Verein Zehnthaus Swisttal-Odendorf/Essig startete sein „offenes“ Jahresprogramm 2014
Zeitreise durch die Glasgeschichte
Swantje Lunau begeisterte mit einem durch Lichtbilder illustrierten Vortrag
Swisttal-Odendorf. Mit einem Vortrag über „Glas im Wandel der Jahrtausende“ startete der Verein Zehnthaus Swisttal-Odendorf/Essig sein „offenes“ Jahresprogramm 2014. Nach dem Neujahrsempfang im Januar und der Mitgliederversammlung im Februar bot die Odendorfer Glasmeisterin Swantje Lunau eine faszinierende Zeitreise durch 6000 Jahre Glasgeschichte von der Erfindung bis zu den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der heutigen Zeit.
Glas ist ein Werkstoff, der in vielen Bereichen des Lebens selbstverständlich ist. Seine Transparenz, Farben, Formen und die Möglichkeiten seiner Gestaltung faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden. Dabei besteht es im Wesentlichen „nur“ aus Quarzsand, Kalk, Soda und Pottasche. Wie das Glas erfunden wurde, wird in Legenden und in wissenschaftlichen Darstellungen berichtet. Die wahrscheinlichste Version ist, dass das Glas als Zufallsprodukt in der Schlacke von Schmelzöfen gefunden wurde. Als erster „geplanter“ Einsatz von Glas gilt die Glasur von Gefäßen durch ägyptische Töpfer. In der Bronzezeit galt Glas als „königlicher“ Stoff, der nur vom Pharao und hohen ägyptischen Beamten genutzt werden durfte.
Bald wurde auch die Herstellung von Glasperlen erfunden, die so beliebt und geschätzt waren, dass sie etwa ab 1450 vor Christus nicht nur in Ägypten als Zahlungsmittel Verwendung fanden. Glas wurde bald ein so begehrtes Produkt, dass damit bis Skandinavien, China und Afrika (Mali) gehandelt wurde. Auch im Römischen Reich fand Glas in Form von Perlen und Gefäßen, aber auch als Fensterglas Anwendung. Glas bedeutete hier Macht und Reichtum. Zentrum der Perlenherstellung war ab etwa 982 nach Christus in der Nachfolge islamischer Glasfabriken Venedig, von wo die Produktion um 1295 aus Gründen des Feuerschutzes und der Geheimhaltung der Herstellungsrezepte nach Murano verlegt wurde. Besonders bekannt waren damals Achatgläser, auch Jaspis-, Onyx- oder Chalzedongläser genannt. Das christliche Mittelalter war eine glasperlenarme Zeit, da dieser Schmuck nicht in das damalige christliche Weltbild passte.
Das änderte sich etwa 1500 nach Christus, als Glasperlen in großen Mengen hergestellt wurden.
Abschließend ging Lunau nochmals auf die Vielseitigkeit der Verwendungsmöglichkeiten von Glas ein. Neben der Gefäßherstellung sind hier besonders Flachglas, aber auch andere Formen am Bau, in der Industrie und in der Technik zu nennen (Spiegel, Fenster, Schallschutz, Sicherheitsglas, Chemie). Beeindruckend war auch die Schilderung, dass moderne Verglasungen bis zu 21 Meter lang und etwa vier Tonnen schwer sein können.
Swantje Lunau hat das Glasfach studiert und ist auch jetzt noch beruflich mit dem Einsatz und der industriemäßigen Verwendung von Glas befasst. Glas ist ihr Leben, das war auch an ihrem durch Lichtbilder illustrierten Vortrag zu erkennen. Kein Wunder also, dass ihre Begeisterung auf die zahlreichen Zuhörer übersprang, was sich nach dem Vortrag an zahlreichen ergänzenden Fragen festmachte.
