Ingrid Runkel bringt Kindern im Rengsdorfer Kräutergarten die Begeisterung für die Natur nahe
Wo sich Wurm und Käfer Guten Tag sagen
Rengsdorf. „Ich mache aus den Kindern Kräuterbotschafter, die ihr Wissen an die Eltern weitergeben!“ Ingrid Runkel vom Verein Flora & Fauna Rengsdorf stellt die traditionelle Pädagogik auf den Kopf. Dem Ziel, den Kindern die Geheimnisse des Kräutergartens und der Kleintierlebewelt dort näher zu bringen, dient der Kinderkräutertag, der jetzt im Garten des Vereins in der Schalltorstraße in Rengsdorf wieder stattfand. Ingrid Runkel erklärt: „Beim Kinder-Kräuterfest lernen Kinder Kräuter kennen, damit sie bei ihrer Ernährung wissen, was sie benutzen können, wenn sie zum Beispiel einen Salat machen. Sie nehmen sich zum Beispiel gerne den Sauerampfer mit. Oder ich zeige ihnen, wie man den Spitzwegerich als Heilpflanze nutzen kann.“ Besonders gute Erfahrungen hat Ingrid Runkel mit ihrer „Kräuterreise um die Welt“ gemacht: „Wir haben viele Kinder, die nicht hier geboren sind. Und plötzlich entdeckt das Kind aus der Türkei: Da ist ja mein Kraut! Und dann öffnet das Kind sich. Wenn es erst hinten in der letzten Reihe stand, kommt es plötzlich nach vorne und kann erklären, was in der Heimat mit diesem Kraut gemacht wird. Das klappt zum Beispiel sehr gut mit der Türkischen Minze. Sie ist ein Durstlöscher und sehr aromatisch.“ In dem Zusammenhang erklärt Ingrid Runkel den Kindern auch die Käfer, die in solchen Kräutern wohnen: „Erst sind sie blau, dann werden sie braun, haben sie am Ende genug gegessen, dann sind sie grün! Das sind so die kleinen Geschichten, die die Kinder hier erfahren und die sie mit nach Hause nehmen. Dort pflanzen sie mit einem Ableger erst einen kleinen Kräutergarten, der wird später größer, und irgendwann kommt der Papa und sagt: Ich lerne jetzt von meinem Kind, wie man mit Kräutern umgeht.“ Am Kinderkräutertag konnten die kleinen Besucher auch malen, aus Gips gegossene Tiermotive bemalen oder Flammkuchen aus dem Backes essen.
Der Holunder - der gute Geist des Hauses - gehört zum Lehrmaterial im Kinderkräutergarten, genauso die Himbeeren und wofür sie so wichtig sind. Die Schwalben werden in ihrer Rolle als Wetterpropheten vorgestellt, die Falken sortieren die kranken von den gesunden Vögeln aus. Der Regenwurm ist von ganz großer Bedeutung für jeden Gärtner und Kräuterzüchter. Bei Ingrid Runkel verlieren die Kinder auch vor diesem Tierchen ihre oft vorhandene Scheu und erkennen mehr den Nutzen dieser Kleinlebewesen. Auch die unnötige Abneigung vor Schlangen und Erdkröten kann im Kräutergarten „geheilt“ werden. Im Kartoffelbeet des Rengsdorfer Kräutergartens lernen die Kinder die unterschiedlichen alten Kartoffelsorten kennen.
Wissen an nächste Generationen weitergeben
Ingrid Runkel hat ihr umfangreiches Wissen über Flora und Fauna von ihren Vorfahren übernommen und möchte es jetzt an die nächsten Generationen weitergeben. „Meine Großmutter war schon so eine Art Kräuterhexe. Ich bin nach dem Krieg in eine Zeit hineingeboren, da waren wir arm. Wenn unsere Ziege krank war, musste ich heilende Kräuter sammeln. Dann ging ich in die Ausbildung als Köchin bei den Marienschwestern, da gab es wieder einen Kräutergarten. Da ging es viel um das Heilen von Krankheiten, um Vollkost und Diät und solche Dinge. Vieles davon konnte ich später anwenden, als ein Kind von mir sehr krank wurde.“ Heute sieht sich Ingrid Runkel in der Pflicht, ihr umfangreiches Wissen über die Natur, über Kräuter und Kleinlebewesen an nachfolgende Generationen weiterzugeben.
Der Kinder-Kräutergarten Rengsdorf in der Dorfwiese am Beginn des Apfelweges in Rengsdorf ist eine Initiative des Vereins Flora & Fauna Rengsdorf e.V. (FloFa) und einzigartig in seiner Art. Er ist Begegnungs- und Aktionsstätte für Jung und Alt und erfreut durch seine phantasievolle und kreative Gestaltung. Zurzeit hat der Verein 22 Mitglieder. Idee und Umsetzung des Kräutergartens ist Sache der Kinder und Jugendlichen und wird lediglich unterstützt und angeleitet durch die Geschäftsführerin Ingrid Runkel und ihrer Familie. Unterstützung gibt es auch von der Lokalen Agenda 21 in der Verbandsgemeinde sowie von der Ortsgemeinde Rengsdorf und von vielen Sponsoren. Vorsitzender des Vereins FloFa ist Falko Schiemann, Ingrid Runkel ist die Geschäftsführerin.
Die Aufgaben des Vereins decken sich mit Paragraph 1 des Naturschutzgesetzes mit dem Ziel, Natur und Landschaft aufgrund ihrer eigenen Werte und als Lebensgrundlage des Menschen zu erhalten. „Global denken - lokal handeln“ ist die Leitlinie, die den Natur- und Umweltschutz in den Regionen durch Öffentlichkeitsarbeit und entsprechende Projekte für den Bürger greifbar machen. Auf einer 750 Quadratmeter großen Fläche ist unter fachkundiger Anleitung von Ingrid Runkel ein Wild- und Heilkräutergarten entstanden. Auch ein Blockhaus und ein Holzbackes stehen in dem Garten. Mittlerweile fragen Schulen und Kindergärten aus der gesamten Region in Rengsdorf für Führungen an. Dazu gehört auch der internationale Fledermausabend im Kräutergarten. Geplant ist als nächstes ein Wildbienen-Bienen-Lehrpfad. „Diese beiden Insektenarten möchten wir ebenfalls den Kindern näherbringen“, erklärt Ingrid Runkel. Dafür werden die Kinder auf einem drei Kilometer langen „Zwergenweg“ um den Kräutergarten herum geführt und können sich die Bienen in Schaukästen ansehen. Samstags werden Führungen für Erwachsene angeboten.
Wer Interesse an einem individuellen Aktionstag im Kinderkräutergarten hat, wendet sich vertrauensvoll an Ingrid Runkel, Tel. 0 26 34/34 79.
Das Angebot an Führungen durch Ingrid Runkel und ihre „Assistenten“ Wurm und Rabe wird immer wieder mit großem Interesse angenommen.
Blick in den bunten Kräutergarten des Rengsdorfer Vereins Flora & Fauna.
