Historische Filmmusik in Odendorf
Zweiter Salonmusik- Abend mit dem „Ensemble Beda“
Odendorf. Das Salonorchester Beda trat erneut im Hotel/Restaurant Adler in Odendorf auf. Die Veranstaltung war schon Tage zuvor vollständig ausverkauft, denn jeder wusste, dass man einen wunderschönen zweiten Salonmusik-Abend erleben würde. Welche vergnüglichen deutschen Schlager in geistreichen, auch sehr witzigen Reimen waren über den Film Ende der Zwanzigerjahre in Mode gekommen! In Berlin, der damaligen pulsierenden Kunstmetropole, versuchte jeder, diese neue Kunst in einem der neuen Filmpaläste, die bis zu 3.000 Besuchern Platz boten, zu erleben.
Überall entstanden in den Hauptstädten Europas solche Filmtheater. Eine neue, faszinierende Traumwelt befreite für einige Stunden die Menschen aus dem Alltag. Der 1. Weltkrieg mit der großen Inflation, der Besetzung, dem Hunger war doch noch sehr gegenwärtig. Aber im Film konnte man träumen von Liebe, Glück, Hoffnung, Sehnsucht. Ja, und die Melodien waren eingängig, die Verse oft sehr humorvoll und sehr geschickt gereimt, wie z.B. „Oh Benjamin, ich hab‘ nichts anzuziehn…“ und sie luden zum Mitsingen ein. Viele Titel und Melodien sind tatsächlich der heutigen älteren Generation noch immer bekannt: „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ oder „Wenn der weiße Flieder blüht“ oder „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder …“. So summte auch unter den Zuhörern im Adler manch einer mit. Die Musiker versprachen daraufhin einen weiteren Abend zum Mitsingen! Die musikalische Präsentation war wieder exzellent: Svetlana Goldschmidt mit temperamentvollem Spiel am Klavier, Brigitte Loss-Hoffmann mit ihrem glänzenden Geigenspiel, und der Organisator des Salon-Ensembles Beda, Robert Cramer am klangvollen Akkordeon.
Es gelang den drei Musikern hervorragend, den Geist jener Jahre – Frische, Lebensfreude, ja ein Befreitsein von der damaligen engen, bürgerlich preußischen Strenge - den begeisterten Zuhörern zu vermitteln. Sehr, sehr traurig stimmt es dann immer wieder, dass den großen jüdischen Künstlern jener Zeit ihre Filme, Texte und Kompositionen verboten wurden, und dass sie fliehen mussten. Gerade sie waren freier im Denken, wagten sich an kesse, ja freche Texte im so prüden Deutschland. Der große Textdichter Friedrich Löhner-Beda überlebte Buchenwald nicht. Um sein Andenken und das aller jener jüdischen großartigen Künstler zu bewahren und diese zu ehren, nennt sich das Salonorchester nach dem damals größten Textdichter „Ensemble Beda“.
Die Erläuterungen zu den Filmen (z.B. zu „Der Kongress tanzt“, „Der blaue Engel„ …), für die die Lieder komponiert wurden, waren hervorragend recherchiert und wurden sehr charmant von Brigitte Hoffmann-Loss vorgetragen. Wenn damals die Menschen in den Filmen Entspannung suchten und fanden, so fanden es die Odendorfer im Adler ebenso, denn sie wurden nicht nur musikalisch, sondern auch kulinarisch verwöhnt. Nach den ersten musikalischen Darbietungen gab als Entrée eine schmackhafte Suppe, dann als Hauptgang ein zartes Schnitzel mit einer sehr delikaten Championsoße und feinem Gemüse, und zum Nachtisch - reizend dekoriert - den Klassiker „Birne Helene“, der noch älter ist als das Filmzeitalter. Zwischen den Gängen und zum Abschluss genossen die Gäste viele weitere musikalische Leckerbissen, die mit großem Applaus honoriert wurden. Die Begrüßungsworte sprach die Ortsvorsteherin Elisabeth Kümpel, die auch diesem Abend als eine Bereicherung des Odendorfer Kulturlebens würdigte!
