Erinnerung an einen von den Nazis verfolgten Priester
Wilhelm Caroli verhungerte 1942 im KZ Dachau
Kottenheim.Wilhelm Caroli, am 7.4.1895 im Saarland geboren, fühlte sich, wie zwei seiner Brüder, zum Priester berufen. Obwohl er in Trier studierte, wollte man ihn im Bistum nicht als Priester einsetzen, sondern empfahl ihn in die Diözese Speyer, wo er in Rheingönheim das Pfarramt übernahm. Alsbald geriet er mit seinen Predigten in der Kirche und Aussagen zum Regime im „Ludwigshafener Kirchenblatt“ in den Blickpunkt der örtlichen Nationalsozialisten. Auf deren Drängen entließ der Speyerer Bischof W. Caroli in den Ruhestand, wogegen er sich bis nach Rom erfolglos wehrte. Da ihm ein Aufenthaltsverbot für die gesamte Pfalz und das Saarland auferlegt wurde, zog es Caroli in die vordere Eifel; in der Hausener Straße in Kottenheim baute er mit seiner Haushälterin ein Haus. Der Kottenheimer Pastor Kops ließ wohl aus Sorge um eventuelle Repressalien durch die Nazis Caroli in der Kirche keine Messe halten; diese las er im nahen Klösterchen der Vinzentinerinnen. Mit seinem Umzug in unsere Region stand er jedoch weiterhin unter strenger Beobachtung der Gestapo, so auch, wenn er in den Pfarreien Kürrenberg und Kell, in denen seine Brüder August und Adolf Priester waren, aushilfsweise eine Messe hielt. Als sein Bruder Eberhard, der epileptische Anfälle bekam, von Andernach nach Hadamar „verlegt“ und dort von den Nazis umgebracht wurde, predigte W. Caroli In Kell über die Verbrechen gegen „unwertes Leben“ nach den Vorstellungen der Nazis. Umgehend wurde er verhaftet, von der Gestapo Koblenz tagelang verhört und letztlich in das KZ Dachau eingeliefert; hier starb er am 23.8.1942, man hatte ihn verhungern lassen.
Über das Leben und die Verfolgung von Wilhelm Caroli ist schon viel recherchiert und publiziert worden, so z. B. in den Heimatbüchern Mayen-Koblenz 1992 und 1998; die Artikel sind unter www.dilibri.de einsehbar. Auch heute – nach 80 Jahren – ist Caroli in Kottenheim nicht vergessen. Die Ortsgemeinde hat ihm in der Gedächtniskapelle eine Gedenkplatte – siehe Bild - gewidmet. Monatlich einmal wird in der Pfarrkirche in einer Stiftsmesse an den einst wortstarken, widerständigen Priester erinnert. Sein Schicksal und das vieler unzähliger Opfer in der Zeit zwischen 1933-45 sollte uns nicht unberührt lassen.
Franz G. Bell
Gedenktafel in der Gedächtniskapelle. Foto: F. G. Bell
