Verband Katholische Frauen in Wirtschaft und Verwaltung
Wolfgang Bosbach erklärte „Worauf es heute ankommt!"
CDU-Politiker nahm Stellung zu Griechenland und Flüchtlingssituation
Rheinbreitbach. Einen überaus bekannten und nicht nur bei vielen CDU-Mitgliedern beliebten Politiker konnte die Vorsitzende des Verbandes Katholische Frauen in Wirtschaft und Verwaltung, Felicitas Fehlinger, mit Wolfgang Bosbach im Steinsaal vom Burghotel Ad Sion begrüßen. Eingeladen hatte sie den 63-jährigen Bundestagsabgeordneten zusammen mit Gereon Haumann, dem Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Rheinland-Pfalz sowie mit Michael Scheidgen, dem Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer.
„Wolfgang Bosbach ist ein Vollblutpolitiker, der offen und ehrlich sagt, was er denkt. Deshalb schenken die Menschen Ihnen auch uneingeschränkt ihr Vertrauen“, so Felicitas Fehlinger, zu dem „Mann der Stunde“, der seit 1994 dem Bundestag angehört und der als einer der erfahrensten Innenpolitiker der CDU seinen Zuhörern erklären sollte, „Worauf es jetzt ankommt!“
Noch bevor sich Wolfgang Bosbach den Themen um Griechenland und die Flüchtlingssituation widmete erklärte er seinen Zuhörern: „Sie haben Anspruch darauf, dass Politik nicht durch Worte vernebelt wird.“ Wer sich klar ausdrücke, gelte schnell als schlichtes Gemüt und wer dann auch noch als Rheinländer chronisch gut gelaunt sei, werde zudem als oberflächlich abgestempelt“!, so der Jurist aus Bergisch Gladbach. Aber schließlich könne man viel lachen und trotzdem gewissenhaft arbeiten. „Außerdem: Wählen Sie nie einen Politiker, der nicht lacht, sonst haben Sie nichts mehr zu lachen“, so ein Rat an die Zuhörer. Dem ließ er gleich eine zweiten folgen: „Beurteilen Sie nie einen Politiker nach dem, was er sagt, sondern immer nach dem, was er tut!“
Heute gelte man schon als Rebell und Quertreiber, wenn man nur bei seiner Meinung bleibe, bedauerte Wolfgang Bosbach, der hinsichtlich der Griechenlandhilfe zu den „Verweigerern“ zählt, die den Grexit nicht als Apokalypse ansehen.
„Die EU ist eine Währungsunion und keine Haftungsunion. Damit haftet kein Land für die Verbindlichkeiten eines anderen“, so der Gastredner. Die Krise Griechenlands wegen einer enormen Überschuldung ließe sich durch immer neue Kredite nicht beheben. Es fehle einfach die Wirtschaftskraft. Außerdem werde die Reform in Griechenland nicht für richtig gehalten. Halbherzig betrieben werde sie nur wegen des Zwangs, anderenfalls keine neue Kredite zu bekommen. „Die Risiken der privaten Gläubiger werden aus diese Weise nur den Steuerzahlern aus den anderen EU-Staaten angelastet und da kann ich nicht mitmachen“, verteidigte Wolfgang Bosbach seine Ablehnung der Politik der Bundesregierung.
Deutschland lebe seit Jahrzehnten in Frieden und habe Enormes geleistet nach der Wiedervereinigung. Der Versuch, in der Ukraine Grenzen mit Waffengewalt zu verändern, habe aber gezeigt, wie brüchig die Hoffnung auf einen beständigen Frieden selbst in Europa sei. „Und nun auch noch der fürchterliche Mehrfrontenkrieg in Syrien, der 10 Millionen der 23 Millionen in die Flucht treibt. Eine der Hauptkräfte ist der IS mit seine 30.000 Kämpfern, von denen 5.000 aus Westeuropa und allein 700 aus Deutschland kommen“, so Wolfgang Bosbach. Begonnen habe der Konflikt im Grund im 7./8. Jahrhundert, der aktuelle dann mit der Terroraktion 1979 in der Großen Moschee von Mekka. Man müsse nun vor allem verhindern, dass dieser Krieg in Europa und vor allem in Deutschland ausgetragen werde. „Dabei gilt es, keine Toleranz an falscher Stelle zu zeigen, also denjenigen gegenüber, die selber keine Toleranz kennen“, forderte der Redner. Ein konfliktfreies Miteinander könne es nur geben, wenn alle, Christen wie Muslime, die gleiche Rechtsordnung akzeptieren würden. „Ich habe keine Angst vor einer Islamisierung Deutschlands, wohl aber vor einer Entchristianisierung des Abendlands. Wir müssen das verteidigen, was uns an Normen und Traditionen wichtig ist. Andere werden sich dafür nicht einsetzen“, so Wolfgang Bosbach, bevor er auf das Lied der Bläck Föös vom rheinischen Stammbaum verwies.
Damit war er bei der Flüchtlingssituation angekommen und lobte zunächst das beeindruckende ehrenamtliche Engagement vieler Bürger. „Das traurigste Kapitel bei diesem Thema trägt den Namen Europa. Sieben Länder haben weniger als 1000 Flüchtlinge aufgenommen, allein Bergisch Gladbach doppelt so viele wie Portugal“, monierte er. Es gebe zwar keine Obergrenze, aber eben auch keine grenzenlose Integrationskraft. Da die EU-Staaten seiner Ansicht nach nicht auf den deutschen Kurs einschwenken würden, käme der Türkei eine besondere Bedeutung zu. Allerdings müsse man darauf achten, dass deren Zugeständnisse nicht mit politischen Forderungen gekoppelt würden, warnte Wolfgang Bosbach, bevor er forderte: „ Angesichts der vielen Flüchtlinge ohne Papiere, also ohne Identifikationsmöglichkeit hinsichtlich ihrer Nationalität, sollten wir uns auf die Schutzbedürftigen beschränken, deren Identität wir kennen!“ Gleichzeitig erteilte er jedem Rechtsradikalismus eine Abfuhr. „Wir werden unserer humanitären Aufgabe gerecht. Wer in unserem Land untergekommen ist, hat ein Anrecht auf ein ordentliches Aufnahmeverfahren und muss ohne Angst vor Behinderung und Bedrohung in Frieden leben können!“ Deutschland gehe es immer noch erheblich besser, als den meisten anderen Staaten. Dafür zu arbeiten, dass es so bleibt, sei für ihn eine schöne Aufgabe, schloss Wolfgang Bosbach seine Rede, für die er an vielen Stellen lebhaften Applaus geerntet hatte.
