Seit 50 Jahren feiern auch die Linzer Kinder und Jugendlichen eine Prunksitzung
Zum Goldjubiläum hatte der Elferrat vor der Jugendsitzung zum Festkommers geladen
Linz. Nicht nur das Funkencorps Blau-Wiess feiert dieses Jahr sein Gold-Jubiläum. Kleine Cowboys und Indianer, Räuber und Prinzessinnen, Nixen und Piraten tummeln sich am Sonntag nach der Prunksitzung der Großen Linzer KG auf Einladung des Elferrats auch bei der Jugendsitzung seit 1968. Grund genug für den Elferrat um Kommandant Martin Flöck, vor der Veranstaltung für den närrischen Nachwuchs zu einem Kommers in die Stadthalle einzuladen. „Viele Corps sind heute Vormittag noch unterwegs und besuchen andere Veranstaltungen“, erklärte der Chef der „Cremeschnittchen“ die vielen freien Plätze an den langen Tischreihen, nachdem er mit Prinzessin Yvonne I. „vom Rennenberger Tal“, eingezogen war. Begleitet wurde die Tollität nicht nur von ihren Adjutanten Oliver Bockhaus und Thilo Henze, sondern auch von Tochter Nele und Sohn Tjasse Elias als Standartenträger. „Ich bin nich janz so diszipliniert wie der Martin. Bei mir jeht dat alles jeht zackiger“, erklärte die Yvonne I. und entriss dem Hausherrn, Stadtbürgermeister Hans Georg Faust, mit einem keinen Widerspruch duldenden „Kutt erup“ die bereits anwesenden Jugendsitzungspräsidenten, um mit den „Präsis“, allen voran Gründungsmitglied Wolli Klein, ihr Sessionslied zu schmettern.
„Im Herbst 1967 hat sich eine ‚Arbeitsgemeinschaft Linzer Jugendgruppen‘, die sich aus der evangelischen und katholischen Jugend, den Schützen und anderen Ortsvereinen zusammensetzte in der Gaststätte ‚Im Höttche‘ getroffen, um 1968 mit einer eigene Karnevalssitzung im Hotel Palm die Jugendlichen der Stadt Linz und der umliegenden Orte den Nachwuchs für den Fastelovend zu begeistern“, erinnerte das Urgestein des Strünzer-Karnevals. Elf Eigengewächse, darunter er selber mit Heinz-Werner Wipperfürth als Gesangsduo „Wolli und Wibbel“ habe man für die Bütt gewinnen können, so der damalige Sitzungspräsident. Fritz Dütz, 1968 aktuell Prinz „von Eupen zu Döhn“ haben den jungen Karnevalisten Mut gemacht, die Sitzung wäre ein toller Start gewesen. „Finanziell aber war es ein Desaster mit einem Minus von 400 Mark, die dann glücklicherweise von Frau Palm übernommen wurden“, berichtete Wolli Klein. Damals hatten ihm Ewald Brockmann, der sich aus seiner Wahlheimat Saint Malo schriftlich gemeldet hatte, und Bernie Reul zur Seite gestanden.
Programm konnte gesteigert werden
„Die Arbeitsgemeinschaft bestand schon 1969 schon nicht mehr, so dass sich die Katholische Jugend Linz dem Kinderkarneval annahm und die 2. Sitzung mit Bravour durchführte, wobei das Programm noch gesteigert werden konnte“, erinnerte Wolli Klein. Gleich um wen es sich handelte, jeder der Mitwirkenden habe auf der Bühne sein Bestes gegeben und das junge Publikum begeistert, wie etwa Bruno Hoppen oder er selber mit seinen Freunden Manfred „Mela“ Küpper und Heinz-Werner „Wibbel“ Wipperfürth als die legendären „Drei Botzen“. Präsidenten in diesen Jahren waren neben Wolli Klein Josef Schmitz, Werner Kill, Jürgen Gisch und Heinz Lück, der im Jahre 1975 dreizehnjährig zum ersten Mal in die Bütt stieg, um über seine Erlebnisse als „Hilfsschüler“ mit zündenden Witzen zu berichten. Der jüngste Mitwirkende, der jemals in der Jugendsitzung auftrat, war 1992 Jan Erik Burkard als „Et Pitterche“, der von seinem Onkel Hans Walter Burkard in de Bütt geführt wurde, bevor er als Elfjähriger den Saal mit seinem Gesangsvortrag zu tosendem Beifall hinriss. Von 1975 bis 1977 wurde die Jugendsitzung von Präsident Matthias Thür geleitet, der angesichts seiner langjährigen Mitgliedschaft im Jugendelferrat mit dem Orden „Linzer Pänz Alaaf“ geehrt wurde. Weitere Präsidenten waren Jürgen Berg, Klaus Birrenbach, Thomas Schmitz, Stefan Klein, Bernd Fischer, Martin Hoppen, Jan Eric Burkard, Raphael Piotrowski, die Zwillinge Marvin und Phillip Maur sowie Jan Lück.
1983 wurde der Jugendelferrat dann als selbstständiges Corps der Großen Linzer KG angeschlossen, konnte sich aber nur Dank der Unterstützung der Stadt Linz, der ansässigen Geldinstitute, vieler Unternehmen und auch Privatleuten halten. Für die Linzer Corps war es in der Folgezeit eine Ehrensache, die Jugendsitzung durch tänzerische Einlagen und Märsche zu unterstützen. Die Verantwortlichen der Corps hatten es sehr schnell verstanden, die Jugendlichen für ihre Reihen zu gewinnen. „Ohne Nachwuchs kann der Karneval auch in Linz auf Dauer nicht bestehen. Das aber gilt auch für den Elferrat selber, für den die Nachwuchs-Requirierung durchaus ein Problem ist, weil die spätestens im Jugendalter in das Corps ihrer Eltern wechseln, anstatt zu uns zu kommen“, beklagte Jürgen Pappendorf, der 2014 wieder das Amt des Geschäftsführers übernommen hat, nachdem Martin Flöck ihn als Kommandant der Cremeschnittchen abgelöst hatte.
Heute mehr tänzerische Einlagen
Im Laufe der Jahre wandelte sich der Stil der Jugendsitzung etwas: Waren es in den ersten Jahren viele Büttenredner, so werden bis heute mehr tänzerische Einlagen der Kinder- und Jugend-Tanzgruppen der Linzer Corps dargeboten. Man denke aber auch darüber nach, den jungen Gästen mehr Raum zum Toben und Spielen zu lassen.
1983 drohte die Jugendsitzung einzuschlafen, da der bis dahin amtierende Elferrat aus Altersgründen komplett zurücktrat. Ein neuer Präsident mit Jugendelferrat musste gefunden werden. Elferratsmitglied Hans Walter Burkard nahm sich der Sache an und fand mit Stefan Klein den geeigneten Kandidaten für das Amt des Präsidenten. Auch ein neuer Elferrat, erstmals mit Mädchen, war schnell gefunden. Seit dieser Zeit hat es sich der Linzer Elferrat in besonderer Weise zur Aufgabe gemacht, dem Jugendelferrat als Pate zur Seite zu stehen und bei der Durchführung der Jugendsitzung zu unterstützen. Im Jahre 2004 stimmt die Mitgliederversammlung einer Satzungsänderung zu und nahm den Jugendelferrat als Bestandteil des Vereins auch formell auf.
„Wir sind stolz darauf, dass es immer wieder Jugendliche gibt, die diese Tradition aufrecht erhalten, damit das karnevalistische Linzer Brauchtum lebendig bleibt“, wandte sich Wolli Klein an den aktuellen Sitzungspräsidenten, Lukas Fiest, der wie er bei seiner ersten Amtshandlung 20 Jahre alt ist. „Ich feiere ja nicht nur Gründungsmitglied der Blau-wiessen Funken und der Jugendsitzung Gold-Jubiläum, sondern war vor 40 Jahren ja auch Prinz“, so der „Mister Fastelovend“ der Strünzer und überreichte seinem aktuellen Nachfolger als Sitzungspräsident den „Gitarren“Prinzen-Orden von Wolli I. „von Sang und Klang“. DL
Mit seinem 78-er Prinzen-Orden zeichnete das Gründungsmitglied Wolli Klein den aktuelle Präsidenten Lukas Fiest aus.
