Allgemeine Berichte | 17.06.2021

Aktuell werden 12 Hauptamtliche im Bistum Trier ausgebildet

Zertifizierte Multiplikatoren für die Präventionsarbeit

Bistumsweit/Trier. Sichere Räume für Kinder, Jugendliche und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene innerhalb der Kirche gewährleisten: Das ist das erklärte Ziel der Fachstelle Prävention gegen sexualisierte Gewalt im Bistum Trier. Um die Qualitätsstandards der Präventionsarbeit flächendeckend sicherzustellen, werden Hauptamtliche zu Multiplikatoren ausgebildet, die dann wiederum Basisschulungen zum Thema Prävention für hauptamtlich Beschäftigte im Bistum Trier und ehrenamtlich Engagierte vor Ort leiten. Die Teilnahme an einer Basisschulung ist seit dem Jahr 2010 für alle Mitarbeitenden im Bistum Trier verpflichtend.

90 Frauen und Männer wurden bereits zu Multiplikatoren ausgebildet - zwölf weitere absolvieren aktuell die zertifizierte Ausbildung. Vier Teilnehmende berichten.

Die Themen der Ausbildung sind vielfältig und umfassen die durch die Präventionsordnung des Bistum Trier vorgegebenen Inhalte: In insgesamt fünf Modulen (je zwei Tage) vertiefen die designierten Multiplikatoren ihr Wissen unter anderem in den Themenbereichen Täterstrategien, mögliche Reaktion von betroffenen Personen und hilfreiches Verhalten des Umfeldes. „Mit diesen Inhalten habe ich tagtäglich zu tun“, sagt die Ausbildungsteilnehmerin Doris Blesius (60), Psychologische Psychotherapeutin in den Lebensberatungsstellen Cochem und Ahrweiler. Die Multiplikatorenausbildung habe den Vorteil, dass dort Menschen aus unterschiedlichen Kontexten zusammen kämen, die ihren jeweils eigenen Fokus auf die Thematik haben. „Prävention kann nicht von Einzelnen bewirkt werden, sondern ist eine Aufgabe, die nur durch die Mitwirkung aller gelingen kann. Dieser Aspekt wird in den Basisschulungen in den Blick genommen. Alle Teilnehmenden erhalten Informationen, die sie handlungsfähiger machen sollen. Denn bei Beobachtungen von Grenzverletzungen oder übergriffigem Verhalten bedarf es eines mutigen und angemessenen Eingreifens. Dadurch sollen Taten verhindert beziehungsweise frühzeitig aufgedeckt werden.“

Inhaltlich auf den neuesten Stand

Die meisten Inhalte der Ausbildung sind auch Kathrin Prams (43) nicht unvertraut, da sie in ihrer Arbeit als Pädagogische Referentin in der FachstellePlus für Kinder- und Jugendpastoral Saarbrücken immer wieder mit diesen Themen konfrontiert ist. Dennoch lerne sie viel Neues in der Multiplikatorenausbildung, berichtet sie: „Die Ausbildung umfasst zum Beispiel ständig aktualisierte Zahlen, etwa zu Kriminalstatistiken, und neueste Forschungserkenntnisse.“ Auch brandaktuelle Aspekte wie der Umgang mit digitalen Delikten würden angesprochen – ein Thema, das insbesondere bei Jugendlichen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung an Brisanz gewonnen hat. Beispielhaft nennt sie pornografische Nachrichten, die Kinder und Jugendliche via Online-Chat von anderen Menschen, teilweise Fremden, erhalten. Dahinter stünden oftmals Erwachsene, die sich als Gleichaltrige ausgeben. „Wir möchten die Ehrenamtlichen dafür sensibilisieren, dass natürlich auch im Internet Vorsicht geboten ist. Die Multiplikatorenausbildung befähigt uns, ganz gezielt zu solchen Themen Module anzubieten und sie zu vertiefen.“ Ein besonderes Augenmerk werde außerdem auf „katholische Risiken“ gelegt, sprich Risikofaktoren, die speziell im kirchlichen Umfeld auftreten.

Strukturen schaffen, die dem Leben dienen

Pfarrer Andreas Burg aus der Pfarreiengemeinschaft Waldbreitbach, Niederbreitbach und Kurtscheid hat sich ebenfalls für die Multiplikatorenausbildung angemeldet. „Wenn es darum geht, eine Kultur der Achtsamkeit zu implementieren, braucht es Transparenz und gemeinsam festgelegte Regeln“, betont der 40-Jährige. Dabei dürfe das besondere Gefährdungspotential innerhalb von Kirche nicht ausgespart werden. Einer der wichtigsten Punkte in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und auch hauptamtlichen Kollegen sei es, deren Blick für Grenzverletzungen zu schärfen und eine Kultur zu entwickeln, die es erlaubt, offen darüber zu sprechen. Feste Bestandteile wie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und eine Selbstverpflichtungserklärung – beides Voraussetzung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – seien wichtig, aber eben nicht genug. „Es geht darum, eine Haltung zu vermitteln, und zwar aus dem Evangelium heraus. Nicht als Machtsystem, sondern mit den Menschen. Dann haben wir eine Struktur geschaffen, die dem Leben dient.“

Die diplomierte Theaterpädagogin Pamela Diederichs arbeitet seit Anfang vergangenen Jahres als Pädagogische Referentin in der Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Bitburg. Als sie dort anfing, ermutigten ihre Kollegen sie gleich, an der Multiplikatorenausbildung teilzunehmen – allein schon deshalb, weil diese Voraussetzung für die Durchführung der Basisschulungen ist. „So sind wir alle auf dem gleichen Wissensstand und können uns gut austauschen“, erklärt die 47-Jährige. „Es freut mich, dass wir uns damit innerkirchlich gut aufstellen und diese qualitativ sehr hohe Ausbildung machen können. Auch, dass die ersten zwei Module der Schulung aufgrund der Covid-19-Pandemie innerhalb kurzer Zeit auf digital umgestellt wurden, zeigt mir, dass man das Thema Prävention für relevant und wichtig erachtet und sich ihm nicht entziehen möchte.“

Die Multiplikatorenausbildung wird jeweils von zwei Mitgliedern der Fachgruppe Prävention geleitet. Der aktuelle Ausbildungszyklus, der im März begann und im Herbst endet, wird von der Diplom-Pädagogin Ulrike Laux und dem Diplom-Psychologen Christoph Fleck geleitet. Die Multiplikatorenausbildung richtet sich an alle Personen, die in ihrem Arbeitsfeld Basisschulungen zum Thema Prävention durchführen möchten. Weitere Informationen gibt es auf www.praevention.bistum-trier.de.

Pressemitteilung Bischöfliche

Pressestelle Trier

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