Allgemeine Berichte | 20.12.2024

Streit kommt in den besten Familien vor

Zoff im Zoo

Bei den Totenkopfäffchen kommt es immer mal wieder zu Reibereien, wie bei allen anderen Primaten auch - einschließlich des Menschen.  Fotos: Hagen Hoppe

Neuwied Der Zoo Neuwied liegt morgens in vorweihnachtlicher Stille da, als plötzlich aufgeregtes Gekreisch ertönt: Zwei Totenkopfäffchen jagen sich lautstark durch die Anlage. Alexandra Japes, die Pressesprecherin des Zoos, sieht das gelassen: „Bei den Totenkopfäffchen kommt es immer mal wieder zu Reibereien, wie bei allen anderen Primaten auch - einschließlich des Menschen. Und da Tiere ihre Differenzen nicht ausdiskutieren können, wird es dann eben auch mal laut im Gehege und es kommt zu Handgreiflichkeiten. Streit kommt eben in den besten Familien vor, nicht immer muss das ein Indikator für ein größeres Problem sein.“

Trotzdem wird natürlich immer genau beobachtet, ob sich die Situation von allein entspannt. „Das ist zum Glück in den allermeisten Fällen so“, beruhigt die Biologin. „Oft ist der Anlass für den Streit eine Kleinigkeit, wie zum Beispiel ein besonders leckeres Futterstück, das beide Tiere gerne hätten, oder ein Gruppenmitglied ist einem Jungtier zu nahe gekommen, welches dann von der Mutter verteidigt wird. Die aus solchen Situationen entstehenden Streitigkeiten sind ganz wichtig, um den Status der Tiere untereinander zu klären, und dürfen deshalb nicht unterbunden werden“, erklärt Japes.

Besonders viele Kämpfe gibt es bei jungen Tieren. „Wer selbst Kinder hat weiß, dass Streit unter Geschwistern leider einfach dazu gehört“, seufzt Japes, „damit müssen auch Tiermütter und -väter leben. Die Jungtiere stellen so sicher, dass sie genug Ressourcen wie Futter und Wärme abbekommen, trainieren ihre Durchsetzungsfähigkeit und Kraft – alles wichtige Voraussetzungen für ihr späteres Leben, wenn sie sich selbst versorgen und gegen Konkurrenten oder Feinde durchsetzen müssen.

Wenn der Streit allerdings nicht aufhört, oder wenn mehrere Gruppenmitglieder sich verstärkt gegen ein einzelnes Tier richten, kann ein Eingreifen notwendig sein. „Soziale Gruppierungen im Tierreich sind ein hoch dynamisches Konstrukt“, erklärt die Biologin. „Dass die gleichen Tiere ihr Leben lang zusammenbleiben, gibt es praktisch nicht. Bei vielen Arten verlassen alle Jungtiere mit der Geschlechtsreife ihre Eltern. Bei anderen, wie den Totenkopfäffchen, verlassen nur die Männchen die Familie, und die Weibchen bleiben zusammen, andere Tiere machen es genau andersrum.“ Andauernder Streit in einer Tiergruppe ist oft ein Anzeichen dafür, dass für ein oder mehrere Tiere der Zeitpunkt gekommen ist, die Gruppe zu verlassen. Im Zoo bedeutet das, eine passende Einrichtung muss gefunden werden, die das Tier aufnehmen und in eine bestehende Gruppe integrieren oder mit ihm eine neue aufbauen kann.

In der Natur wie auch in menschlicher Obhut bedeutet ein Wechsel in eine neue soziale Gruppe immer Stress für das betreffende Tier. Es muss sich seinen neuen Status erarbeiten, sich eventuell gegen Konkurrenten durchsetzen und potenzielle Partner für sich gewinnen – wenn es diese Konfliktsituationen in seiner Familie mit Geschwistern und Eltern bereits üben konnte, ist es bestens für die neuen Herausforderungen gerüstet.

Alexandra Japes meint dazu: „Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen, Familienstreit an den Weihnachtstagen gelassen zu sehen: Streit in der Familie ist die natürlichste Sache der Welt und muss nicht bedeuten, dass man sich nicht leiden kann, sondern stärkt die Familie gegenüber Konflikten von außen.“

Pressemitteilung

Zoo Neuwied

Nach kurzer Zeit sind die Reibereien aber auch wieder geklärt.

Nach kurzer Zeit sind die Reibereien aber auch wieder geklärt. Foto: Hagen Hoppe

Bei den Totenkopfäffchen kommt es immer mal wieder zu Reibereien, wie bei allen anderen Primaten auch - einschließlich des Menschen. Fotos: Hagen Hoppe Foto: Hagen Hoppe

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