu schützen, so Nießen, habe sich die Gruppe der Sprachschüler entschlossen, ihre große Gestaltungsebene von sichtschützenden Pappwänden zu umgeben. Mit Hilfe von teleskopähnlichen, mit „Steckbriefen“ der Mitwirkenden beklebten Papprollen ließ sich jedoch durch Gucklöcher hineinschauen in die aus Bildern und Worten geschaffene Welt der Visionen. Von außen waren lediglich Schriftzüge zu sehen. Jeder einzelne zeigte das Wort „Zukunftsbilder“ - in den verschiedenen Sprachen der Projektteilnehmer, wie die Koblenzer Künstlerin Anja Bogott erklärte. Sie musste es ja wissen, schließlich war sie die Mentorin dieser Kunst-Gruppe, die in einer zweiten Arbeit eine Art Wunsch-Mobile geschaffen hatte. Die an Schnüren von der Decke herabhängenden Bilder und bemalten und beklebten Papprollen zeigten die persönlichen Zukunftsbilder aus einer neuen Perspektive. Auch der aus Syrien nach Koblenz gekommene Amjad Masbaha beteiligte sich als Künstler an dem Projekt. Nachdem er, wie er sagte, in Syrien schon Buchhaltung studiert hat, möchte er, sobald seine Sprachkenntnisse noch besser sind, das Studium in Deutschland zu einem hier anerkannten Abschluss bringen. Wie es danach weitergehen könnte, zeigte er in seinen Kunst-Beiträgen. Einen Doktorhut zeichnete er als Symbol für das abgeschlossene Studium. Darüber hinaus träumt er offensichtlich vom Besuch der Familie, vom Reisen und von einem Auto. Seine Zukunftsvisionen unterscheiden sich also nicht viel von denen der Menschen, die in Deutschland geboren sind.
Doch nicht alle Bilder sprachen eine so deutliche Sprache. Bei den Arbeiten der Schüler der neunten Klasse der Realschule zum Beispiel wurde Phantasie gefordert, wollte der Betrachter die sich dahinter verbergenden Visionen entschlüsseln. Mit Unterstützung der Keramikkünstler Alaa Aldin Nabhan und Walerija Peter hatte die Gruppe kleine Skizzen auf eine Leinwand übertragen und dekorative Kunstwerke aus sandgefüllten, dreidimensionalen Plexiglas-Rahmen geschaffen.
Die jüngsten Teilnehmer präsentierten eine Science Fiction- Kostüm-Modenschau
Der obere Stock der Ausstellung war den Werken der 23 Schüler der sechsten Klasse vorbehalten. Die Grafikdesignerin Erika Heiligendorff und Alaa Aldin Nabhan ließen die (Flüchtlings-)Kinder sich ausprobieren. Zeichnungen, Gemälde oder Collagen standen gebastelten, futuristisch anmutenden Objekten gegenüber. Mit viel Phantasie waren so aus verschiedenartigsten Materialien Roboter, Leuchtobjekte oder ein fliegender Zug geschaffen worden. Zur Vernissage präsentierten die jüngsten Teilnehmer eine kleine Science Fiction-Kostüm-Modenschau und reichten sehr reale, bunte und süße Leckereien herum. BSB
Mit Sand gefüllte Plexiglasrahmen und Skizzen als Wandbilder hatte die Klasse 9 der Goethe-Realschule plus geschaffen.
Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein eröffnete die Ausstellung zusammen mit JuKuWe-Geschäftsführer Christof Nießen.
Auch ISL-Sprachschullehrer Mark Borger warf einen Blick auf die hinter der Wand verborgenen Zukunftsbilder der Schüler.
