Fotoausstellung über außergewöhnliche Menschen in der Kreissparkasse Ahrweiler eröffnet

„Zurück im Leben“

27.06.2016 - 09:03

Ahrweiler. Eine Mut machende, neue Ausstellung ist in die Kreissparkasse Ahrweiler eingezogen. „Zurück im Leben“ handelt von Menschen, die sich nach einem Schwerstunfall eine neue Normalität und Lebensqualität erobert haben. Von dieser ungeheuren Leistung mit Unterstützung von Medizinern, Therapeuten, Freunden und Familienmitgliedern erzählt die Ausstellung. Auf Initiative der Unfallkasse Rheinland-Pfalz hat Fotograf Michael Hagedorn 16 Versicherte während und nach der Rehabilitationsphase mit der Kamera begleitet. Die Bilder zeigen sie im Alltag zuhause mit den Angehörigen, in enger Zusammenarbeit mit Therapeuten, Ärzten und Rehabilitations-Managern der Unfallkasse und bei der Freizeitgestaltung. In Ludwigshafen, Worms, Kaiserslautern, Trier und zuletzt in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin stieß die Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits auf große Resonanz. In der Kreissparkasse Ahrweiler macht sie zum fünften Mal Station im Land. Guido Mombauer, Vorstandsmitglied der KSK Ahrweiler, begrüßte zur Vernissage in der Ahrweiler Hauptniederlassung den Beigeordneten der Kreisstadt Hans-Jürgen Juchem, Olaf Röttig, Geschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz, Manfred Breitbach, Geschäftsführer der Landesunfallkasse und Stefan Möller von Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler. Er freute sich über die Ausstellung und darüber, dass etliche Protagonisten, manche mit Angehörigen, den Weg nach Ahrweiler gefunden hatten. Mombauer „Gleichzeitig sind wir dankbar, dass wir mit der Unfallkasse Rheinland-Pfalz einen kompetenten und zuverlässigen Verbundpartner an unserer Seite haben, der für seine Versicherten da ist und sie unterstützt.“


Mut machen und motivieren


„Hinter den Bildern verbergen sich immer Geschichten“, weiß Unfallkassen-Geschäftsführer Breitbach. Nichtsahnend gingen die Menschen aus dem Haus, dann widerfuhr ihnen Dramatisches. Für sie gab es eine Zeit, „in der man sich fragt, hat man noch Lebensmut?“ In der Ausstellung gehe es um den Menschen, „als Mensch mit Möglichkeiten“, unterstützt durch Mediziner, Therapeuten, Familie, Arbeitgeber. Der Fokus liege darauf, dass die Betroffenen das Spektrum nutzen, das ihnen geblieben ist. Wichtig sei eine nähere Beziehung zur Fachberatung der Unfallkasse und zu den Menschen im Umfeld. Das drücken auch die Fotos aus, die die Menschen trotz ihrer Behinderung aktiv und in Kontakt mit anderen zeigen. „Letztendlich geht es darum, dass man grundsätzlich eine Chance hat mit all denjenigen, die zum Netzwerk der Unterstützung gehören“. Ziel dieser Ausstellung sei es, Menschen nach einem schweren Unfall oder ähnlichen Situationen, Mut zu machen und zu motivieren, „wieder ein liebens- und lebenswertes Leben zu führen“, sagte Breitbach.


Individuelle Bewältigung


Die Menschen reagieren verschieden. Sabrina Busch aus Altenahr, die in Mainz studiert, hat nie den Lebensmut verloren, auch als sie begriff, dass sie ständig im Rollstuhl sitzen würde. Aber als Otto Pflug aus Weißenthurm bei Koblenz kurz vor dem 36. Geburtstag nach einem Autounfall querschnittsgelähmt war, „wollte ich nicht mehr leben“, wie er leise sagt. „Man musste mir in der ersten Woche Messer, Schere, Gabel wegnehmen“, fügt er hinzu. Es war mit seiner Frau ein halbes Jahr zuvor von Kasachstan nach Deutschland gekommen. In seinem Kopf türmten sich die Sorgen. Was sollte mit seiner Familie werden, aus den Töchtern, vier und sieben Jahre alt? Ein Mitpatient im Krankenhaus riet: „Du brauchst jetzt eine Gehirnwäsche. Stelle alle Schalter auf null und starte neu“. An diese Botschaft hielt er sich. Seine Frau versicherte ihm, „wir bleiben in jedem Fall zusammen“. Halt gab auch das Rehabilitations-Management der Unfallkasse. Es half eine größere, behindertengerechte Wohnung zu finden und organisierte medizinische Nachsorge und Pflege zuhause. Mehr als 20 Jahre danach sieht man den früheren LKW-Fahrer Otto Pflug, der aufgrund seiner Behinderung erwerbsunfähig und Rentner ist, auf den Fotos mit Enkel Rayen Rennen im Wohnzimmer fahren - er im Rollstuhl und der Kleine auf dem Bobbycar. Ansonsten ist Pflug im umgebauten Auto unterwegs und macht mit seinem Handbike selbstständig Touren am Rhein. Bis Bad Breisig ist er schon gefahren. „Ich habe am liebsten, wenn es regnet“, erzählt er und erklärt mit einem verschmitzten Lächeln, „vielleicht weil ich als Sternzeichen Wassermann bin“.


Niemals aufgeben


Was er anderen Menschen mitgeben will? „Man soll nie aufgeben, sonst hat man schon verloren“, sagt Manuel Fuchs aus Marienrachdorf. Gerade am Anfang musste er oft gegen seine Verzweiflung angehen. Bei einem schweren unverschuldeten Unfall mit dem Motorrad kollidierte der damals 17-Jährige mit einem Schulbus, flog zwölf Meter durch die Luft und wurde dann von einem Motorrad überrollt. Fast ein Jahr lang saß er im Rollstuhl. Jeden Tag kam die Krankengymnastin, zwei Mal die Woche gab es Bewegungsbad, außerdem Hirnleistungstraining. Mit viel Disziplin hat der Westerwälder es auf die eigenen Beine und zu mehr Beweglichkeit geschafft. Besonders geholfen hat ihm in der schwersten Zeit, „dass er nach dem Krankenhaus wieder nach Hause in seine gewohnte Umgebung kam“, meint seine Mutter und er stimmt zu. Nach dem Unfall lernte er Tina, seine Frau, kennen. Zusammen mit ihren zwei Kindern bilden sie ein glückliches Familien-Kleeblatt, das im selbst gebauten Eigenheim lebt. Außerdem hat Fuchs einen sicheren Arbeitsplatz. Auch Joachim Meurer aus Rheinböllen war erst 17 Jahre alt, als auf dem Weg zur Berufsschule Cochem verunglückte und die Diagnose „Querschnittslähmung“ lautete. „Zuerst war ich in Lethargie.“ Monate verbrachte er in der Klinik. „Es hat lange gedauert, bis ich die Situation akzeptiert habe“, erzählt er, der heute ein facettenreiches Leben gestaltet. Meurer arbeitet bei der KFZ-Zulassungsstelle und wohnt mit seiner Frau und Zwillingssöhnen in Rheinböllen. Er ist leidenschaftlicher Basketballspieler in der Rollstuhl-Sportgemeinschaft Koblenz, geht auch gerne mit dem Handbike auf Tour. Ein anderes Foto zeigt ihm beim Staubsaugen: „Klar beteilige ich mich bei der Hausarbeit, dafür kann ich einige traditionell männliche Arbeiten nicht übernehmen. Rasenmähern und Schneeschippen, das machen die Söhne.“ Der Germersheimer Robin Knopf, Wirtschaftsingenieur, nimmt mit seinem Hightech-Liegefahrrad an Marathons im In- und Ausland teil. Auch Wolfgang Gansen aus Koblenz engagierte sich lange im Behindertensport und war engagierter Rollstuhlbasketballer. Mit Frau Renate genießt er nun den Ruhestand im Eigenheim mit eingebautem Fahrstuhl. Die positive Botschaft, die von dieser Ausstellung ausgeht, spricht nicht nur einen eingeschränkten Personenkreis an, sondern alle Menschen, da jedes Leben Herausforderungen stellt. Unter www.ukrlp.de gibt weitere Infos. Die Ausstellung ist in der Kreissparkasse Ahrweiler, Wilhelmstraße 1, bis Montag, 18. Juli zu sehen. HG

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germät:
Alle Jahre wieder und fast nichts geschieht! Die meisten Fahrräder haben gar kein Licht. Hier ist Schutz für "Alle" aber auch für sich selbst eingefordert. Fahrräder instand setzen und vorführen lassen. Ansonsten passiert hier gar nichts! ...
juergen mueller:
Was sind das für Akten? Ist deren Inhalt maßgebend für Schuld oder Unschuld, für Versäumnisse u. Verfehlungen auch von Frau Dreyer? Die Opposition will weitere Köpfe rollen sehen u. packt ihren altbekannten Vorschlaghammer aus, ohne jedoch (wie hier) konkret zu werden. Ein unfaires, zugleich intrigantes...
G. Friedrich:
Alles fängt im Elternhaus an und die jungen Taugenichtse haben es wohl nicht besser gelernt. Die Quittung der modernen und digitalen Zeit und volles Versagen der Generation XYZ. Was soll noch Gutes in diesem Land wachsen ?...
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