Unkel lud am Wochenende bereits zum zehnten Markt ein
„design & gestaltung“ an der Rheinpromenade
Nach einem sonnigen Samstag beendete ein Regenguss den Markt am Sonntag frühzeitig
Unkel. Erneut als absoluter Publikumsmagnet erwies sich am Wochenende der Unkeler Markt „design & gestaltung“ bei seiner zweiten Auflage nach der Pfingst-Ära „Rex Stephenson/Gudrun Küpper“, die im Vorjahr die Organisation André Morfeld und Christine Bentley erstmals überlassen hatten. Mit dem Wochenende nach Pfingsten war wie im Vorjahr auch der Termin geändert, da in Rheinland-Pfalz Märkte an kirchlichen Feiertagen per Gesetz verboten worden sind. „Noch!“, erklärte Bernd Roeter, den Stephenson vor zehn Jahren als damaligen Leiter der Beratungsstelle für Formgebung in Rheinland-Pfalz in Bord geholt hatte, nicht zuletzt um die Qualität der Kunsthandwerker sicherzustellen. Die präsentierten wie in den neun Jahren zuvor wieder vom Fronhof im Norden bis zur Mariensäule im Süden Skulpturen, Bilder, Objekte mit und ohne Funktion sowie Gebrauchsgegenstände aus Holz, Metall oder Keramik, vor allem aber individuellen Schmuck und kreative, modische Accessoires. Ein Markt am Pfingstwochenende würde schon noch einmal einige Besucher mehr anlocken, war er sich sicher.
Geschadet hatten dem Design-Markt aber selbst die vielen Konkurrenzveranstaltungen am Wochenende nicht. „Ich habe gestern von vielen Besuchern gehört, dass sie etwa vom Linzer Antikmarkt zu uns gekommen sind oder aber von der Unkeler Rheinpromenade in die Bunte Stadt weiterfahren“, berichtete Andre Morfled am Sonntagvormittag am „Stand der Stadt Unkel“, an dem sich die Besucher mit heimischen Weinen und türkischen Spezialitäten stärken konnten. Die Qualität des Unkeler Designer-Marktes und sein breit gefächertes Angebot mit individueller Kleidung, Batiktüchern und anderen Accessoires, Lederwaren, Glas-Objekten und –malerei, Seifen und Papierkunst habe sich eben herumgesprochen und locke Jahr für Jahr ein immer kundigeres und anspruchsvolleres Publikum in die Kulturstadt. Wie seine Mitstreiterin und natürlich die gut 70 Händler hoffte Andre Morfeld natürlich, dass die „Wetterfrösche“ mit ihrer Prognose für die Region genauso daneben liegen würden wie eine Woche zuvor.
Zwar hatte sich die Sonne am Sonntag gegen 10 Uhr endgültig aus dem Rheintal verabschiedet, die grauen Wolken hatten zahlreiche Fans von erlesenem Design jedoch nicht abhalten können, an die Unkeler Rheinpromenade zu pilgern. Dort konnten sie etwa vor dem Rheinhotel Schulz Karin Thull in ihrer Münzesägewerkstatt beobachten, wie diese aus einer burmesischen Silberrupie den Hintergrund entfernte, so das nur noch der Radschlagende Pfau im Außenkranz der Münze zu sehen war. Vergleichbares galt natürlich auch für die Bauwerke der 2-Euro-Stücke, die ebenso als mögliche Kettenanhänger feilgeboten wurden wie Münzen aus Uruguay, den Isle of Man oder den Cook Islands.
Aus dem Donnersbergkreis war Keramiker Manfed Braun angereist. Mitgebracht hatte er nicht nur Tassen, Becher und Schalen, sondern auch seine patentierten Weinkühler, die im oberen Teil fein gelocht sind.
Nicht nur mit Schatullen und Schalen aus schmalen Streifen aus Kirsch- und Nussbaum, die an das Hell-dunkel einer Klaviertastatur erinnern, sowie mit Baumscheibenbildern war Holzdesigner Ludwin Sartorius aus Daun wie in den Vorjahren an den Rhein gekommen. Mitgebracht hatte er dieses Mal zudem große Metallbilder, neben denen sich am Nachbarstand schwarze Stieren, grüne Drachen und weiße Gänsen als „Stehauf-Tiere“ breit machten.
Olfaktorisch, also mittels Nase angesprochen wurden die Besucher am Stand mit handgemachten Olivenölseifen, die neben bauchigen Bade-Cupcakes etwa nach Lindenblüte oder Vanille, nach Verbenen, Rosen oder Lavendel rochen. Damit konnten die flauschigen Filzblumen am Stand des „Landlebe“-Teams um Petra Thyssen zwar nicht dienen. Mit seiner Farbenpracht lockte er jedoch jede Menge Besucher an, die sowohl die Niki de Saint Phalle nachempfundenen Strick-Nanas bwunderten wie auch die Häuser aus Blümchenstoff tragenden Schnecken, die aus Kunstrasensoden über die Rheinpromenade schlichen.
Längst war auf dieser kein Durchkommen mehr für sonntägliche Jogger, kamen doch selbst die Design-Fans nur noch im Gänsemarsch-Zockeltrab vorwärts, da sich an vielen Ständen dicke Pulks Informationen-suchender Besucher gebildet hatten. All dies war dann mit einem Schlag vorbei, als kurz nach 16 Uhr ein überaus heftiger Wolkenbruch über der Region herniederging und dem 10. Markt „design & gestaltung“ ein vorzeitiges Ende bescherte. DL
Eine ungewöhnliche Mischung von Holz und Metall-Kunstwerken gab es am Sartori-Stand zu bewundern.
