Allgemeine Berichte | 29.10.2019

21. Künnisfelder Mundart-Ovend

Wo Humor und Dialekt sich treffen

Tolle Vorträge im vollbesetzten Bürgerhaus – Gäste aus anderen Regionen sorgten für sprachliche „Farbtupfer“

Die erfolgreichen Teilnehmer und Organisatoren des „21. Künnisfelder Mundart-Ovends“. Fotos: WK

Königsfeld. Der „Künnisfelder Mundart-Ovend“ hat sich seit seiner ersten Durchführung im Jahre 1999 zu einem wahren Dauerbrenner und Geheimtipp unter den Mundartfreunden entwickelt. Am Freitag, 25. Oktober, fand er bereits zum 21. Mal statt. Die Verbandsgemeinde Brohltal als Veranstalter durfte sich über ein vollbesetztes Bürgerhaus in Königsfeld freuen. Die Veranstaltung hat sich über die Jahre zu einem absoluten „Muss“ für die Freunde der heimischen Mundart entwickelt und steht bei diesen als ein Highlight im Jahreskalender.

Der Königsfelder Ortsbürgermeister Werner Breuer begrüßte die Gäste mit den Worten: „Schön, dat et widde su voll es!“ Er stellte fest, dass auch nach 20 Jahren das Interesse an der Mundart nicht nachgelassen habe und es auch den Akteuren selbst immer wieder gut gefalle.

Mit Dialekt ein Stück Heimat festigen

In dem bis auf den letzten Platz gefüllten Bürgerhaus in Königsfeld freute sich auch Bürgermeister Johannes Bell auf die diesjährige Ausgabe des Mundartabends und hieß seinerseits die Gäste herzlich und humorvoll willkommen. Er hob die Bedeutung der Pflege der Tradition und der heimischen Sprache hervor und war gespannt auf die neuen Vorträge. Den Dialekt zu erhalten und damit ein Stück Heimat zu festigen sei eine der Aufgaben von Generationen. Bevor er allen Teilnehmern und Gästen einen unterhaltsamen Abend wünschte, erinnerte er an die „Urheber“ des Künnisfelder Mundartabends, Karl-Heinz Kurth und Kirsten Zipp, denen er für die Idee besonders dankte.

Die Moderation des Abends übernahm dann Karl-Heinz Kurth, der in seiner ihm eigenen Art durch das Programm führte und den Besuchern insgesamt elf Vorträge und drei Liedbeiträge ankündigen konnte.

Saarländisch und Plattdeutsch gingen eine Liaison ein

Bevor er selbst mit dem „Schreinepitte von Simmech“ seine eigenen Vorfahren und deren Geschichte vorstellte, eröffneten Helmar Hoffmann und Brigitte Frahn mit ihrem spontanen Liedbeitrag und der Vereinigung des saarländischen Dialekts mit der norddeutschen Mundart den Abend. Humorvoll setzte Karl-Heinz Kurth dabei die eigenen Vorfahren in Szene, die zur Heirat noch die Genehmigung der Behörden einholen mussten, wobei der Klapperstorch schneller war, als die Behörden.

Auch aus seiner „Dynastie“ stammt Anneliese Michels aus Oberbaar. Sie beschäftigte sich mit dem Vergessen, besonders im Alter. „Man verjisst jo bahl alles“, stellte sie fest. Einkäufe und Besuche bereiten ihr so manches Kopfzerbrechen. Namen und Geburtstage kann sie kaum behalten: „Selewst de Geburtsdaach von de Kenne kann me net behahle, die änneren sech jo och jedes Johr.“ Nur eins bleibt auch als Rentner gleich, stellte sie fest: Gekocht oder nicht gekocht, gegessen wird um 12 Uhr! „Manchmol hätt me dat Geföhl, dat me de Kopp nur hätt, damit et net en de Hals eren rähnt“, bemerkte sie unter großem Lachen der Zuhörer.

Vom „Wöschdaach“ in früheren Jahren wusste Thea Gödderz aus Schalkenbach zu berichten. Sie schilderte, wie sie den Waschtag der eigenen Mutter aus der Erinnerung und wusste, dass die erste Waschmaschine „anfangs noch geschont wurde“. So mancher der Besucher konnte sich an die „frühere Plackerei“ beim jeweiligen Waschtag erinnern.

Wie vielfältig man in der heimischen Mundart das Wörtchen „jett“ einsetzen kann, brachte Richard Genn aus Wehr humorvoll den Gästen nahe. Er erhielt viel Beifall für seinen Vortrag „Jett – bat es dat?“

Sitten und Gebräuche zu Füßen der Olbrück

Die Dedenbacherin Rita Kreyer (gebürtig in Hain und seit 44 Jahren in Kost und Logis in Dedenbach) erinnerte an „Sitte on Bräuch von dohmols em Hoohn“ an die 50er- und 60er-Jahre. Das Klappern an den Kartagen, das Judas-Austreiben, Maibaumstellen und die sonstigen Maibräuche – vieles gebe es heute schon nicht mehr, bedauerte sie. Einiges habe sich aber erhalten, wie das Treffen der Frauen zum Gebet am Palmsonntag in der Hainer Kapelle, das Martinsfeuer und auch die Pferde- und Traktorensegnung an Pfingsten.

Einen Angriff auf die Lachmuskeln startete dann die in Weibern geborene Jutta Bell aus Kempenich. In der ihr eigenen und unnachahmlichen Art berichtete sie mit ihren „Stöetsche aus de Sackähfel“ von Hein und Trein, einem liebenswerten Paar. Die blauen Augen vom Heinz wogen bei Trein dabei vieles andere auf. Sie sah in Heinz ein „Eifeler Prachtexemplar“, das man gern haben musste. Bei allen Makeln aber, die sie unter vielen Lachsalven den Gästen präsentierte, stellte sie am Ende unter großem Beifall fest: „Die Hauptsaach es, dat Hätz es jood!“

Raymund Bley aus Niederdürenbach trug zum Abschluss der ersten Halbzeit des Programms im Country-Sound das Lied „L 111, bring mich heim“ vor, bei dem das Publikum den Refrain mitsang und Helmar Hoffmann auf der Gitarre begleitete.

Nach der kurzen Pause, in der sich die Besucher mit Speis und Trank stärken konnten, begann Helmar Hoffmann mit dem Lied „Heute hier, morgen dort“ die zweite Halbzeit. Er spielte dabei auf sich selbst an. „Das Saarland ist meine Heimat. In der Eifel wohne ich“, stellte Hoffmann fest und erhielt im Anschluss für das von ihm geschriebene und an diesem Abend erstmals vorgetragenen Lied „Du bes a jode Freund“ viel Beifall.

Gott, die Schöpfung und die Region im Speziellen

„Jet os de Schöpfungsjeschicht“ trug Marianne Breuer aus Dedenbach vor, wobei sie sich hauptsächlich Gedanken machte, was der Herrgott mit dem bei der Schöpfung übrig gebliebenen Wasser machte: Er schuf Seen. Einige davon auch in der Region, wie sie unter Hinweis auf einige Kleinode (Laacher See, Königssee, Rodder Maar) berichtete. Es sei gut, dass der liebe Gott noch das Wetter selbst mache, wobei sie humorvoll und skeptisch anmerkte, das es gut wäre, wenn er etwas Hilfe hätte, „denn er es jo met de Johre schon jett älter gewore“.

Mit ihrer Geschichte „Der Herr von Nentert“ erinnerte Margret Nischalke aus Ahrweiler an die Schreckensnacht an Heiligabend auf dem „Nentershof“, und anschließend erheiterte sie das Publikum mit der Geschichte von Maria Verkündigung aus einem Kindermund.

Als Farbtupfer im meist rheinischen Dialekt erweisen sich stets die Töne, wenn die Königsfelder Obermöhn Brigitte Frahn (Königsfeld) in ihrem norddeutschen Dialekt (Schleswig-Holstein) die Zuhörer unterhält. In diesem Jahr mussten die Gäste wieder ihre Ohren spitzen, um Opas Malheur beim Ausprobieren des „Fondues“ akustisch einzufangen.

Willi Fuhrmann gab mit seiner Geschichte „Bie me beim Fuhrmanns Alfons am Appeltrank woren“ Erlebnisse von Klemens Jeub wieder, die dieser in jungen Jahren im Elternhaus von Willi Fuhrmann erfuhr. Er stellte fest: „Fröher wor et doch gemötlich.“

Internationales Gipfeltreffen in Heulingshof

Schließlich sorgte Jutta Bell zum Finale als „Hoher Besuch im Brohltal“ für ein weiteres Highlight des Abends. Als Donald Trump besuchte sie mit dessen Ehefrau Melania (Helmar Hoffmann) einen „Gipfel“ in „Heuling“ (Heulingshof, Gemeinde Spessart), wo er „als öweschte Ami“ neben Russlands Putin und Nordkoreas Kim sowie Frankreichs Macron auch auf Angela Merkel traf. Diese radelte mit dem Fahrrad nach „Heuling“, was im Neu-Deutschen einem „veganen Reiten“ entspreche. Großer Beifall brandete auf, als sie dabei auch den „Aborigine der Eifel“, Bürgermeister Johannes Bell, traf und sich dabei aus Solidarität mit den Spessartern als „Bockert“ outete. Da rollten die Lachtränen bei den Zuhörern.

Bei so viel Heiterkeit auch noch zu später Stunde trug Bürgermeister Bell am Ende des Abends auch noch einen Witz bei. In seinen Dankesworten stellte er fest, dass man wieder einen fantastischen Abend mit vielen schönen Geschichten erlebt habe. Er dankte allen, die an der Vorbereitung und Durchführung des Abends mitgewirkt hatten.

„Viele versuchen, diese Veranstaltung zu kopieren. Doch: Original bleibt Original“, stellte Bell abschließend unter dem Beifall der Gäste zufrieden fest.

Die Besucher waren auch in diesem Jahr über die Vielzahl der Dialekte erfreut und dürfen sich bereits jetzt auf den 22. Künnisfelder Mundartabend im kommenden Jahr freuen. WK

Thea Gödderz berichtete über den „Wöschdaach“, den so mancher der Gäste nachvollziehen konnte.

Thea Gödderz berichtete über den „Wöschdaach“, den so mancher der Gäste nachvollziehen konnte.

Ein weiteres Highlight war der Auftritt von Donald Trump (Jutta Bell) mit Ehefrau Melania (Helmar Hoffmann).

Ein weiteres Highlight war der Auftritt von Donald Trump (Jutta Bell) mit Ehefrau Melania (Helmar Hoffmann).

Helmar Hoffmann und Brigitte Frahn eröffneten den Mundartabend musikalisch.

Helmar Hoffmann und Brigitte Frahn eröffneten den Mundartabend musikalisch.

Die erfolgreichen Teilnehmer und Organisatoren des „21. Künnisfelder Mundart-Ovends“. Fotos: WK

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