Allgemeine Berichte | 08.03.2017

Motorsportjournalist Klaus Ridder zu Besuch bei Heimatforscher Werner Jüngling aus Barweiler

Wohlstand dank Nürburgring

Beim Bau der Rennstrecke wurden von 1925 bis 1927 viele Arbeitslose aus der Umgebung vom Nürburgring beschäftigt. Hier Dr. Otto Creutz, Landrat in Adenau, auf einer Probefahrt.Archiv Ridder

Barweiler. In Barweiler (südwestlich des Nürburgrings) besuchte Motorsportjournalist Klaus Ridder Werner Jüngling (70), bekannt auch als Heimatforscher – er hat vor vier Jahren eine Art Chronik mit dem Titel „Auf den Spuren der Vergangenheit – Barweiler, Pomster, Wiesemscheid und Bauler im Wandel der Zeit“ geschrieben. Ridder bekam ein solches Buch geschenkt und wird daraus, bezogen auf den Nürburgring, Ausschnitte bringen.

Aber interessanter ist das etwa zweistündige Gespräch, da geht es um den Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips, um den Verkauf von Eintrittskarten, aber auch um den ersten tödlichen Unfall auf der 1927 in Betrieb genommenen Gebirgsrennstrecke und um die Nürburg. Die Rennstrecke hat Werner Jüngling mit den Füßen mehrere Male umrundet.

Viel Geld durch Ticketverkauf

Wenn die großen Rennen Anfang der 50er und 60er Jahre stattfanden – das waren die Großen Preise von Deutschland (und bedingt auch die 1000-Kilometer-Rennen) –, dann kamen wohl 200.000 bis 300.000 Menschen zum Ring und brachten auch etwas Geld in die Region rund um die Rennstrecke. Man lebte nicht schlecht vom Nürburgring, es gab Wochenenden, da verdiente Werner Jüngling um die 300 DM – dafür musste man sonst einen halben Monat arbeiten. Er kassierte und kontrollierte die Zuschauer im Bereich Südkehre, und seine Kasse war drei Tage lang Tag und Nacht geöffnet – alle Kassierer und Kontrolleure waren prozentual am Umsatz beteiligt.

Besonders erinnert sich Werner Jüngling an die amerikanischen Soldaten. Für einen US-Dollar bekam man im Umtausch 3,96 DM, und mit diesem günstigen Kurs lebten die Soldaten wie die „Maden im Speck“. Sie tranken auch ordentlich viel Bier und erlebten das Rennen am Sonntag oftmals nicht mehr, weil sie ihren Rausch ausschlafen mussten. Übrigens tauschte Werner Jüngling „privat“ schon mal Dollars in DM um, er war ja gelernter Bankkaufmann, und statt 3,95 DM gab es für den Umtauschservice am Ring nur 3,60 DM. Das machte den GIs nichts aus, und der „Geldwechsler“ hat so noch manche Mark nebenbei verdient.

Werner Jüngling weiss auch zu berichten, dass beim Großen Preis von Deutschland 1954, das war das Rennen, wo Mercedes mit vier Rennwagen am Start war und Fangio auf Mercedes gewann, nur 185.000 Eintrittskarten gedruckt waren. Die waren schnell verkauft, um 11 Uhr wurden alle Kassen am Ring geschlossen. Es kamen wohl 150.000 Zuschauer umsonst rein.

Der erste tödliche Unfall

Als Heimatforscher hat Werner Jüngling eine besondere Akte „Nürburgring“ angelegt. Er zeigt ein Originalprogramm des Eröffnungsrennens 1927 – darauf ist er besonders stolz.

Auch ein Bericht über den ersten tödlichen Unfall auf dem Ring ist darin enthalten. Es war der tschechische Rennfahrer Vincenz Junek, der mit seinem Bugatti im Bereich „Bergwerk“ von der Strecke abkam und gegen einen Felsen (heute „Junek-Felsen“ genannt) geschleudert wurde.

Ein Zitat aus dem Bericht über den Großen Preis von Deutschland 1928, geschrieben von Bernd Schneider: „Eine halbe Stunde nach Juneks letzter Durchfahrt an Start und Ziel kommt die Durchsage im Lautsprecher: ‚Wagen Nummer 9 bei Kilometer 15,5 bei Breidscheid um 12.05 Uhr umgeschlagen, Fahrer leider tot, Beifahrer leicht verletzt.“ Die Lautsprecherdurchsage ruft bei den Zuschauern Betroffenheit hervor. Die Musik verstummt, Fahnen gehen auf halbmast, Urban-Emmrich und Dr. Bittmann geben das Rennen auf, als sie an den Boxen von Juneks Unfall erfahren.

Elisabeth Junek, seine ebenfalls rennfahrende Frau, muss die Heimfahrt ohne ihren Mann antreten. Auf der Rheinbrücke in Koblenz hält sie an und wirft das Armband, das sie ihrem Mann in der Kapelle von Breidscheid abgestreift hat, in den Rhein.

Erst nachdem sie das Rentenalter erreicht hat, erhält sie eine Genehmigung für eine Auslandsreise. Ihre erste Reise führt sie 1964 an den Nürburgring. Am Gedenkstein ihres Vincenz legt sie Blumen nieder. Am 16. November 1994 verstirbt Elisabeth Junek im Alter von 93 Jahren.“

Graf Trips schlief über dem Misthaufen

In der kleinen Pension von Maria Rollmann hängt ein Foto von Wolfgang Graf Berghe von Trips. Werner Jüngling hat es abfotografiert, und in seiner Chronik ist die Geschichte dazu wie folgt zu lesen: „In Barweiler übernachtete der Graf im Gästehaus Maria Rollmann (unterhalb des einzigen Fensters im Zimmer befand sich der Misthaufen), in welches sich Graf Trips (Deutschland GP 1961) vor seinen allzu stürmischen Fans zurückzog. Seine Popularität war ihm eher peinlich. In der Küche der kleinen Pension hängt ein Foto des Renngrafen in leicht abgewetzter Samtjacke im Dienstferrari 250 Pininfarina Cabrio, strahlend in die Kamera blickend.

An das Rennen selbst, das Anfang August auf dem nahen Nürburgring ausgetragen wurde, kann ich mich als 15-Jähriger noch genau erinnern. Es siegte Stirling Moss vor Graf Trips und Phil Hill (beide auf Ferrari). In der letzten Kurve vor Start und Ziel überholte Trips unter dem unbeschreiblichen Jubel der zahlreichen Zuschauer (250.000 waren in die Eifel gekommen) noch seinen Markengefährten Hill und übernahm so die Führung in der Weltmeisterschaft.

Sechs Wochen später, am 10. September, verunglückte Trips beim Italien-GP in Monza tödlich, 15 Menschen wurden mit in den Tod gerissen.

Deutschland steht unter Schock, so hieß es damals in der Presse.

Trips‘ ‚Dienstferrari‘, das Pininfarina Cabrio, wurde nicht mehr in Rollmanns Hof gesichtet.“

Andere Zitate über den Bau des Nürburgrings, das Eröffnungsrennen 1927 und über den Straßenbau in der Region: „Endlich wieder Arbeit: der Nürburgring wird gebaut! Gute Verdienstmöglichkeiten für die Arbeitslosen in der Region bot ab Oktober 1925 der Bau des Nürburings. Die Arbeiter wie auch die aus Barweiler und den umliegenden Ortschaften wurden im Streckenabschnitt Quiddelbacher Höhe eingesetzt. Sie fuhren morgens um 7 Uhr per Rad über Barweiler-Wiesemscheid zum Ring. Der Arbeitslohn betrug 52 Pfennig pro Stunde.“

Nürburgringrennen Juni 1927

„Die großen Rennen machten sich auch in den etwas abseits gelegenen Dörfern bemerkbar. Spät abends kamen noch Autos mit Fremden an, die kein Quartier mehr fanden. Frühmorgens hörte man das Rattern der Rennautos. Sonntagmorgens in Barweiler war es lebensgefährlich, die Straße zu kreuzen. Es kam auch zu Unfällen, einem Radfahrer wurden die Beine abgefahren, ein anderer Radfahrer blieb tot, obwohl Polizei (Schupo) aus Trier und Koblenz anwesend war. Nachmittags war das ganze Dorf auf dem Ring, denn so ein Autorennen hatte noch niemand vorher gesehen.“

Neubau der Bundesstraße 258

„Der Ausbau der Bundesstraßen in der Eifel hatte in der Zeit des ‚Dritten Reiches‘ sicherlich auch strategische Bedeutung, nämlich Aufmarschgebiet Richtung Benelux und Frankreich. In unserem Raum mag sicherlich für den Bau der B258 aber auch beigetragen haben der ständig wachsende Besucherstrom des nahen Nürburgrings, der den Erfolgen insbesondere deutscher Automarken (Auto-Union, Mercedes Benz) und erfolgreicher deutscher Fahrer (Rudolf Carraciola, Bernd Rosemeyer, Hans Stuck, Manfred von Brauchitsch) zuzusprechen ist.“

Es lebt sich nicht schlecht vom Ring

Werner Jüngling hat mit dem Nürburgring gutes Geld verdient. Und überhaupt lebt der Ort Barweiler nicht schlecht vom Nürburgring, da gibt es heute Hotels, Gasthöfe, und auch die schnellste Frau vom Ring, Sabine Schmitz, wohnt mit ihrem Lebensgefährten Klaus Abbelen dort. Der Nürburgring hat es möglich gemacht, dass es den Menschen hier heute gut geht.

Klaus Ridder

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