Allgemeine Berichte | 17.11.2016, 13:26 Uhr

Freie Waldorfschule Neuwied

Zwölfte Klasse überzeugte mit dem „Besuch der alten Dame“

Das Ensemble machte aus seinen Rollen feine Studien, ob als Bürgermeister, alte Dame, ehemaliger Geliebter, Pfarrer, Lehrer oder Kammerdiener.privat
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Neuwied. Friedrich Dürrenmatts Stück „Der Besuch der alten Dame“ ist aktuell wie eh und je. Das zeigte sich bei der gelungenen Aufführung, die nach knapp dreiwöchiger intensiver Probenzeit in der freien Waldorfschule Neuwied öffentliche Premiere hatte.

Die in ihrer Jugend zu Unrecht verstoßene Claire Zachanassian kehrt als alt gewordene Milliardärin zurück in ihr verarmtes Heimatstädtchen Güllen. Sie will sich die Gerechtigkeit kaufen und bietet eine Milliarde für den Mord an ihrem früheren Liebhaber Alfred Ill., der das gemeinsam gezeugte Kind und damit sie damals verleugnet hatte.

Werden die Bürger den materiellen Verlockungen widerstehen, das Banner der Humanität hochhalten und ihren geachteten Mitbürger vor diesem unmoralischen Angebot schützen?

Warum geht die mächtige „alte Dame“ so mit dem an ihr begangenen Unrecht um? Solche aktuellen Fragen behandelt das zeitlose Werk, ohne den Zeigefinger zu heben oder eine der Figuren explizit anzuklagen. Dürrenmatt selbst meinte dazu: „Der Besuch der alten Dame ist eine Geschichte, die sich irgendwo in Mitteleuropa in einer kleinen Stadt ereignet, geschrieben von einem, der sich von diesen Leuten durchaus nicht distanziert und der nicht so sicher ist, ob er anders handeln würde.“

Die Umsetzung des Theaterstücks zeugte von viel Engagement aller Beteiligten, Lebendigkeit und Liebe zum Detail. Die anspruchsvollen, flüssig und souverän vorgetragenen Dialoge und die ansprechenden Bühnenbilder und Requisiten ließen das Publikum ahnen, wie viel Arbeit die zwölfte Klasse in dieses Projekt gesteckt hatte. Überhaupt gelang es der Regisseurin Marion Mertz, den Klassiker hervorragend mit den Schülern umzusetzen. Der Spannungsbogen wurde gut aufgebaut, die Charakterrollen interessant ausgefüllt. Die jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspieler zeigten auf der Bühne vollen Einsatz und nutzten den kompletten Bühnenraum. Die kreativen, teilweise nostalgischen Kostüme verliehen dem Stück zusätzlich Leben. Das Ensemble machte aus seinen Rollen feine Studien, ob als Bürgermeister, alte Dame, ehemaliger Geliebter, Pfarrer, Lehrer oder Kammerdiener.

Es war eine rundum gelungene Darbietung, in die die Schüler sichtlich Herzblut gesteckt hatten. Das begeisterte Publikum spendete reichlich Beifall und einen Zuschuss zur Klassenfahrt.

Das Ensemble machte aus seinen Rollen feine Studien, ob als Bürgermeister, alte Dame, ehemaliger Geliebter, Pfarrer, Lehrer oder Kammerdiener.Foto: privat

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