Allgemeine Berichte | 10.12.2018

Nach einem ereignisreichen Jahr: Kleines Haustener Tierschutzprojekt weitet sich aus

Zum ersten Mal Waldboden unter den Pfoten gehabt

Uta Schrömges` Spendenaufrufe haben sich zu dauerhafter Initiative entwickelt

Im kommenden Jahr werden permanent Hilfstransporte von Hausten aus starten. SOT

Hausten. Für Uta Schrömges aus Hausten neigt sich ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu. Blick aktuell hatte mehrfach über die Tierschützerin und ihre Sammel-Aktionen für ein Tierheim in Rumänien berichtet. Was mit einzelnen Spendenaufrufen begann, hat sich inzwischen zu einer dauerhaften Initiative entwickelt: „Es ist so viel in Bewegung gekommen im Verlauf diesen Jahres“, sagt die 59-Jährige, „das hätte ich nicht zu träumen gewagt.“ Zahlreiche Leserinnen und Leser haben sich an den Spenden-Aktionen beteiligt, insgesamt starteten sechs Hilfstransporte von dem kleinen Bauernhof in Hausten in Richtung Rumänien; zwischen fünf und sechs Tonnen Futter, Decken und Medikamente erreichten inzwischen verschiedene Orte, an denen besonders große Not herrscht.

Neuwieder Ehepaar auf dem Weg nach Rumänien

Der letzte Transport ging am vergangenen Sonntag auf die Reise: Ein deutsches Ehepaar aus dem Raum Neuwied, das sich für Straßenhunde in Ungarn und Rumänien einsetzt, liefert einen Teil der Spenden im Tierheim Satu Mare in Rumänien ab und bringt den Rest nach Bukarest. „Von dort wird das Futter von einem hilfsbereiten Spediteur auf`s Land zu Cati Teiosanu gebracht - zu einer Tierschützerin, die aktuell rund 80 Hunde allein versorgt und derzeit Bäckereien abklappert, um altes Brot für die Tiere zu erbetteln“, berichtet Uta Schrömges - „hier werden die Spenden gerade wirklich ganz dringend gebraucht.“ Wie es Menschen wie Cati Teiosanu, die selbst nichts haben, schaffen, bei all dem Leid und den Schwierigkeiten die Hoffnung nicht zu verlieren, sei ihr ein Rätsel, sagt Schrömges, „und Frau Teiosanu ist ja nicht die einzige - viele Menschen in Ländern wie Rumänien, Ungarn und Bulgarien setzen mit sich ganz viel Herzblut für andere Menschen oder für Tiere ein, obwohl sie selbst sehr arm sind.“

Leid ist Leid - unabhängig von der Spezies

Auf die Diskussion, ob man sich nicht eher für notleidende Menschen einsetzen sollte, lässt sich Uta Schrömges heute nicht mehr ein: „Mein anerzogener Anstand und die katholische Prägung hat den Kritikern der Tierschutzarbeit lange Zeit recht gegeben“, sagt Schrömges, „aber wer sich mit den Zuständen wirklich einmal aufrichtig befasst - und damit meine ich nicht, einen kurzen Blick darauf zu werfen, um dann schnell weiterzublättern oder umzuschalten -, dem müsste die eigene gesunde Empathiefähigkeit eine klare Antwort geben: Leid ist Leid - ganz unabhängig von der Spezies.“ Gerade dann, wenn man den Impuls verspüre, sich möglichst schnell abzuwenden, Augen und Ohren zuzuhalten, das Thema zu wechseln, sei das doch ein mehr als deutliches Zeichen, dass da irgendwas nicht in Ordnung sei, „und da ist Zivilcourage gefragt - jeder, der nicht mehr wegschaut, zählt.“ Die Tatsache, dass Kritik meist von Menschen komme, die sich selbst überhaupt nicht einbrächten, erstaune sie allerdings schon, sagt Uta Schrömges: „Ich sage dann: Wenn ihr wollt, dass Menschen geholfen wird, dann werdet selbst aktiv, stellt auch was auf die Beine - ich unterstütze das dann auch sehr gerne“, - es könne wirklich keiner von ihr verlangen, dass sie „die Welt alleine rette“. „Wenn alle sich aktiv nur ein bisschen einbringen würden - in dem Bereich, der ihnen selbst wichtig ist - würde die Welt schon ganz anders aussehen.“

Netzwerke sind entstanden

Durch die Spendenaktionen kamen im Laufe des Jahres viele Besucher nach Hausten, zahlreiche Kontakte unter Gleichgesinnten haben sich ergeben, kleine Netzwerke sind entstanden. „Ich dachte bisher eigentlich, ich bin doch ziemlich alleine mit meinem Engagement“, gesteht Uta Schrömges, „diese Auffassung musste ich in den vergangenen Monaten jedoch revidieren.“ Zwar spendeten auch einige Menschen, die bisher noch wenig Berührung mit der Tierschutz-Thematik hatten, viele engagieren sich jedoch ganz im Stillen und teilweise bereits seit vielen Jahren in den verschiedensten Bereichen: Für die Vermittlung von Hühnern und anderen deklarierten „Nutztieren“ nach ihrer „Gebrauchszeit“ und für deren würdigen Lebensabend, für die Kastration und die Versorgung von herrenlosen Katzen, für die Aufzucht von „wilden Waisen“, als Pflegestellen für Hunde, gegen die Hobby-Jagd und für ein modernes Wildtier-Management. „Ich habe wirklich viele tolle Menschen kennenlernen dürfen - und auch viel dazugelernt, das tat richtig gut“, freut sich Uta Schrömges. Das Jahr hatte aber auch seine traurigen Seiten: Hündchen Dragutza starb im Sommer nach nur acht Monaten bei der Tierschützerin, „das war ausgesprochen bitter und hat mir und allen, die Dragutza hier erlebt haben, sehr zugesetzt“, so Schrömges.

Dragutzas letzten Sommer konnte sie genießen

Zwar sei sie darauf vorbereitet gewesen, dass Dragutza nicht mehr allzu viel Zeit haben würde, denn sie war schon sehr alt, als sie aus Rumänien kam - doch dass es so schnell gehen würde, war nicht klar: „Leider haben Tierärzte nicht erkannt, dass Dragutza an einem Lebertumor litt - erst, als alles zu spät war. Vielleicht hätte man ihr mit schonender Medizin noch ein bisschen Zeit schenken können.“ Die Hündin hatte in Hausten hochbetagt zum ersten Mal Waldboden unter die Pfoten bekommen, war zum ersten Mal in ihrem Leben durch einen Bach gelaufen, hatte sich, auf einer Wiese liegend, die Sonnenstrahlen auf das Fell scheinen lassen und das sichtlich genossen. Zum ersten Mal im Warmen, im eigenen Körbchen schlafen - „all das durfte sie immerhin noch kennenlernen“, so Schrömges. „Auch wenn sie schon wackelig auf den Beinen war - einen Spaziergang wollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.“ Der Abschied fiel zwar sehr schwer, „aber ich bereue keine Sekunde, dass ich Dragutza aufgenommen habe“, stellt Uta Schrömges klar, „gerade für alte Hunde sind die Winter im Tierheim grausam.

Auch alte Tiere sind Bereicherung

Und wenn man ihnen schon nur einen ersparen kann und sieht, wie sie in kürzester Zeit regelrecht aufblühen, ist das schon alles wert.“ Überhaupt seien alte Tiere etwas ganz Besonderes, „das mit dem Tod muss man einfach auf die Reihe bekommen - da muss man einfach streng mit sich selbst sein. Das darf einen keinesfalls abhalten, gerade ein altes Tier aufzunehmen - die Zeit mit Dragutza war eine einzige Bereicherung.“

Im kommenden Jahr werden permanent Hilfstransporte von Hausten aus starten, „wir haben inzwischen einige Möglichkeiten, Futter und andere Hilfsmittel flexibel auch an abgelegne Orte zu bringen - eben dahin, wo die Spenden am dringensten gebraucht werden“, freut sich die Initiatorin der Aktionen. Insgesamt sei der Wahnsinn allerdings hausgemacht: „Die EU zahlt Hundefängern in Rumänien umgerechnet 50 Euro pro Hund, den sie in einer Tötungsstation abliefern - damit soll das Streuner-Problem seit vielen Jahren schon ´gelöst` werden“, schüttelt Uta Schrömges resigniert den Kopf.

Weltfremde Politik

„Eine solche Politik ist wirklich mehr als weltfremd: Die gute Entlohnung macht das Tierleid doch für viele Menschen gerade attraktiv! Da ist doch nur klar, dass viele nicht ernsthaft wollen, dass es keine Straßenhunde mehr gibt und sich sogar gegen flächendeckende Kastrationen verweigern.“ Die EU habe aus dem Leid der Tiere - und der Menschen - ein übles Geschäft gemacht, „wenn ich bedenke, dass eine Kastration nur zwischen 25 und 35 Euro kostet“, seufzt Uta Schrömges, „wenn die Verantwortlichen wollten, wäre das Problem so schnell im Griff.“ Sie gebe die Hoffnung nicht auf, dass den zuständigen Politikern noch eines Tages ein Licht aufgehe, sagt die 59-Jährige, „bis dahin ist unsere Solidarität mit den engagierten Menschen und den Tieren dort einfach gefragt.“

Wer sich an den kommenden Hilfsaktionen beteiligen möchte, kann sich bei Uta Schrömges melden unter Tel. (0 26 55) 96 28 68 oder (01 51) 40 14 79 57. Aktuell werden Futter und Medikamente am dringendsten benötigt.

Der Abschied von Dragutza fiel sehr schwer.

Der Abschied von Dragutza fiel sehr schwer.

Im kommenden Jahr werden permanent Hilfstransporte von Hausten aus starten. Fotos: SOT

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