Im Kriminalstück „Gaslicht“ rücken die Oasianer die Realität wieder ins rechte Licht
Zwischen Wahnsinn und Manipulation
Montabaur. Wohl kaum einer kann von sich behaupten, nicht schon mal an seiner Wahrnehmung oder Erinnerung gezweifelt zu haben. Was im Alltag meist schnell aufgeklärt, kann unter manipulativer Einflussnahme erschreckende Dimensionen annehmen. Und so hieß es auch im Amateurtheater in Montabaur „die oase“ am Wochenende – wenn die Gasbeleuchtung flackert, dann bloß nicht den Kopf verlieren!
1983 im Londoner West End uraufgeführt feierte das Bühnenstück „Gaslicht“ des Dramatikers Patrick Hamilton vor einem Monat im gemütlichen und geschätzten montabäurer Theater seine Premiere. In diesem Kriminalstück, so könne das Publikum beruhigt sein, gäbe es nicht so viele Tote, wie in der letzten Inszenierung, beruhigte der Regisseur Hans Schilling zu Beginn der neunten Aufführung das Publikum scherzend. Doch nicht weniger spannend und unterhaltsam hat das gut harmonierende, siebenköpfige Ensemble im perfiden Psychothriller die Pole zwischen menschlichem Abgrund und geschätzter Nächstenliebe bespielt und beeindruckend abbilden können.
Mit seinen gläsernen, stechend blauen Augen spielte der Oasinaer Bernd Bittner den von Beginn des Stücks an unangenehmen und manipulativen Ehemann Mr. Jack Manningham. Eindrücklich wurde anhand der Abhängigkeitsbeziehung zur Ehefrau Mrs. Bella Manningham, gespielt von Marion Best, dem Publikum aufreibend demonstriert, wie mithilfe bestimmter suggestiver Schemata und Argumentationen einem zunehmend an ihrem Verstand zweifelnden, desorientierten Opfer die Wahrnehmung der Realität in Frage gestellt werden kann. Dass in dieser ambivalenten, berechnenden Beziehung ein pensionierter Scotland Yard-Inspektor Abhilfe schaffen und ungeahntes Schrecken aufdecken kann, zeigte Michael Musil als Mr. William Rough in ruhiger und routinierter Fasson.
Auf die Frage, ob das Stück nicht ein wenig anstrengend für die bereits in Weihnachtsstimmung versetzten Zuschauer sein könnte, entgegnete Regisseur Schilling nur: „Ach warum? Wir haben schon in dieser Zeit Hamlet aufgeführt!“ Die Probenphase für diese Inszenierung habe bereits im Juni begonnen und die Proben für das nächste Stück im Frühjahr seien bereits im vollen Gange. Gute Nachrichten für die, die keine Karte mehr für die restlos ausverkauften Vorstellungen ergattern konnten!
Co-Regisseurin Hannelore Mies nahm im ausverkauften Amateurtheater die Eintrittskarten entgegen.Foto: NC
Marion Best gab als Mrs. Bella Manningham eine beeindruckende Darstellung ab.Foto: Uwe Schaar/die oase
Schon im Foyer drängten sich die vielen gespannten Zuschauer. Foto: NC
