Bundespräsident Steinmeier besuchte mit dem finnischen Präsident Sauli Niinstö die Stadt Unkel
Zwei Staatsoberhäupter zu Gast in der Kulturstadt
Unkel. Ungewöhnlich betriebsam war es jüngst in der beschaulichen Kulturstadt Unkel. Ein Großaufgebot an Polizei und Sicherheitskräften, aber auch die protokollarische Motorradeskorte von 15 Motorrädern hielt sich am 16. November in der Stadt verteilt auf.
15 Motorräder als Eskorte gibt es nur bei offiziellen Staatsbesuchen von Staatsoberhäuptern. Und genau so ein Staatsbesuch wurde in Unkel erwartet. Um 11.10 Uhr legte das Rheinschiff „La Paloma“, begleitet von zwei Polizeibooten und aus Bonn kommend, am Unkeler Rheinanleger an. Dann gingen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit seiner Frau, Elke Büdenbender, und seinen Staatsgästen, dem Präsidenten der Republik Finnland Sauli Niinstö und dessen Ehefrau Jenni Haukio, an Land. Unkel stand am zweiten Tag des Staatsbesuches auf dem Programm.
50 Jahre diplomatische Beziehungen
Grund des Staatsbesuches: Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Finnland und Deutschland diplomatische Beziehungen aufnahmen. Ein guter Anlass, die Beziehungen bei einem Staatsbesuch zu vertiefen und das Jubiläum zu feiern. Und ein knappes viertel Jahrhundert, nämlich 24 Jahre, ist es her, seit es den letzten Staatsbesuch in Bonn gab. „Das ist schon eine besondere Sache, die man nicht alle Tage erlebt“, sagte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen zu BLICK aktuell. Und dann begrüßte er mit Verbandsgemeindebürgermeister Karsten Fehr die vom Schiff kommende hochrangige Delegation.
Der Bundespräsident, gut gelaunt und winkend die Zuschauer grüßend, bedankte sich bei Hausen und Fehr für den herzlichen Empfang. Und der finnische Präsident fand die Stadt schon vom Wasser aus gesehen schön, wie er bei der Begrüßung durch die beiden Bürgermeister auf Englisch sagte. Etliche Zaungäste begrüßten die Delegation Fähnchen schwenkend. Darunter auch eine gerade zufällig an der Alice-Salomon-Schule Linz als Austausch-Schüler weilende Gruppe finnischer und schwedischer Jugendlicher. Da mussten natürlich Fotos geschossen werden und dafür mischten sich die beiden Präsidentenpaare unter die Schüler.
Fachwerk faszinierte
Dann ging es zu einem Spaziergang durch Unkels Gassen, der vom Vorsitzenden des Geschichtsvereins Unkel, Werner Geißler, fachkundig, mit Erläuterungen an wesentlichen Sehenswürdigkeiten, geführt wurde. Oft sahen die Gäste dabei in den engen Gassen hoch zu den Fachwerkbauten, die sie offenbar sehr faszinierten.
Eine ehemalige Telefonzelle auf dem oberen Marktplatz, die inzwischen als Büchertauschstation genutzt wird, weckte Frank-Walter Steinmeiers Interesse. Er betrat sie und schaute durch die Regale mit Büchern. Wieder draußen, antwortete er auf die Frage eines Passanten, ob er denn etwas gefunden hätte: „Ich hätte oben links anfangen und unten rechts aufhören können.“
Brandts Ostpolitik bereitet den Boden für deutsch-finnische Beziehung
Ohne Buch in der Hand ging es weiter zum Willy-Brandt-Forum in Unkel. Brandt lebte bis zu seinem Tode 1992 dreizehn Jahre in Unkel. Und seine als damaliger Bundeskanzler auf Begegnung und Annährung setzende Ostpolitik ermöglichte es 1973, im Vorfeld der Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland und der damaligen DDR in die Vereinten Nationen, dass Finnland und die Bundesrepublik in dem Jahr wieder offizielle diplomatische Beziehungen aufnahmen. Insoweit war Bonn und das benachbarte Unkel wohl nicht zufällig als Ort des Staatsbesuches gewählt.
Die Staatsoberhäupter und deren Gattinnen trugen sich nach einer Führung durch das Forum im nachgebauten Arbeitszimmer Willy Brandts in das Goldene Buch der Stadt Unkel ein. Nicht nur die Bürgermeister Fehr und Hausen waren bei diesem bedeutsamen Akt dabei, auch Brandts Witwe, Brigitte Seebacher.
Mit Eskorte und Zahnradbahn
Nach Unkel letzte Station des Staatsbesuches war das Schloss Drachenburg, wo der Termin nach einem vom Bundespräsidenten und Elke Büdenbender gegebenen Mittagessen endete. Den Weg vom Tal hoch zur Drachenburg legte die Delegation stilecht mit der Drachenfelsbahn zurück. Und nach Königswinter ging es übrigens auch nicht mehr per Schiff, sondern mit dem präsidialen Limousinentross, der von den 15 in perfekter Dreiecksformation vorausfahrenden Motorrädern eskortiert wurde.
Unkels enge Gassen und die Fachwerkbauten wurden von den Präsidenten und ihren Frauen bewundert (v.l.): Jenni Haukio, Präsident Sauli Niinstö, Stadtführer Werner Geißler, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender.
Am Ende des Unkel-Besuches trugen sich die Präsidenten und ihre Gattinnen ins Goldene Buch der Stadt Unkel ein. Stilgerecht im nachgebauten Arbeitszimmer Willy Brandts im gleichnamigen Forum. Hintere Reihe v.l.: Verbandsbürgermeister Karsten Fehr und Stadtbürgermeister Gerhard Hausen.
