Landestagung Weisser Ring Rheinland-Pfalz in Bad Breisig
Wovon Eduard Zimmermann noch nichts wusste
Bad Breisig. Die Außenstelle Neuwied des Weissen Rings unter Leitung von Heinz Schwarzkopf richtete das zweitägige Zusammentreffen im Zuständigkeitsgebiet der Außenstelle Ahrweiler unter Leitung von Hubertus Raubal in Bad Breisig aus. Teilnehmer waren rund 120 der insgesamt 266 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weissen Rings in Rheinland-Pfalz, von der Vulkaneifel bis zur Südpfalz, die der Landesvorsitzende Karl-Heinz Weber begrüßte. Auch 14 Mitarbeiter der Außenstelle Ahrweiler waren darunter, und zu einem Teil der Tagung waren auch die Mitglieder des rund 3.000 Mitglieder zählenden Landesverbands willkommen. Das Ziel der generell jährlich und nunmehr zum dritten Mal in Bad Breisig abgehaltenen Zusammenkunft war neben Begegnung und Erfahrungsaustausch vor allem die Fortbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter. So ging es in Vorträgen um Cybermobbing unter Jugendlichen und um „Menschenwürde und Scham“. Die Leiterin der Abteilung Versorgung beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, Jeannette Mischnick sprach außerdem über „Neue Herausforderungen für das LSJV im sozialen Entschädigungsrecht. Schließlich setzt sich der Weisse Ring auch für dieses „Opferentschädigungsesetz“ etwa zu Gunsten von Einbruchsopfern ein.
Der Weisse Ring ist 1976 als „gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten“ gegründet worden und zählt heute bundesweit rund 50.000 Mitglieder sowie rund 3.200 ehrenamtliche speziell ausgebildete Opferhelfer, die in 420 Außenstellen in 18 Landesverbänden organisiert sind. Offiziell wird der 40. Geburtstag der Bundesvereinigung erst im Herbst gefeiert werden. Bei der Landestagung stellte die Außenstelle Neuwied aber schon mal live einen speziellen Geburtstagssong vor, und der Landesvorsitzende Karl-Heinz Weber, Polizeipräsident a.D., konstatierte im Rückblick eine starke Veränderung der Kriminalität in Deutschland seit der Gründung durch unter anderem TV-Verbrechensbekämpfer Eduard Zimmermann: „Eduard Zimmermann und seine prominenten Helfer hätten 1976 sicher nichts mit Begriffen wie Cybercrime, Cybermobbing und Internetkriminalität anfangen können. Ebenso ist es der internationale Terrorismus, der uns heute beschäftigt, auch auf Seite der Opferhilfe.“ Opferschutz und Opferhilfe hätten sich in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich verbessert, sagte Weber: „Allein wenn ich daran denke, dass wir im Grunde mit fast allen Organisationen, Verbänden, Behörden, Ministerien, Einrichtungen in Kooperationen stehen und sehr eng zusammenarbeiten, letztendlich zum Wohle der Opfer und des Opferschutzes.“
Nichtsdestotrotz gebe es noch viel zu tun. Viel Zustimmung fand Weber von Seiten des Plenums für seinen Wunsch, den Blick verstärkt auf die Opfer von Straftaten zu richten. Viele Fälle seien spektakulär und die Täter und deren Verfolgung seien länger und umfangreicher in der Diskussion als die Opfer, die viel schneller vergessen oder nicht beachtet würden. Als Beispiele nannte Weber den Terroranschlag an der Blauen Moschee in Istanbul, bei der unter anderem auch ein Ehepaar aus Rheinland-Pfalz getötet wurde wie auch ein Mann, dessen Frau als Überlebende für Weber ebenso zu den Opfern zählt wie die Angehörigen des Paares. Auch der Fall des in Bad Godesberg auf offener Straße angegriffenen und gestorbenen Niklas P. kam immer wieder zur Sprache. Auch deren Angehörige werden nach Angaben des Ahrweiler Außenstellenleiters Hubertus Raubal vom Weissen Ring betreut.
Sexualdelikte wie Nötigung oder Vergewaltigung machen den ganz überwiegenden Teil der Fälle aus, mit denen der Weisse Ring sowohl auf Landes- wie auch auf Kreisebene zu tun habe. Gleich dahinter folgen Körperverletzungsdelikte. „Menschen, die durch eine Straftat an Leib und Seele gesundheitlich oder finanziell geschädigt wurden, befinden sich meist in einer unvermittelten Belastungssituation oder sind gar traumatisiert. Schnelle, zielgerichtete Hilfe kann einen schweren Krankheitsverlauf nach einem solchen Ereignis hemmen“, sagte Weber. Häufig sei rechtlicher Beistand nötig oder es müssten finanzielle Notlagen infolge der erlittenen Straftat bewältigt werden. In seinem Rechenschaftsbericht zeigte sich Weber erfreut über den Zuwachs an finanziellen Opferhilfen in Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2015 habe der Landesverband für rund 1060 Opferhilfen mit finanzieller Unterstützung nach einer Straftat nahezu 300.000 Euro aufgewendet. Das sei fast ebenso viel wie im Jahr zuvor. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weissen Rings verstünden sich bei ihrer Arbeit nicht nur als Tröstende, sondern auch als Lotsen für die Durchsetzung der Rechte von Opfern und für weiter reichende Maßnahmen fachlicher Hilfe. Viel Lob für sie sprachen auch die Begrüßungsredner bei der Tagung aus: der Westerwälder Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel, der Landtagsabgeordnete Horst Gies als Vertreter des Kreises Ahrweiler, Nicolaus Roth, Oberbürgermeister der Stadt Neuwied, Bernd Weidenbach, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Breisig, und Gabriele Hermann-Lersch, Bürgermeisterin der Stadt Bad Breisig. Zum Programm am zweiten Tag der Tagung gehörten auch ein Bericht von Bundesgeschäftsführerin Bianca Biwer über anstehende Projekte und Probleme der anstehenden Strafrechtsreform und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung Weisser Ring, Guido Krüger, über Aufgaben und Ziel der Stiftung. Die Landesmitgliederversammlung schloss sich an. Dabei legte Weber nicht nur den Rechenschaftsbericht ab, es wurden auch die Delegierten für die Bundesdelegiertenversammlung für die kommenden zwei Jahre bestimmt. SI
v.l. Hubertus Raubal (Leiter Außenstelle Ahrweiler), Karl-Heinz Weber (Landesvorsitzender und Polizeipräsident a.D.), Heinz Schwarzkopf (Leiter Außenstelle Neuwied).Foto: Si
