St. Viktor-Kirmes in Oberbreisig
Wo sich Tradition und rheinische Fröhlichkeit begegnen
Oberbreisig. Jedes Jahr ist am zweiten Oktoberwochenende in Oberbreisig Ausnahmezustand. Denn an vier Tagen wird hier die Weihe der katholischen Pfarrkirche „St. Viktor“ gefeiert. Diese Kirche wurde im Übergangsstil von der Romanik zur Frühgotik ca. 1220-1240 gebaut und ist damit älter als der Kölner Dom, dessen Grundsteinlegung im Jahr 1248 stattfand. Kirchenpatron ist der Heilige Viktor von Xanten, der Legende nach ein frühchristlicher römischer Soldat, der wegen seines Glaubens hingerichtet wurde. Im Bistum Trier ist die Oberbreisiger Kirche die einzige Kirche, die diesem Heiligen geweiht ist.
Zum Kirmesbeginn fand wie immer das Oktoberfest am Freitagabend statt, organisiert vom Junggesellenverein Oberbreisig, der zusammen mit der St.-Viktor-Schützenbruderschaft Oberbreisig 1863 e.V. und dem Männergesangverein „Sängerbund“ gemeinsam mit dem gemischten Chor „Singen statt Sofa“ die Kirmes veranstaltet. Da die Oberbreisiger Sängerhalle z.Zt. renoviert wird, mußte das Oktoberfest im „Feindesland“, nämlich in der Niederbreisiger Jahnhalle stattfinden. Dies tat dem fröhlichen Feiern keinen Abbruch, zumal die jüngere Generation mit der früheren Rivalität zwischen Oberbreisig und Niederbreisig gelassen umgeht. Bereits vor dem Eingang der Jahnhalle fühlte man sich nach Bayern versetzt, wimmelte es doch von feschen Jungs und Mädels in zünftigen Trachten. Selbst Bürgermeister Marcel Caspers hatte sich bayrisch gestylt, so dass schon gemunkelt wurde, ob dies das Ende der Schalkemania im Rathaus sein könnte.
Während der Freitagabend der Jugend vorbehalten war, startete am Samstagabend der eher traditionelle Teil der Kirchweihe. Viele ältere Oberbreisiger Ureinwohner versammelten sich rund um den Backes der Weinbau-Bruderschaft zu Füßen der Kirche und ließen sich leckere Weine von der Ahr und dem Mittelrhein, Federweißer und Zwiebelkuchen schmecken. Punkt 19 Uhr läuteten drei mächtige Böllerschüsse den traditionellen Umzug an, angeführt vom Beigeordneten Peter Busch und Schützenkönig Dietmar Neihs. Mit musikalischer Untermalung der heimischen „Fidelen Lähmdeuwele“ und des Sinziger Spielmannszuges „Freiweg“ marschierten Schützen, Sänger und Jungesellen zusammen mit Oberbreisiger Bürgern und vielen Kindern mehrfach die Hauptstrasse rauf und runter, und schufen mit leuchtenden Laternen statt Fackeln eine malerische Atmosphäre. Nach Ende des Festzuges wurde noch fleißig auf dem Schulhof der alten Schule weitergefeiert, und die Mitglieder der Weinbaubrüderschaft kamen mit dem Ausschank kaum noch nach.
Der Sonntag begann traditionell bereits um 6:00 Uhr mit dem Weckruf der Junggesellen. Danach wurde es feierlich, denn nach der Abholung des Schützenkönigs zog die große Festgesellschaft von Schützen und weiteren Vereinen gemeinsam mit dem Pfarrer in die Kirche ein, wo ab 9:30 Uhr ein Hochamt unter Mitgestaltung des Kirchenchors St. Viktor begangen wurde. Anschließend wurde am Ehrenmal nahe der Friedhofskapelle den Toten der Weltkriege gedacht. Schützenkönig Dietmar Neihs lud danach seine Schützenkameraden zu sich nach Hause ein, um einen Imbiß zu verzehren, während die Junggesellen das Feiern auf dem Kirmesplatz fortsetzten. Am Backes wurde wieder Wein ausgeschenkt, und der Frauenkreis St. Viktor bot für Familien ein gemütliches Kaffeetrinken mit selbstgebackenen Kuchen an. Die kleinen Gäste konnten währenddessen mit einem bunten Bollerwagen vergnügliche Abenteuer erleben. Auch durch aufziehende Regenschauer ließ sich die Festgesellschaft das Feiern nicht vermiesen.
In Gesprächen wurde deutlich, dass es immer schwieriger wird Ehrenamtliche zu finden, die ein solches Fest mitgestalten wollen. Umso schöner ist es, dass eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft wieder einmal eine kleine, aber feine Kirmes veranstaltet hat und damit eine lange Tradition fortsetzen konnte. AKS
Eine fröhliche Mädelsgruppe feierte beim Oktoberfest den Kirmesbeginn.
Der Backes der Weinbruderschaft war das gesamte Wochenende umlagert.
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Der Festumzug am Samstagabend wurde angeführt von Schützenkönig Dietmar Neihs und dem Beigeordneten Peter Busch. Fotos: AKS