3. Steinhauersymposium auf der Mendiger Museumslay
Zum ersten Mal stellten zwei Schmiede ihr Handwerk vor
Sieben befreundete Künstler ließen sich von dem einmaligen Ambiente des steinreichen Freilichtmuseums inspirieren
Mendig. In der Zeit vom 5. bis 11. August waren auf der Mendiger Museumslay –wie anno dazumal- die rhythmischen Klänge von Hammer und Meißel zu vernehmen, die von der kunstvollen Bearbeitung heimischer Basaltlavasteine erzählten. Während jedoch die Layer ursprünglich noch mit Werkzeugen wie dem Wetzkopf arbeiteten, erleichtern heute Presslufthämmer und Steinsägen die schwere körperliche Arbeit.
Der Grund für die „klingende Lay“ war ein Steinhauersymposium, zu dem der Mendiger Steinmetz und Bildhauer sowie Vorsitzende der Layerbruderschaft, Werner Geilen, bereits zum 3. Mal auf die Mendiger Museumslay eingeladen hatte. Insgesamt sieben höchst ambitionierte Künstler, die sich freundschaftlich miteinander verbunden fühlen, ließen sich während ihres einwöchigen Miteinanders sowohl von dem einmaligen Ambiente des Freilichtmuseums als auch von ihren eigens im Steinbruch ausgesuchten Basaltfindlingen inspirieren.
Im Umgang mit dem von allen sehr geschätzten Mendiger Basaltlavastein erwiesen sich die Kunstschaffenden: Knut Hüneke (Heidelberg), Guido Krämer (Ettringen) Thomas Müller (Ettringen) und Werner Geilen (Mendig) als besonders fachkundig und einfühlsam.
Die Künstler
Maria Hill aus Burg an der Mosel, die bisher ausnahmslos mit Alabaster arbeitete und sich zum zweiten Mal an einen Basaltlavastein wagte, legte bei ihrer Arbeit großen Wert darauf, den Stein nicht zu verkleinern, sondern lediglich leichter zu machen. So markierte sie zunächst die äußeren Punkte des von ihr ausgesuchten Steins, um dann innerhalb dieses „Rahmens“ in ihn einzudringen. Das Exponat der Künstlerin zeigt eine in sich ruhende Gestalt. Interessant ist dabei, wie die Dynamik und die Kraft des Steines sich auf den etwas gedrungenen Frauenkörper übertragen. Maria Hill arbeitet vorwiegend mit Pressluft, bevor sie die Feinheiten manuell ausarbeitet.
Mit Richard Frensch hat sich ein Künstler unter die Bildhauer begeben, der sich bereits weit über die Region hinaus als Maler und Mitglied der Mayener Künstlergemeinschaft Augstmühle einen sehr guten Namen gemacht hat. Seit Beginn des Jahres 2006 beschäftigt er sich intensiv mit der abstrakten Malerei in Acryl. Hierbei wird der Untergrund mit einem speziellen mineralischen Aufbau auf der Leinwand entsprechend vorbearbeitet, bzw. mittels einer bestimmten Technik eine allein schon für sich sehr wirkungsvolle Untergrundstruktur geschaffen. Er fertigte eine erste Bleistiftzeichnung zu dem Stück „Einer, wie er“ und schuf zu dem Theaterstück „Er ist wieder da…“ ein Werk in Acryl, welches noch nicht ganz fertig wurde. Nachdem nämlich die Werke der Bildhauer Gestalt annahmen, ließ er sich von der gesamten Szene auf der Museumslay zu der Schaffung eines beeindruckenden Triptychons animieren.
Für Mohammed Taherian war die Arbeit am Basaltstein eine Premiere. Der aus dem Iran stammende und nunmehr in Mayen wohnende Künstler hatte sich bis dato erfolgreich mit der Bearbeitung von Holz befasst. Seine bis ins kleinste Detail skizzierte kraftvolle Faust, die mit einem traurig blickenden Mann verschmilzt, zog die Blicke vieler Besucher auf sich. Da in seiner Heimat ein Mann ohne Frau nicht stark, sondern eher traurig ist, hat der Künstler auf den Handrücken den Satz eingemeißelt: „Die endgültige Verantwortung für den Weltfrieden ist die einzigartige Umarmung eines Wesens namens Frau.“
Wenn auch nicht gerade alltäglich, dennoch als absolut funktionstüchtig erweist sich ein Stehtisch, den Thomas Müller aus Basaltlavastein geschaffen hat. Während er die natürlichen Kanten stehen ließ, höhlte er den Stein aus, was wiederum der Konstruktion eine gewisse Leichtigkeit gibt. Für ein bequemes Stehen an dem Tisch schuf Müller entsprechende Fußablagen. Damit der Stehtisch auch zum Einsatz kommt, wird er mit einer edlen Glasplatte „gekrönt“. Während Thomas Müller seinen Stehtisch für den eigenen Garten geschaffen hat, können die Exponate der anderen Künstler käuflich erworben werden.
Guido Krämer aus Ettringen bearbeitete dagegen zunächst eine ca, 200 Kilo schwere Stele aus extrem hartem afghanischem Basalt und setzte darauf einen geometrischen, äußerst filigran gestalteten Körper aus Mendiger Basaltlavastein, der über der Stele geradezu schwebt. Guido Krämer, ist Vorsitzender des Ettringer Steinmetzvereins und richtet das nächste Steinhauersymposium im Jahr 2020 wieder in Ettringen aus. Zum Abschluss des Symposiums findet ein drei Tage währendes Steinmetzfest mit einem umfangreichen Rahmenprogramm statt.
Knut Hüneke aus Heidelberg kommt immer wieder gerne in die Osteifel, um hier mit seinen Kollegen zusammen zu arbeiten. Bei der individuellen Arbeitstechnik des Künstlers handelt es sich um eine Inspiration aus dem alten Ägypten, wo nach seinen Worten heute noch in alten Steinbrüchen unfertige Skulpturen zu sehen sind, deren Linien darauf hinweisen, dass hier die vorgesehene Form direkt auf dem Stein skizziert worden war. Das heißt, die Linien machen deutlich, dass man sich damals von der Form des Steines leiten ließ.
Workshop mit dem Wetzkopf
Auch beim 3. Steinhauersymposium auf der Mendiger Museumslay ließ Hüneke sich von seinem aus Werner Geilens Bestand ausgewählten Stein zur Schaffung eines Steinwesens inspirieren. Besonders angetan zeigte er sich von einem so genannten „Wetzkopf“. Dabei handelt es sich um einen Steinbrecher-Hammer, von dem kaum noch jemand weiß, wie er richtig eingesetzt wird. „Dieses Werkzeug gibt es nur in der Eifel und ist sehr effizient. Wir werden die Handhabung des Wetzkopfes hier im Rahmen eines parallel laufenden kleinen Workshops erlernen“, so Knut Hüneke. Werner Geilen, der aus einer alten Steinhauerfamilie stammt, stellt in seinem „Privat-Museum“ u.a. auch einige Wetzköpfe aus. Nach seinen Worten ist das „Auge“ des Wetzkopfes entscheidend für den präzisen Einsatz und ist gleichzeitig die effizienteste Art, Steinmaterial grob wegzuschlagen. Während die Arbeit mit dem Wetzkopf von den Steinsägen abgelöst wurde, konnten Werner Geilen sowie Guido Krämer und Thomas Müller sehr geschickt damit umgehen. Für Knut Hüneke, der sich ebenfalls erfolgreich an die Arbeit mit dem Wetzkopf heranwagte, war es ganz besonders spannend, mit dem Werkzeug von früher arbeiten zu dürfen.
Übrigens, ist es dem enormen Engagement von Werner Geilen zu verdanken, dass die inzwischen zum Teil von der Stadt Mendig erworbene Museumslay heute als touristisches Highlight in der Brauerstraße gilt. Er sorgte dafür, dass neben seinem Privatmuseum auch die dort zu besichtigende Steinmetzhütte sowie die Schmiedewerkstatt, diverse Kräne und vieles mehr heute noch an die Arbeit der Layer erinnern. Wenngleich er zu Beginn des Symposiums eine klare Vorstellung von seinem zu schaffenden Kunstwerk hatte („es wird in jedem Fall hoch in den Himmel ragen!“) verwarf er seine ursprüngliche Idee von einem Bienenhaus und entschied sich letztlich für einen Vulkanpils, der –wie geplant- energiegeladen und kraftvoll in den Himmel ragt.
Zum ersten Mal waren zwei Schmiede dabei
Zum ersten Mal wurde das Steinhauersymposium auf der Museumslay am Samstag durch die Arbeit von zwei Schmieden bereichert. Als Jörg Wienpahl gegenüber Werner Geilen erwähnte, dass er vor 45 Jahren eine Ausbildung zum Schmied absolviert hatte, lud Werner Geilen ihn kurzerhand ein, da die 1996 von ihm nachgebaute Schmiedehütte, auf dem städtischen Gelände bereits seit Jahren im Dornröschenschlaf verharrt. Die Werkzeuge, bzw. die Einrichtung der Schmiede wurde von der Familie des Hufschmieds und Schmieds Ludwig Müller als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Nachdem auch der Schmiedemeister Michael Gieser, seine Teilnahme zugesagt hatte, freute sich Werner Geilen sowie die vielen Interessierten Besucher, die beiden Schmiede begrüßen zu dürfen.
FRE
Knut Hüneke (li) und Richard Frensch präsentieren ihre Exponate auf der Museumslay.
