Allgemeine Berichte | 27.03.2020, 15:33 Uhr

WEISSER RING befürchtet deutlich mehr Gewalt zu Coronazeiten

Zunahme an Gewalttaten?

Besorgniserregend: Häusliche Gewalt wird ansteigen, davon gehen Experten aus

Kreis MYK. In der Corona-Krise wird es zu deutlich mehr Fällen von häuslicher Gewalt kommen als sonst. Davon geht der WEISSE RING aus, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. „Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen“, sagt Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des WEISSEN RINGS.

„Die Corona-Krise zwingt die Menschen, in der Familie zu bleiben, hinzu kommen Stressfaktoren wie finanzielle Sorgen und Zukunftsunsicherheit. Diese Spannung kann sich in Gewalt entladen“, warnt Ziercke. „Unsere Opferhelfer kennen das von Festtagen wie Weihnachten: Wenn die Menschen tagelang zu Hause sind, gehen die Fallzahlen in die Höhe. Die Kontaktsperre wegen Corona dauert aber sehr viel länger als Weihnachten, die Stressfaktoren sind auch größer.“

Wie groß die Gefahr ist, belegen aktuelle Berichte aus China, wo Familien zum Teil bereits seit zwei Monaten in häuslicher Quarantäne leben. In dieser Zeit hätten sich die Hilfegesuche von Gewaltopfern verdreifacht, erklärte eine Sprecherin der Frauenrechtsorganisation Weiping vor Kurzem gegenüber der britischen BBC. Der WEISSE RING befürchtet nun auch für Deutschland, dass mit den Maßnahmen zum „Social Distancing“ Tausende Gewaltopfer den Tätern ausgeliefert sind.

Die Gewalt geschieht jetzt – sichtbar wird sie aber erst, wenn die Kontaktsperren aufgehoben sind. Das zeigen die Erfahrungen der Opferhelfer nach den Weihnachtstagen: Betroffene melden sich nicht, solange sie mit den Tätern auf engem Raum zusammensitzen.

Häusliche Gewalt ist auch in „normalen“ Zeiten in Deutschland alltäglich: Mehr als 140.000 Fälle wurden 2018 bei der Polizei angezeigt – statistisch wird demnach knapp alle vier Minuten ein Mensch Opfer von Gewalt in den privaten vier Wänden. Die Dunkelziffer ist allerdings erheblich, der WEISSE RING geht insgesamt von mehr als einer Million Fälle pro Jahr aus. In diesem Jahr könnten es wegen der Corona-Maßnahmen deutlich mehr Opfer werden.

Der WEISSE RING ruft deshalb Familienmitglieder, Nachbarn und Bekannte zu besonderer Achtsamkeit auf. Die Opferhelferinnen und Opferhelfer des WEISSEN RINGS sind auch während der Corona-Krise erreichbar: täglich von 7 bis 22 Uhr unter der bundesweiten Rufnummer 116 006, online unter www.weisser-ring.de sowie telefonisch vor Ort in der Außenstelle des WEISSEN RINGS im Kreis Mayen-Koblenz unter Tel. (01 51) 55 16 47 02.

Wir kennen mögliche Anlaufstellen wie Frauenhäuser oder Schutzräume, wir können finanzielle Hilfen geben, um Flucht zu ermöglichen. Und ganz wichtig: Rufen Sie in einer akuten Gefahrensituation die Polizei unter 110! Denn selbstverständlich gelten auch jetzt die Regelungen des Gewaltschutzgesetzes: Wer schlägt, der geht! So besteht die Möglichkeit, durch die Polizei die Täter aus der Wohnung zu weisen und ein gerichtliches Näherungsverbot zu erwirken.

Für Fragen rund um das Thema Corona hat der WEISSE RING eine Info-Seite eingerichtet: www.weisser-ring.de/corona

Pressemitteilung

ASt. Mayen-Koblenz

des WEISSEN RINGS

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