Allgemeine Berichte | 17.05.2018

Der Integrationsbeirat des Landkreises Neuwied tagte im Sitzungssaal des Linzer Rathauses

Zuwanderer spielen in der Kriminalstatistik eine untergeordnete Rolle

Karl-Heinz Wölbert hatte das Linzer Rathaus für die Sitzung des Kreis-Integrationsbeirats vorgeschlagen . DL

Linz. Mit einer Verabschiedung begann die jüngste Sitzung des Beirates für Migration und Integration des Landkreises Neuwied, dessen Mitglieder um die Vorsitzende, die Linzerin Violeta Jasiqi, und ihre Vertreterinnen, Georginah Rehema Nussbaumer aus Hausen und Aynur Ergin aus Rheinbreitbach, der Linzer Stadtbürgermeister Hans Georg Faust Anfang der Woche im Ratssaal begrüßen konnte. „Sie waren in den zurückliegenden knapp fünf Jahren immer eine große Unterstützung für uns und haben den Beirat kompetent betreut“, bescheinigte Violeta Jasiqi der scheidenden Integrationsbeauftragten des Landkreises, Andrea Oosterdyk, bevor sie diese zusammen mit ihren Stellvertreterinnen nicht nur mit Blumen beschenkte.

„Ich habe mich seit langen Jahren mit den Themen Integration und Migration befasst und werde den Beirat auch in meiner zukünftigen Funktion als Bildungs-Koordinatorin nicht aus den Augen verlieren“, versprach Andrea Oosterdyk. Bei ihrer Arbeit als Integrationsbeauftragte sei sie immer wieder von neuen Entwicklungen eingeholt worden, was manchmal schon ziemlich frustrierend gewesen sei, erinnerte sie. „Leider kann ich Ihnen meine Nachfolgerin, Kerstin Schwanbeck-Stephan noch nicht vorstellen, da sie sich nicht im Urlaub befindet, so dass ich ihr das Amt erst am 1. Juni offiziell übergeben werde“, erklärte Andrea Oosterdyk.

Anschließend ging der Syrer Abdulmunen Albatran auf die Situation in seinem Heimatland ein.

„Rund 11,6 Millionen meiner Landsleute sind innerhalb oder außerhalb Syriens auf der Flucht. Regierungstruppen werden von verschiedene Oppositions- und Rebellengruppen wie der Freien Syrischen Armee, kurdischen Milizen und vom al-Qaida-Ableger „al-Nusra“ bekämpft, die sich aber auch gegenseitig bekämpfen“, beschrieb er die Situation. Nach zehn Jahren Bürgerkrieg sieht er keine Zukunft mehr für sich in einer Heimat. „Wenn ich jetzt zurückgehen würde, käme ich als Oppositioneller ins Gefängnis oder würde sofort getötet. Ich glaube, dass dies rund 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer auch so sehen. Auch sie wollen hier bleiben und deshalb ist eine Familiennachführung so wichtig“, schloss er seine Ausführungen.

Flüchtlinge konnten dezentral untergebracht werden

Trotz des unerwarteten Andrangs ab dem September 2014 sei es der VG Linz gelungen, die dieser Region zugewiesenen Flüchtlinge dezentral unterzubringen, berichtete Elke Wagner-Hürter, die Abteilungsleiterin „Bürgerdienste, Schulen und Soziales“ in der Linzer Verwaltung. „Wir hatten in der VG 39 Wohnungen zur Unterbringung der Asylbewerber angemietet, von denen inzwischen 22 Wohnungen schon gekündigt werden konnten. Nur noch 42 Personen, 16 Afghanen, 22 Syrer und vier Türken, wohnen in von der VG angemieteten Wohnungen“, berichtete sie. Insgesamt 327 Flüchtlinge hätten untergebracht werden, davon 139 Einzelpersonen, von denen wiederum sieben ihre Familien hätten nachkommen lassen können. Inzwischen hätten 155 Asylbewerber die VG verlassen, mit 94 Personen sei der größte Teil innerhalb des Bundesgebietes, vier in eine sicheres Drittland umgezogen, nur 37 seien in die Heimat zurückgekehrt.

Tatkräftig Schützenhilfe bei der Eingliederung in die Gesellschaft hätten 92 Willkommens- und Sprachpaten geleistet, allerdings hätten die später einsetzenden Migrationskurse viele der ehrenamtlichen Aktivitäten und Kurse einschlafen lassen. Festzuhalten sei allemal, dass Asylanten-Familien mit Paten die Integration schneller gelungen sei. Sagen Sie Ihren Landsleuten, dass sie jede Gelegenheit nutzen sollen, um auf Einheimische zuzugehen. Auch ihre Zurückhaltung, in Vereinen aktiv zu werden, müssen sie ablegen“ wandte sich Elke Wagner-Hürter an die ausländischen Sitzungsteilnehmer.

Dieses auf-Fremde-Zugehen sei alleine schon wegen der Sprachschwierigkeiten nicht so einfach, gab Aynur Ergin zu bedenken. Asylanten-Familien, die über Paten Kontakte zu Nachbarn hätten aufbauen können, seien hinsichtlich der Integration im Vorteil, hob sie hervor, während Karl-Heinz Wölbert ergänzte, dass es auch Linz teils fürchterliche Ansichten über Flüchtlinge gebe und nicht jeder Einheimische offen für entsprechende Kontakte sei. Angesichts des Kontaktverlustes mit Einsetzen der Job-Center-Zuständigkeit forderte Professor Wolfgang von Keitz, dass Stellen in der Verwaltung geschaffen werden müssten, da die Integration eine kommunale Pflichtaufgabe sei und die Flüchtlingszuwanderungen nicht abreißen werde. Im Anschluss ging der neue Leiter der Polizei-Inspektion Linz, der Erste Kriminalhauptkommissar Eduard Sprenger, auf die Kriminalstatistik 2017 bezogen auf die Region der Polizeidirektion Neuwied mit der Stadt Neuwied und zwei Landkreisen näher ein: „Die Zahl der Straftaten ist in den Landkreisen Neuwied und Altenkirchen erneut gesunken und hat damit den niedrigsten Stand in den letzten Jahren erreicht“, dies die überaus erfreuliche Nachricht. Im Kreis Neuwied sank die Häufungszahl von 6.015 um 134 auf 5.881 Fälle. Mit einer Aufklärungsquote von 64,1 Prozent liegt die Polizeidirektion Neuwied leicht unter dem Landesdurchschnitt von 64,4 Prozent.

Als besonders erfreulich bezeichnete Eduard Sprenger den Tatbestand, dass die Anzahl der Wohnungseinbrüche von 713 drastisch auf 486 Fälle zurückgedrängt und damit um 31 Prozent gesenkt werden konnte. Diese würden größtenteils aus osteuropäischen EU-Ländern stammen, Zuwanderer seien unter ihnen nicht zu finden. „Generell stehen sie anders als in etlichen Stammtisch-Diskussionen nicht im Focus der Kriminalstatistik“, hob Eduard Sprenger abschließend hervor. DL

Karl-Heinz Wölbert hatte das Linzer Rathaus für die Sitzung des Kreis-Integrationsbeirats vorgeschlagen . Foto: DL

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