Linzer sammelten Unterschriften für den zugesagten barrierefreien Ausbau ihres Bahnhofs
„Wir lassen uns nicht länger behindern - Bahnhofsumbau jetzt!“
Linz. Die Bürger der Bunten Stadt am Rhein, nicht zuletzt die Mitglieder des seit langem in der Stadt Linz um Barrierefreiheit bemühten Seniorenbeirates, sind stinksauer. Trotz der 2013 per Vertrag erfolgten Zusage, dass der Linzer Bahnhof zeitnah barrierefrei ausgebaut wird, hatte das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr Rheinland-Pfalz diese Zusage im Vorjahr auf völlig unbestimmte Zeit vertagt. Mit Unterstützung des VdK hatten Stadt und VG gemeinsam mit dem Seniorenbeirat deshalb die Initiative „Wir lassen uns nicht länger behindern“ ins Leben gerufen, um über die Missstände am Bahnhof Linz zu informieren, durch die viele Bürger die Angebote der Deutschen Bahn nicht nutzen können. Gegen diese Ausgrenzung setzt sich die Initiative mit der Forderung „Bahnhofsumbau jetzt - Region Linz ist am Zug“ massiv zur Wehr. So auch Anfang voriger Woche mit einer Unterschriftenaktion rund um die große Plakatwand, die Wolfgang Walter, der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirates, unmittelbar neben den fünf Stufen aufgebaut hatte, die im Süden des Linzer Bahnhofsgebäudes zum Gleis 1 führen. Auf dieser ist auf einer Seite eine junge Mutter mit Kinderwagen, auf der anderen der Linzer Heinz Paffhausen zu sehen, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist.
„Wir sammeln Unterschriften, um Mainz eventuell doch noch zum Einlenken zu veranlassen, so Waltraud Schmaus, die Kümmerin der VG. Zusammen mit ihrem Mann Josef und Maximilian Rodenwald von der Offenen Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung, die seit vorigen Monat in der Mühlengasse beheimatet ist, unterstützte sie Wolfgang Walter tatkräftig bei der Aktion. Diese sei notwendig, weil das Schreiben von VG-Chef Hans Günter Fischer und Stadtbürgermeister Hans Georg Faust an Ministerpräsidentin Malu Dreyer bislang leider noch keine Wirkung gezeigt habe. In dem hatten die Kommunalpolitiker die Landesmutter gebeten, die vom Ministerium für Verkehr errichteten Barrieren gegen „Menschen mit Behinderung und anderen Beeinträchtigungen beim Bewegen“ aus dem Weg zu räumen.
Wenn hier nichts passiert, kann unser Mitbürger Heinz Paffhausen weiter die Bahn nicht benutzen. Treppen bilden für ihn als Rollstuhlfahrer, aber auch für Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit schwerem Gepäck unüberwindbare Barrieren, um zu den Gleisen 2 und 3 und damit zu Zügen Richtung Norden zu gelangen“, erklärte Wolfgang Walter. Auch der nicht annehmbare Vorschlag von Staatssekretär Andy Becht (FDP) vom Innenministerium, für eine Fahrt nach Köln den 22 Kilometer weiten Umweg nach Neuwied von Gleis 1 aus in Kauf zu nehmen, was neben dem Zeitverlust auch höhere Fahrtkosten bedeuten würde, käme nicht zum Tragen. Zwar kann man das Gleis 1 über eine weiter im Süden des Geländes gelegene Rampe erreichen, in die Züge einsteigen können Behinderte aber nicht, weil der Bahnsteig hinsichtlich der hohen Einstiegsmöglichkeiten der Züge viel zu tief liegt. „Damit bedeutet dieses Verschieben des barrierefreien Bahnhof-Ausbaus auf den Sankt Nimmerleinstag, dass etliche Mitbürger lange Zeit von der Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr ausgegrenzt bleiben“, beklagte der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats.
DL
Lange um eine Unterschrift bitten ließen noch Passanten nicht angesichts der berechtigten Kritik an der Mainzer Entscheidung.
